Hamburg: Fatih Akins "Geister": Junge Liebe zwischen Leben und Tod
Der Filmemacher Fatih Akin hat die Insel wieder gegen Hamburg getauscht: Nach der "Amrum"-Verfilmung hat er nun erneut eigenen Stoff verfilmt. Und der trägt diesmal Akins zarte Handschrift.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Die zarte Liebe zwischen der Syrerin Farah und dem Türken Faris nimmt im Hamburger Fernsehturm ihren Anfang. Sie knistert mitten im Partylärm der Abi-Feier leise und intensiv. Die beiden sehen sich das erste Mal und sind sofort ineinander verschossen.
Doch das junge Glück währt nicht lang: Farah kommt noch am selben Abend bei einem Autounfall ums Leben. Am Steuer des Wagens, der im Hafenbecken versank, saß ausgerechnet Faris. Farahs Tod bedeutet dennoch nicht das Ende der Liebe, denn sie begegnet ihm fortan in seinen Träumen. Das geht der Tradition von Farahs Familie nach nämlich noch für exakt 40 Tage nach dem Tod.
Menschen zwischen zwei Welten
Fatih Akin widmet sich mit seinem neuen Film "Geister" - nach der Verfilmung von Hark Booms Autobiografie "Amrum" und der Lebensgeschichte des Rappers Xatar mit "Rheingold" - diesmal einer sanften Liebesbeziehung zwischen Leben und Tod.
Akin hat damit erneut eine poetische Geschichte auf die Leinwand gebracht, die gleichsam in verschiedene Kulturen eintaucht, sie ohne Scheu zeigt und sie miteinander harmonisch verschmelzen lässt. Im Mittelpunkt des Films stehen - wie so oft in Akins Filmen - Menschen zwischen zwei Welten. Zwischen Leben und Tod, zwischen Familie und Beziehung, zwischen Tradition und Moderne, zwischen zwei verschiedenen Kulturen.
Liebe wächst in seinen Träumen
Faris und Farah stehen zwischen Leben und Tod und sie treffen sich in der Mitte - in seinen Träumen. Dort wächst die Liebe zwischen den beiden immer weiter. Gemeinsam erleben beide in den Nächten, wie ihre Beziehung vielleicht weitergegangen wäre. Dabei wird Farahs Kleidung mit jeder Nacht freizügiger und die Träume enden meist damit, dass Farah in einem Bus, der U-Bahn, einem Alsterdampfer oder auf andere Weise wieder davonfährt.
Für Faris verschwimmen im Laufe der 40 Tage immer mehr die Grenzen zwischen der Realität und seinen Träumen. Und in beidem hält er an Farah fest. Er wird zum Stammzellspender, weil Farah das zu Lebzeiten auch gemacht hat. Als "Fernbeziehung" bezeichnet er seine Liebe zu der Frau. Dutzende von Zeichnungen von ihrem Gesicht hängen irgendwann in seinem Zimmer.
Seine Familie betrachtet diese Entwicklung mit großer Sorge. Faris landet in der Psychiatrie - lässt Farah aber auch dort nicht los.
Vereint im Tod oder Festhalten am Leben?
Gleichzeitig setzt sich Faris - tags wie nachts - damit auseinander, ob er Schuld an dem tödlichen Unfall gewesen sein könnte. Stück für Stück setzen sich die Puzzleteile der Unfallnacht zusammen. Bis Farah ihm schließlich zeigt, warum sie wirklich gestorben ist.
Kurz vor Ende der 40 Tage sind Farah und Faris davon überzeugt, dass sie im Tod wieder vereint sein werden. Sie planen einen dramatischen Abgang für Faris. Als das - dank Faris' Mutter - misslingt, ändert sich auch die Perspektive der Liebenden auf das Leben und den Tod. Vor allem darauf, dass es um sie herum noch weitere Menschen gibt, die ihretwegen trauern beziehungsweise sie von Herzen lieben und sie längst noch nicht gehen lassen wollen.
In "Geister" geht es ums Lieben, ums Wachsen, ums Loslassen und um den Wert von Familie. "Es gibt Blumen, die man so sehr liebt, dass man sie nicht pflückt, sondern wachsen lässt", sagt Farah an einer Stelle zu Faris.
Akins neueste Produktion ist ein sanfter und eindringlicher Film, für den man viele weiche Taschentücher einpacken sollte. Gerade die Trauerzeremonie hat Akin auf sehr emotionale Weise eingefangen, ohne dabei aufdringlich zu sein oder Grenzen zu überschreiten.
Hamburger Augenschmaus und traurig-schöner Ohrwurm
Dieser Film bleibt auf vielen Ebenen hängen. Akin ist einfach ein Meister der schönen Bilder. Seine Heimatstadt Hamburg setzt er kultig in Szene und zeigt dabei auch spannende Orte, die selbst viele Einheimische nicht kennen dürften. Menschenleere Plätze in der Innenstadt, die Hafenbahn auf der anderen Elbseite, die Außenalster mit ihren Dampfschiffen, die Elbphilharmonie und natürlich Hamburg von oben - mitten in der Nacht.
Für die Dreharbeiten hat das Team eigens den Hamburger Fernsehturm nachgebaut, wie Akin beim Filmfest in Hamburg sagte, wo "Geister" nach der Weltpremiere im spanischen San Sebastián vorgestellt wurde. Diese Arbeiten hätten den Film zu einem der schwierigsten in seiner bisherigen Karriere gemacht, räumte Akin ein. Der Nachbau des Turms sowie die Dreharbeiten unter Wasser seien sehr herausfordernd gewesen.
Ein absoluter Hingucker sind aber auch die beiden Hauptdarstellenden. Sie bringen das Wechselbad der Gefühle der jungen Liebenden sehr glaubhaft und eindrücklich herüber. Selbst die langen Kameraeinstellungen auf ihre Gesichter halten sie mit viel Ausdruck aus und zeigen dabei gleichzeitig tiefe Emotionen.
Akin selbst sagt übrigens, dass er gern mit jungen Schauspielerinnen und Schauspielern dreht, weil sie ihn selbst jung hielten. Das sei sogar noch besser als Botox und Co., sagte er beim Filmfest lachend.
Hängen bleibt auch die traurig-schöne Hauptmelodie des Films, die eigens für "Geister" geschrieben und eingesungen wurde. Eine markante Frauenstimme singt dabei auf Arabisch eine Art wehmütigen Liebesgesang. "Ya Mami" heißt das Lied, das Aya Samra singt. Und die ans Herz gehende Geschichte gibt es übrigens auch als Graphic Novel, illustriert von Bea Davies.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de
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