Hamburg: Rockpionierin Inga Rumpf wird 80: "Bedaure überhaupt nichts"
Sie sorgt bis heute für ausverkaufte Häuser: Sängerin Inga Rumpf, die mit Weltstars spielte und immer Norddeutsche geblieben ist. Jetzt feiert die Ikone der deutschen Rockmusik runden Geburtstag.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Mit ihrer kraftvollen Stimme ist die Sängerin Inga Rumpf seit Jahrzehnten eine Ikone im Bereich Rock, Blues, Jazz, Folk und Gospel. Sie stand mit Weltstars wie Lionel Richie und B.B. King auf der Bühne, rockte mit Ron Wood und Keith Richards von den Stones - war dabei eine der ersten Frauen in der Branche. Am 2. August wird die in Niedersachsen lebende preisgekrönte Künstlerin, die auch komponiert und textet, 80 Jahre alt.
Den runden Geburtstag nimmt sie zum Anlass für einen zuletzt eher rar gewordenen Auftritt. Das große Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie am 13. September ist längst ausverkauft, sagt Inga Rumpf ("My Life Is A Boogie") der Deutschen Presse-Agentur und freut sich mit ihrem sympathisch natürlichen Lächeln über den Zuspruch ihrer Fans. Die halten ihr zum Teil seit Jahrzehnten die Treue, kämen inzwischen sogar mit Kindern und Enkeln.
Großes Elphi-Konzert soll Zeitdokument werden
Unter dem Motto "Inga 80 - Inga Rumpf & Friends + Very Special Guests" soll mit ihren vielfältigen musikalischen Ausdrucksmitteln auch in der "Elphi" die Post abgehen. Und es wird einen Live-Mitschnitt geben. Wer die Friends und Guests sind, bleibt aber noch geheim.
"Das Konzert wird ein Zeitdokument", sagt Rumpf, die in Matrosenpulli, Lederjacke und mit Stiefeln zum Interview gekommen ist. Ihr maritimes Outfit ist kein Zufall: "Hamburg hat mich geprägt", verrät sie, markant rau klingend, mit Blick auf den Strom und Container-Ladekräne.
Als Seemannstochter nahe dem Hauptbahnhof aufgewachsen, sei sie als Kind oft zu Fuß zum Hafen gelaufen, habe am Strand gebadet und das Hämmern und Stampfen auf den seinerzeit noch vielen Werften genossen. Damals wollte sie sogar als Funkerin einmal selbst zur See fahren. "Als junges Mädchen konnte ich das Morse-Alphabet und kannte alle Flaggen-Signale", erinnert sich Rumpf schmunzelnd, die überhaupt "die coole Mentalität im Norden" mag. Und sie fährt fort: "Es ist dann anders gekommen - und das ist auch gut so."
Auch in den USA erfolgreich
Rumpfs familiäre Verhältnisse in der Nachkriegszeit waren eng und bescheiden, der Vater streng - so entdeckte sie als schüchterner und stotternder Teenager die eigene Gesangsstimme als Möglichkeit, sich zu entfalten.
"Wenn ich gesungen habe, wusste ich, das ist mein Raum, da kann mir keiner was anhaben. Ich dachte, mit Musik kann ich viel erreichen - die Welt sehen, Menschen kennenlernen und meinen Lebensunterhalt verdienen." Sie sollte recht behalten.
Rumpf war nicht nur im eigenen Land erfolgreich, auch in den USA kam sie mit ihrer Band Atlantis gut an. "Ihre Stimme ist wirklich einzigartig und unverwechselbar", erklärt denn auch Kollege Achim Reichel (82, The Rattles) in einer WDR-Doku von 2021.
Für Inga, die zunächst noch Ingeborg hieß und ihre ersten Auftritte in einer Teestube auf St. Pauli hatte, begann es 1965 mit der Folk-Rock-Gruppe City Preachers. "Das war eigentlich Weltmusik. Viel Folklore, ich habe Blues und Gospel dazu beigetragen. Weil das die Musik ist, mit der ich eigentlich sozialisiert wurde", sagt die Sängerin der dpa. "Andere brachten jiddische Volkslieder, spanischen Flamenco, Skiffle-Musik ein."
Lieder gegen den Krieg
Die Preachers, bei denen zeitweise Udo Lindenberg Schlagzeug spielte, standen für die Folk-Bewegung, die aus den USA kam - mit Bob Dylan oder auch Joan Baez. "Fans waren junge Leute, die mit der etablierten Welt nicht mehr zufrieden waren. Es war so ein Übergang - vom Kleinkarierten zum Weltoffenen", blickt die 79-Jährige zurück. Und fügt hinzu: "Wir sind auch demonstrieren gegangen gegen den Vietnam-Krieg. Und haben eine Platte gemacht, die hieß "Warum - Lieder gegen den Krieg"."
Sie selbst habe sich politisch allerdings nicht an vorderster Front bewegt. Damals hatte Rumpf auf Drängen ihrer Mutter bereits eine Ausbildung als Schaufensterdekorateurin absolviert - und einen Kaufmannsgehilfen-Brief in der Tasche.
Mit der Zeit wurde der Sound härter und die Stimme der stets energiegeladen agierenden Inga lauter. So kam es um 1970 zur Gründung der Band Frumpy - mit Kollegen wie dem Keyboarder Jean-Jacques Kravetz, der in Paris das Musik-Konservatorium besucht hatte. "Wir machten im weitesten Sinne progressive Rockmusik, es kamen wieder verschiedene Stilrichtungen zusammen", sagt Rumpf.
Die Vorbilder hießen Jimi Hendrix, Procol Harum, The Rolling Stones. Erst wurde in Dorfkneipen und Tanzsälen gastiert, bald auf den überall entstehenden Festivals mit ihren Publikumsmassen, wo der Frumpy-Sound bestens ankam. "Es war ja die Zeit der Hippie-Bewegung", kommentiert die Sängerin, die lange Haare mit Mittelscheitel trug und sich die schlichte Bühnengarderobe für den androgyn wirkenden Körper selbst schneiderte.
Kultband Frumpy
Dem Drogenkonsum, der in der Szene schon damals grassierte, entzog sich die Frontfrau bald. "Ich trinke höchstens gern mal ein Bier, habe nie viel geraucht, seit fünf Jahren überhaupt nicht mehr", sagt die Musikerin. Frumpy stieg zur Kultband auf und bekam einen Plattenvertrag.
Klassiker von damals, die sie bis heute mit verschiedenen Formationen präsentiert, waren "How The Gypsy Was Born", "Friends", "Indian Ropeman" und "Get On Board". Aus Frumpy ging 1972 Atlantis hervor, wobei wiederum Lindenberg mit von der Partie war. Nach internationalen Konzerterfolgen löste sich Atlantis schon 1976 auf.
Für die vielseitige Rumpf ergaben sich noch viele Neuanfänge. So tourte sie mit ihrer Band Reality, war Dozentin an der Hamburger Hochschule für Musik und Theater - und gab umjubelte Gospel-Konzerte in evangelischen und katholischen Kirchen. Mit eigenen Songs, in denen sie statt streng überliefertem Glauben eine "Religiosität im weitesten Sinne" formulierte. "Walking In The Light" heißt das dabei entstandene Album.
Endlich Gelassenheit und Muße für die Freunde
Heute lebt die Musikerin, die zweimal verheiratet war, ruhiger - in ihrem Haus in der Wesermarsch, wo sie gern im Garten arbeitet und neuerdings Spanisch lernt. Und sich ihre Auftritte sehr bewusst auswählt.
"Ich bedaure überhaupt nichts", sagt die 79-Jährige - auch in Hinblick auf eine möglicherweise verpasste Weltkarriere. "Ich war ja sehr oft in Amerika und es war auch an vielen Ecken schön, aber es hat mich immer wieder nach Hamburg zurückgezogen", sinniert sie. Und im Älterwerden, sagt die Künstler, sehe sie den Vorteil, endlich die Gelassenheit und Muße zu haben, um sich seinen Freunden wirklich widmen zu können. Alles habe eben seine Zeit.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de
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