München: Göttliche Überraschung in Dietls Kultfilm-Update
Wellness-Paradies statt Wolkenbank: David Dietl schickt einen Münchner ins Paradies und hat für den göttlichen Thron eine Überraschung aus Hamburg parat. So ist der neue "Münchner im Himmel"-Kinofilm.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
Suche
Halleluja-Gesänge statt Stammtisch-Reden, himmlisches Manna statt bayerisches Bier? Nicht für Münchner, für die ja schon ihre eigene Stadt der Himmel auf Erden ist. Wie der Dienstmann Alois Hingerl nach seinem Tod gegen das göttliche Paradies rebelliert, zeigt der legendäre Kurzfilm "Ein Münchner im Himmel" von 1962 - nach der Kurzgeschichte von Ludwig Thoma.
Nun wurde die Geschichte in die heutige Zeit geholt - von David Dietl, Sohn von "Kir Royal"-Schöpfer Helmut Dietl. Hat seine prominent besetzte Hommage an München das Zeug zum Klassiker? Und welche sehr besondere Rolle spielt die Kabarettistin Ina Müller in dem neuen Film "Ein Münchner im Himmel - Der Tod ist erst der Anfang"?
Worum geht es?
Anders als in dem 10-minütigen Kult-Zeichentrickfilm heißt der Münchner nun Wiggerl und ist ein Taxifahrer. Nach einem Unfall landet er im Himmel, einer Art Wellness-Tempel mit Soja-Manna und Yoga mit Harfe. Wiggerl ist entsetzt, mischt den Laden auf und wird prompt wieder auf die Erde geschickt für eine wichtige Mission. Dort versucht er, Fehler und Versäumnisse seines irdischen Lebens wiedergutzumachen, vor allem seiner Tochter Toni gegenüber. Gar nicht so leicht, wie er bald feststellt.
Die irdischen Schauspieler
Maximilian Brückner, seit kurzem neuer Ermittler in der Sat.1-Serie "Kommissar Rex", gibt diesen Wiggerl als Münchner Stenz, der sorglos in den Tag hineinlebt und mit windigem Charme den Frauen nachsteigt. Die Leidtragenden: seine Tochter Toni, großartig gespielt von Momo Beier ("Die drei ??? - Toteninsel") und deren Mutter Kathi (sehenswert: Hannah Herzsprung - "Woodwalkers"). Auch dabei: Heiner Lauterbach, Michaela May, Maxi Schafroth und Marcel Mohab.
Die Himmels-Besetzung
Im Himmel sorgt Dietl für eine Überraschung. Hier herrscht nicht Gott als Vater, sondern eine Frau. Die Sängerin und Entertainerin Ina Müller spielt diese Göttin, die mit norddeutscher Schnoddrigkeit das Paradies bestens im Griff hat.
"Das ist längst überfällig", sagt Regisseur Dietl dazu. "Für mich hat das Göttliche schon immer eher etwas Weibliches." Der Göttin zur Seite: Robert Palfrader ("Pumuckl und das große Missverständnis") als österreichischer Petrus.
So ist der Himmel
Auch sonst hat Dietls Paradies mit bayerisch-katholischem Volksglauben nichts zu tun. Es eine Wellness-Oase, die das moderne Streben nach einem möglichst langen Leben, der Longevity, parodiert. "Ich habe das Gefühl, dass wir als Gesellschaft einen so starken Wunsch nach Selbstoptimierung haben, um auch dem Tod zu entkommen", erklärte der Regisseur der dpa. "Da dachten wir, dass das etwas sein könnte, was der Himmel den Leuten als Angebot machen könnte, um ihnen ihr Leben in der Unendlichkeit schmackhafter zu machen."
Ob das was für eine Hauptfigur aus einer Kultserie von Dietls Vater Helmut gewesen wäre? "Ich glaube, auch der Monaco-Franze sitzt lieber vorm "Café Münchner Freiheit" als da oben beim Wolken-Yoga", ist sich David Dietl sicher.
Von Sturschädeln und himmlischer Bayern-Quote
Der Münchner Filmemacher erzählt gleichermaßen humorvoll wie berührend - und mit Anklängen an den sturschädeligen "Engel Aloisius" von 1962, etwa wenn Wiggerl im Himmel flucht: "Halleluja, Himmel, Herrgott, Sakrament" und die Göttin entnervt stöhnt: "Diese Münchner."
Anders als Alois ist Wiggerl aber kein bierseliger Grantler, der den Himmel auf Erden im Hofbräuhaus wähnt. Der Taxler liebt dieses spezielle München-Gefühl, diese Mischung aus Selbstgefälligkeit, Herzlichkeit, derber Direktheit und Gemütlichkeit - und der Prise Aufsässigkeit, die die Geduld der Engel auf die Probe stellt. Fragt die Göttin entnervt von Wiggerls Treiben: "Was macht denn dieser Münchner hier?". Antwortet Petrus: "Bayern-Quote!".
Was soll der lebenslustige Taxifahrer auch mit dem himmlischen Stundenplan anfangen? "Yoga im Wolkenmeer", am frühen Morgen. Komisch auch, wenn er als Geist auf der Erde feststellt, dass er unsichtbar und körperlos ist. Dabei war sein Motto bislang immer: "Scheiss da nix, dann feid da nix", auf Hochdeutsch "Scher dich um nichts, dann fehlt dir nichts".
Das geht ans Herz
Die Komik verbindet Dietl gekonnt mit einer hochemotionalen Ebene. Denn tief drin hegt Wiggerl eine große Sehnsucht, die ihm erst nach seinem Tod bewusst wird - nach seiner Tochter. Die hat er jahrelang vernachlässigt. Nun will er sich mit ihr aussöhnen, dann eben als Geist. Doch wie soll er ihr das klarmachen? Es sind Szenen voller Hingabe und Wissen um Vergänglichkeit, aufs Schönste getragen von der Musik, die als Soundtrack zum Kinostart erscheint. Hörenswert ist vor allem der Song "Da Kini", der die Themen auf den Punkt bringt: Lebenslust, Vergänglichkeit und das schmerzhaft schöne Gefühl Liebe.
Göttliche Eingebung für die Staatsregierung?
Dietl hat eine wunderbare Komödie inszeniert, eine Hommage an seinen Vater und seine Heimatstadt. Und er macht klar: München ist vor allem ein Gefühl, schön, abgründig und widersprüchlich. Und im "Mia san mia"-Überschwang skeptisch gegenüber anderen Meinungen.
Und wo ist der Brief mit den göttlichen Eingebungen, den der Engel Aloisius schon im 64 Jahre alten Kurzfilm im himmlischen Auftrag in den bayerischen Landtag bringen sollte, aber den er verschlampt hat? Auf den muss die Staatsregierung auch nach diesem Film immer noch warten.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
Weitere aktuelle News im Ressort "Medien":
- True Crime: Faszination True Crime – Was steckt hinter dem Phänomen?
- München: "Ein Münchner im Himmel": Weltpremiere von Dietl-Film
- München: Die Grünen, der Ruhrpott und eine Lehrstunde für München
- Berlin News: Fett-Flecken erlaubt: Wie Artotheken Kunst zugänglich machen
kns/roj/news.de
Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.