Polizei-News Osnabrück, 16.10.26: Wie Sprengstoffkriminalität die Innere Sicherheit bedroht - Neuer Ansatz durch EU-Projekt

Die Polizei informiert über einen aktuellen Fall von Betrug in Osnabrück. Was ist heute passiert?

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Gewalt für das Presseportal Bild: Adobe Stock / roibu

Nationale und internationale Experten von der Polizei Niedersachsen, der Polizei Nordrhein-Westfalen, der Polizei Baden-Württemberg sowie vom Bundeskriminalamt, dem Zollkriminalamt und Polizeibehörden der Niederlande und Schweiz sowie von deutschen und niederländischen Justizbehörden beraten auf einer Fachkonferenz auf Einladung der Polizeidirektion Osnabrück im Rahmen des neuen EU-Projekts ISF LUMEN Expanded über gemeinsame Strategien gegen die dynamische Bedrohung durch Explosivstoffe.

Osnabrück: Die Zunahme von Sprengstoffdelikten und die missbräuchliche Nutzung pyrotechnischer Gegenstände stellen Strafverfolgungsbehörden in Deutschland und ganz Europa vor neue, drängende Herausforderungen. Tätergruppierungen der organisierten Kriminalität werden zunehmend brutaler und greifen auf Explosivstoffe zurück. Zusätzlich sorgen Phänomene wie "Violence as a Service", bei denen zunehmend Minderjährige über digitale Plattformen zur Ausführung von Gewalttaten und Sprengstoffanschlägen angeworben werden - für eine neue Qualität der Bedrohung der Inneren Sicherheit. Auch das am 1. August in Kraft getretene nationale Feuerwerksverbot in den Niederlanden dürfte zu Ausweich- und Verlagerungseffekte im Grenzraum führen.

Grenzüberschreitende Kooperation als SchlüsselUm diesen Entwicklungen wirksam entgegenzutreten, intensivieren die Polizeibehörden ihre internationale Vernetzung durch neues EU-Projekt unter der Überschrift ISF LUMEN Expanded. Die Polizeidirektion Osnabrück übernimmt in diesem Großprojekt die Leitung des Teilprojekts mit der Überschrift "Explosives" zur zielgerichteten Bekämpfung von Geldautomatensprengungen und Begehung von Straftaten mit Explosivstoffen. Auf Initiative der Polizeidirektion Osnabrück kamen am 15. Oktober 2026 zum offiziellen Kick-off des Teilprojekts "Explosives" hochrangige Vertreterinnen und Vertreter der Politie Nederland, BKA, Zoll, Justiz, Polizei Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg sowie kommunaler Vertretungen in Osnabrück zusammen, um konkrete Maßnahmen für die verbesserte internationale Zusammenarbeit und Strafverfolgung im Kampf gegen die Sprengstoffkriminalität voranzutreiben. Die Veranstaltung stellt zwei Tage lang die grenz-überschreitende Zusammenarbeit zur Bewältigung des illegalen Umgangs mit Explosivstoffen und der Bekämpfung von Geldautomatensprengungen im Fokus.

"Kriminalität macht an Staatsgrenzen nicht Halt - unsere Sicherheitsarchitektur darf es erst recht nicht", betonte Polizeipräsident Friedo de Vries auf der Konferenz in Osnabrück. "Ein eng abgestimmtes, operatives und strategisches Vorgehen mit unseren europäischen Partnern ist der entscheidende Hebel, um der Dynamik wirksam zu begegnen. Kriminelle Banden stellen eine ernstzunehmende Gefahr für die Innere Sicherheit dar - hiergegen vorzugehen, bedarf ein Zusammenwirken aller Sicherheitsakteure. Unser Ziel: Keine Explosivstoffe in Händen Krimineller!"

Aus den Niederlanden zu Gast auf der Konferenz: Der Polizeichef der regionalen Politie Eenheid Noord-Niederlande Martin Sitalsing. Als Allrounder in Sachen internationale Zusammenarbeit gibt er seinen Blick aus der Perspektive der niederländischen Nachbarn. "Ein zentraler Hebel liegt an unseren Grenzen: Sprengstoffe werden oft über Depots im deutsch-niederländischen Grenzgebiet ins Land geschmuggelt. Wenn wir hier - auch dank unserer neuen internationalen Taskforce - mehr Handhabe gewinnen, schaffen wir für die Menschen in unseren Ländern ein spürbar sichereres Lebensumfeld."

Harmonisierung und engmaschige Kontrollen gefordertIm Mittelpunkt der Beratungen standen neben der Lage im Grenzraum auch rechtliche und operative Anpassungen. Diskutiert wurden unter anderem:

  • Einheitliche Europäische Regelungen: Notwendigkeit rechtlicher Angleichungen beim Umgang mit und der Kontrolle von Explosivstoffen und pyrotechnischen Erzeugnissen.

  • Lückenlose Rückverfolgbarkeit: Die Einführung von "Track and Tracing"-Systemen für pyrotechnische Gegenstände analog zu zivilen Explosivstoffen.

  • Intensivierter Kontrolldruck: Gemeinsame, abgestimmte Kontrollaktionen von Polizei, Zoll und Ordnungsbehörden im deutsch-niederländischen Grenzgebiet vor und während des Jahreswechsels.

"Die aktuellen Diskussionen rund um die Neuregelungen des Feuerwerksrechts in den Niederlanden verdeutlichen die Bedeutung unserer engen grenzüberschreitenden Zusammenarbeit", bringt es Landespolizeidirektor Bernd Gründel auf den Punkt. "Neue Entwicklungen machen einen frühzeitigen Austausch von Informationen und gemeinsame Lagebewertungen erforderlich. Dabei können wir auf gewachsene und belastbare Kommunikationsstrukturen mit unseren niederländischen Partnern zurückgreifen. Diese vertrauensvolle Zusammenarbeit versetzt uns in die Lage, potenzielle Auswirkungen frühzeitig zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren. Mit ISF LUMEN Expanded stärken wir diesen Ansatz weiter und werden die Sprengstoffkriminalität mit Blick auf grenzüberschreitende Lösungen in den Fokus nehmen," so Gründel.

Auch die anderen teilnehmenden Behörden unterstrichen, dass der veränderten Bedrohungslage nur durch einen ganzheitlichen Ansatz begegnet werden kann, der Ermittlung, Prävention und Gesetzgebung eng miteinander verzahnt. Im Rahmen des Projekts ISF LUMEN Expanded werden die gemeinsamen Ermittlungs- und Abwehrmaßnahmen in den kommenden Jahren gezielt weiter ausgebaut.

Das EU-Projekt wird durch den Internal Security Fund (ISF) der Europäischen Union mit mehreren Millionen Euro gefördert. Unter der Gesamtprojektleitung des Landeskriminalamts Baden-Württemberg bekämpfen die Projektbeteiligten gemeinsam die organisierte Kriminalität in den Projektschwerpunktbereichen Schwere gruppenbezogene Gewaltkriminalität, Geldautomatensprengungen und Begehung von Straftaten mit Explosivstoffen, Callcenter-Betrug sowie organisierter Kfz-Kriminalität in Europa und gruppenbezogene Gewaltkriminalität. Dies soll durch Prävention, operative Maßnahmen und Ermittlungen, Trainings, Austausch zwischen Expertinnen und Experten, Harmonisierung von Verfahren, Verbesserung der technischen Möglichkeiten, Öffentlichkeitsarbeit sowie die Stärkung europäischer Polizeinetzwerke erfolgen.

+++ Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel basiert auf einer Meldung der Polizeidirektion Osnabrück vom 16.10.2026 gegen 12:28 Uhr. Die Originalmeldung aus dem Blaulichtreport des Presseportals finden Sie hier. Um Sie schnellstmöglich zu informieren, werden diese Texte datengetrieben aktualisiert und stichprobenartig kontrolliert. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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