18.08.2016, 14.54 Uhr

1,05 Euro Stundenlohn: Flüchtlinge geben Arbeit auf, weil sie "Merkels Gäste" seien

In Sachsen haben Flüchtlinge die für sie geschaffenen Arbeitsplätze aufgegeben, weil ihnen die Bezahlung zu gering war. Statt 1,05 Euro pro Stunde haben die Männer den Mindestlohn gefordert.

Im sächsischen Waldenburg haben Flüchtlinge die für sich geschaffenen Arbeitsgelegenheiten abgelehnt. Die Bezahlung war ihnen zu gering. (Archivbild) Bild: dpa

Das berichtet Bern Pohlers (Freie Wähler), Bürgermeister der Stadt Waldenburg, in der aktuellen Ausgabe des Amtsblattes. Demnach wurden bereits im April sieben Arbeitsgelegenheiten (20 Wochenstunden je 1,05 Euro) für die Asylbewerber geschaffen und der Dienst angetreten.

In der ersten Woche sei dies noch gut gelaufen. Die Flüchtlinge, allesamt Männer, nahmen an gemeinnützigen Tätigkeiten im Stadtgebiet teil, wurden durch Mitarbeite des Bauhofes abgeholt, an ihre Arbeitsplätze und später zurück in ihre Unterkunft gebracht. "Die Männer waren pünktlich und haben Interesse für Technik gezeigt", wird Stadtrat und Bauhofmitarbeiter Jens Winter (Freie Wähler) in der "Freien Presse" zitiert. wird Dann schien sich das Blatt jedoch zu wenden.

"Gäste von Frau Merkel": Flüchtlinge lehnen Arbeit ab

"Später wurde dann von den genannten Personen argumentiert, dass sie Gäste von Frau
Merkel sind und Gäste ja nicht arbeiten müssten", schreibt Pohlers im Amtsblatt. "Weiterhin wurde die Meinung vertreten, dass es in Deutschland einen Mindestlohn (8,50 €) gibt und dieser dann auch von der Stadt Waldenburg zu zahlen ist!"

Die gezahlte Aufwandsentschädigung hätten die Asylbewerber als Lohn und nicht als zusätzliches Taschengeld zu den Sozialleistungen empfunden. Bei einem anberaumten Gesprächstermin habe man versucht, das ganze noch einmal zu erklären. "Leider konnte keine Einigung über die Fortführung der Maßnahme erzielt werden, so dass die Stadt am 31.05. den Abbruch der Arbeitsgelegenheiten erklärt hat", so Pohlers.

Arbeit abgelehnt: Das sagen die Flüchtlinge dazu

Der Bürgermeister sei über diese Entwicklung "persönlich enttäuscht und in gewisser Weise traurig." Neben dem Aufwand der Beteiligten, bleibt die Stadt laut "Freie Presse" auf Arbeitskleidung im Wert von 700 Euro sitzen, weil das Projekt nicht lange genug gelaufen ist.

Den Flüchtlingen sei mithilfe eines Dolmetschers und des zuständigen Sozialarbeiters erklärt worden, dass sie erst nach Anerkennung ihres Asylantrages eine Arbeit annehmen können, die mit 8,50 Euro entlohnt wird. Wie die "Freie Presse" berichtet, haben sich die Männer nun um einen vorzeitigen Beginn ihres Integrationskurses beworben haben. "Sie möchten lieber möglichst schnell einer geregelten Tätigkeit für 8,50 Euro nachgehen, als Sozialleistungen zu bekommen und nebenbei als Ein-Euro-Jobber im Bauhof zu arbeiten."

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mie/boi/news.de

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