Neu im Kino: "The Mandalorian and Grogu" bringt Star Wars zurück ins Kino

Sieben Jahre gab es keinen neuen Star-Wars-Film im Kino. Jetzt ist die Durststrecke für Fans vorbei. Aber funktionieren die zwei Publikumslieblinge Mando und Grogu auch in Groß?

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Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Kinogalaxis - da gab es nur drei Star-Wars-Kinofilme. Doch die Zeiten, als die Original-Trilogie (1977 bis 1983) allein für sich stand, können sich jüngere Star-Wars-Fans wohl gar nicht mehr vorstellen. Ende der 90er brachte Star-Wars-Erfinder George Lucas drei Prequels ins Kino. Und als er 2012 die Rechte am Sternenkrieg an das Disney-Imperium verkaufte, folgten Kinofilme im Jahresrhythmus. Bis Disney die Reißleine zog - sozusagen wegen Han Solo.

Nach dem für Star Wars mäßigen Kassenerfolg von "Solo: A Star Wars Story" stoppte der Micky-Maus-Konzern seine Fließband-Strategie. Der Abschluss von J.J. Abrams' Star-Wars-Trilogie ("Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers") kam 2019 noch ins Kino, dann konzentrierte sich Disney aufs Streaming. Star Wars wurde zu Serienfutter für Disney+, mit schwankendem Erfolg.

Doch während es um Star Wars im Kino ruhig wurde, stach eine Streamingserie heraus: "The Mandalorian".

Der Kopfgeldjäger und sein Findelkind

Die erste Star-Wars-Live-Action-Serie schuf zwei Publikumslieblinge:

Din Djarin (Spitzname: "Mando", gespielt von Pedro Pascal) - ein kompromissloser, aber prinzipientreuer Kopfgeldjäger, der sein Gesicht stets hinter seiner Rüstung verbirgt. Und Grogu - ein unschuldig-süßes Findelkind, das optisch an Jedi-Meister Yoda erinnert und offenbar verborgene Kräfte der Macht in sich trägt.

In Ein-Einhalb-Mann-Missionen verschlägt es die beiden auf fremde Planeten am wilden Rand der Galaxis. Ihre Abenteuer sind schnörkellos spannend erzählt, ohne den angesammelten Story-Ballast und Schlachten-Overkill der Kinofilme. In bisher drei Staffeln bietet "The Mandalorian" zwar durchaus auch heftige Kämpfe und State-of-the-Art-Effekte, setzt sie aber dosiert ein.

Manchmal sitzen der Mandalorianer und sein kleiner grüner Begleiter mit den spitzen Ohren einfach nur minutenlang im engen Cockpit eines Raumschiffs. Während die Sterne vorbeiziehen, versucht Grogu (Spitzname für viele junge Fans immer noch: Baby Yoda) heimlich, einen silbernen Schalthebelknopf mit der Macht zu sich zu befördern, bis ihn der wortkarge Krieger wieder einmal zurechtweist. In anderen skurrilen Szenen stopft sich Grogu allerlei froschartige Kleintiere oder bunte Kekse in den Mund.

Wohl wegen der großen Fansympathie entschied sich Disney schließlich, das Kino-Comeback von Star Wars dem Mandalorianer und Grogu in die Hand zu geben.

Manche Star-Wars-Fans haben noch gar keinen Kinofilm gesehen

Regisseur Jon Favreau ("Iron Man") ist der besondere Druck bewusst:

"Wenn man die Möglichkeit hat, Star Wars fürs Kino zu machen, knüpft man an das Vermächtnis dessen an, was Star Wars ursprünglich war", sagte der Showrunner der Serie der Deutschen Presse-Agentur Anfang Mai in Berlin.

Für den Kinofilm wollte der 59-Jährige einen Spagat schaffen: zwischen alten Star-Wars-Fans und neuen, die den Sternenkrieg bisher nur im Streamingformat kennen. "Weil es fast sieben Jahre her ist, gibt es inzwischen ein Publikum, das damals noch nicht alt genug war, um Star Wars im Kino zu sehen."

Favreau erinnert sich dazu gern an seine eigene Star-Wars-Initiation im Kino:

"Star Wars mit einem Publikum zu erleben - die Aufregung, das Abenteuer, der Humor - das hat Eindruck auf mich gemacht, als ich zehn Jahre alt war. Deshalb versuche ich, einem neuen Publikum das Gefühl zu vermitteln, das ich damals hatte."

Fans der Serie könnte etwas fehlen

Manche Fans der Serie könnte die Kinoversion allerdings enttäuschen. Denn den Spirit und die Welt der Serie bewahrt "The Mandalorian and Grogu" nur in Teilen.

Außer den Titelhelden tauchen zum Beispiel kaum beliebte Figuren aus der Serie auf. Der Kriegerorden der Mandalorianer, der viel der Atmosphäre der Serie ausmacht, wird allenfalls angetippt - etwa mit knappen Verweisen auf das besonders widerstandsfähige Beskar, das Mandalorianer für ihre Metall-Rüstungen verwenden. Die Welt der Serie wird hier wenig ausgebaut.

Und Fans des großen Ganzen, die nach sieben Jahren Kinopause vielleicht auf neue Entwicklungen im Star-Wars-Universum hoffen, bekommen ebenfalls nicht viel Neues. Es bleibt eigentlich beim dünnen Hinweis im Vorspann, dass wenige Jahre nach dem Sieg der Rebellion (zu sehen in "Die Rückkehr der Jedi-Ritter") noch versprengte Schergen des Imperiums im All unterwegs sind - und Mando und Grogu helfen sollen, diese aufzuspüren.

Wrestling der Riesenwürmer

Immerhin: Während ihrer Mission treffen Mando und Grogu durchaus interessante Figuren. Etwa die Zwillingscousins des wulstigen Kultbösewichtes Jabba The Hutt. Und Jabbas Sohn Rotta, der das böse Image der riesenwurmartigen Space-Mafiosi unterläuft - und für spektakuläre Bilder sorgt: Die wrestlingverdächtigen Kampfszenen der Hutts sind auf bizarre Weise sehr unterhaltsam.

Für die Macher stand allerdings die Entwicklung der beiden Titelhelden im Fokus. Regisseur Favreau spricht von einer Coming-of-Age-Geschichte für den kleinen Grogu: "Er ist immer noch derselbe, körperlich, aber er wird definitiv zu einer härteren Figur", erklärte Favreau der dpa. "Grogu wurde inzwischen ja von Luke Skywalker im Gebrauch der Macht ausgebildet und war ein Schüler der Mandalorianer. Er reift und verändert sich."

Mando wiederum reift als Vaterfigur, so beschrieb es sein Darsteller Pedro Pascal Anfang Mai im Interview der Deutschen Presse-Agentur. "Ich glaube, Mando entwickelt sich in diesem Film stärker als in jeder anderen Version ihrer Geschichten, weil er Grogu auf diesem Abenteuer mehr braucht als auf jedem anderen."

Grogus größter Moment

Die Dynamik und Entwicklung der beiden Titelhelden sind tatsächlich das größte Plus des Films. Eine Passage etwa, in der Grogu sich allein um beide kümmern muss, gehört zu den besten, berührendsten der gut zweistündigen Geschichte. Vielleicht auch, weil diese Minuten stark an die Bodenständigkeit der Serie erinnern.

Doch wenn diese Minuten vorbei sind, bricht in "The Mandalorian and Grogu" sehr schnell und recht beliebig der nächste Kampf aus. Es wirkt, als hätten die Macher Sorge, ihr Kinopublikum zu langweilen. Dabei könnten sich Fans der Serie vielleicht sogar das Gegenteil wünschen: mehr solche rührenden Mando-Grogu-Momente und weniger Kampfgetümmel.

Zu hart für FSK-12?

Zumal die Kämpfe teilweise sehr grausam geraten sind. Manche der Monster, die mit grässlichen Mäulern, Giftzähnen, riesigen Leibern und brutaler Bösartigkeit auf Mando und Grogu einprügeln, könnten für junge Zuschauer trotz einer FSK-12-Freigabe zu extrem sein.

Regisseur Jon Favreau scheint das durchaus bewusst zu sein. Der dpa sagte er: "Star Wars war schon immer so, dass das Abenteuer spannend war und die Welt gefährlich. Eltern müssen selbst entscheiden, womit sie sich wohlfühlen, wenn ihre Kinder es sehen."

Auch er selbst habe in seiner Kindheit Star-Wars-Filme als intensiv und beängstigend erlebt. "Aber ich denke, dass George Lucas von Anfang an auch etwas Positives hineingetan hat. Es gibt immer ein Gefühl von Hoffnung und das Gefühl, dass gute Menschen gute Dinge tun und dafür belohnt werden."

Der große Fehler von Mandos Gegnern

Bleibt die Frage, ob "The Mandalorian and Grogu" ein großes Star-Wars-Comeback im Kino einläuten kann. Die Neugier nach sieben Jahren Kinopause dürfte groß genug für einen Kassenerfolg sein. Und vielleicht sollte man als Filmkritiker nicht den großen Fehler vieler Gegner des Mandalorianers machen: Seinen kleinen spitzohrigen Begleiter zu unterschätzen!

Denn Grogu ist auch im Kinofilm ein echter Szenendieb - mit neuen wuseligen Bewegungen und Babylauten, seiner entwaffnenden Mischung aus Unschuld und wachsender Verantwortung und mit dem Charisma versteckter Jedi-Weisheit.

Sigourney Weaver, die nach "Alien", "Avatar" und "Ghostbusters" nun als Rebellenoffizierin auch im Star-Wars-Franchise mitmischt, schwärmt bis heute von Grogu, auch wenn er am Set nur eine Puppe war: "Ich habe Grogu eigentlich immer nur erlebt, wenn er sehr aktiv am Set war. Deshalb fühlt er sich für mich lebendig an. Ich habe ihn geliebt!"

Vielleicht schreibt ja nicht unbedingt dieser Film die Kinolegende von Star Wars fort - aber dafür der kleine Grogu ganz allein.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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