20.11.2013, 16.23 Uhr

Kriminalität: Kunstfälscher nimmt sich nach Geständnis das Leben

Berlin - Ein pensionierter Lehrer aus Berlin soll zehn Jahre lang Kunstwerke der Expressionistin Lou Albert-Lasard gefälscht und damit gehandelt haben.

Gefälschter Nachlassstempel der deutsch/französischen Malerin Lou Albert-Lasard Bild: picture alliance / dpa | Polizei

Nachdem der 73-Jährige vor gut einer Woche aufflog, nahm er sich das Leben, wie die Polizei am Mittwoch mitteilte. Der Ex-Studienrat hatte zugegeben, die etwa 100 Bilder angefertigt zu haben. Danach verschwand er, und einige Tage später wurde seine Leiche in einem Wald bei Trebbin in Brandenburg gefunden. Alle Umstände deuteten auf einen Suizid, erklärte die Polizei.

Ermittler des Landeskriminalamtes hatten nach eigenen Angaben am Dienstag vergangener Woche bei einer Durchsuchung zahlreiche Beweise sichergestellt - darunter einen sogenannten Nachlassstempel, mit dem der 73-Jährige die gefälschten Bilder gekennzeichnet hatte. Käufern soll er dann erzählt haben, die Bilder stammten aus dem Nachlass Albert-Lasards, die 1969 in Paris gestorben war.

Der frühere Kunstlehrer soll die Fälschungen seit 2003 angefertigt haben. Albert-Lasard ist bekannt für ihre Darstellungen aus dem Stadtleben. Solche Motive hatte auch der mutmaßliche Fälscher gewählt: Berlin in den 1920er-Jahren. Hinweise aus dem Kunsthandel hatten die Fahnder schließlich auf die Spur des Mannes geführt.

Am vergangenen Donnerstag, zwei Tage nach der Durchsuchung, gestand der 73-Jährige die Taten bei der Polizei. Tags darauf meldete ihn seine Ehefrau als vermisst. Die Ermittler machten keine Angaben, wie viel Geld er mit dem Verkauf der angeblichen Albert-Lasard-Bilder eingenommen hat. Die Polizei sucht weitere Käufer der Fälschungen.

An die Dimensionen des Skandals um den Kunstfälscher Wolfgang Beltracchi reicht der Fall wohl nicht heran. Beltracchi hatte mit seiner Frau Helene und zwei Komplizen gestanden, jahrelang Fälschungen als Werke von Künstlern wie Max Ernst, Max Pechstein, André Derain, Fernand Léger und Heinrich Campendonk in den Markt geschleust zu haben. Dafür kassierte er mindestens 16 Millionen Euro.

Der Gesamtschaden, der auch beim Weiterverkauf der Werke entstand, wird auf etwa 34 Millionen Dollar geschätzt. Renommierte Kunstexperten und weltbekannte Auktionshäuser fielen auf die Fälschungen herein. Im Oktober 2011 wurde Beltracchi nach einem Geständnis zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt.

hos/news.de/dpa

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