Polizei-News Iserlohn, 17.09.26: Betrüger, Betrüger, Betrüger

Die Polizei informiert über einen aktuellen Vorfall von Cyberkriminalität in Iserlohn. Was ist heute passiert?

Erstellt von - Uhr

Aktuelle Polizeimeldung: Verkehrsunfall (Foto) Suche
Aktuelle Polizeimeldung: Verkehrsunfall Bild: Adobe Stock / Stefan Körber

Im Glauben, einen großen Lotto-Gewinn gemacht zu haben, hat sich eine 76-jährige Iserlohnerin am Dienstag überreden lassen, Gutscheinkarten zu besorgen. Die Seniorin bekam am Vormittag einen Anruf einer angeblichen Lottofee. Sie überraschte die Iserlohnerin mit der freudigen Nachricht über einen Gewinn von angeblich 38.000 Euro. Allerdings sollte die Seniorin Bearbeitungsgebühren bezahlen. Wie angewiesen, besorgte die Seniorin einen Tag später die Gutscheinkarten an einer Tankstelle. Entgegen der Warnung der Verkäuferin gab sie die wertvollen Codes am Telefon durch. Eine Stunde später überkamen sie doch Zweifel und sie erstattete Anzeige wegen Betrugs bei der Polizei. Die warnt immer wieder: Wer kein Lotto gespielt oder an anderen Gewinnspielen teilgenommen hat, der kann auch nichts gewinnen. Und selbst wenn der unwahrscheinliche Fall eines hohen Gewinns eingetreten sein sollte: KEIN seriöser Gewinnspielbetreiber verlangt Gebühren. Erklären vermeintliche Lottofeen am Telefon etwas anderes, liegt mit Sicherheit ein Betrugsversuch vor.

Ein falscher Microsoft-Mitarbeiter hat am Mittwoch bei einer 58-jährigen Iserlohnerin abkassiert. In diesem Fall meldete sich der angebliche Hotline-Mitarbeiter und behauptete, der Computer der Iserlohnerin sei "gehackt" worden. Er müsse das Gerät und sämtliche Zugänge sperren. Dazu nahm er Fernzugriff auf den Computer der Frau, veranlasste vor den Augen der Iserlohnerin mehrere Zahlungen über PayPal, nahm Zugang zum Online-Konto, und veranlasste diverse Buchungen. Der Unbekannte meldete sich mehrmals telefonisch. Die Gespräche dauerten rund zwei Stunden. Irgendwann kamen der Frau die ganzen Überweisungen doch merkwürdig vor und sie informierte ihre Tochter. Die schaltete den Computer kurzerhand aus und ging mit der Mutter zur Polizei. Die warnt immer wieder vor den angeblichen Microsoft-Betrügern. Der Masche liegt ein grundsätzlicher Mechanismus zugrunde: Die Opfer werden in Panik versetzt und zu unüberlegten Handlungen gebracht. Der Schaden, der angeblich vor dem Anruf der Betrüger vorliegt, wird erst durch die folgenden Handlungen der Betrüger verursacht. Die Polizei rät dringend davon ab, irgendeinem Fremden Fernzugriff auf den Computer zu gewähren. Geben Sie keine Überweisungen oder Geld-Transfers frei! Ist es passiert, sollten Betroffene unbedingt ihren Computer vom Netz trennen und zu einem örtlichen Fachmann oder fachkundigen Bekannten bringen und Anzeige bei der Polizei erstatten.

Betrüger haben am Mittwoch eine Tankstellen-Mitarbeiterin dazu gebracht, ihnen am Telefon die Codes von Geldkarten durchzugeben. Angeblich müsse ein Update an dem Telefonkartengerät durchgeführt werden. Mehrmals riefen verschiedene Personen an. Der letzte Anrufer, der dann das eigentliche "Update" aufspielen sollte, verlangte einen "Test": Die Frau sollte die wertvollen Code-Karten einscannen und ihm die Nummern durchgeben. Das tat die Frau. Als der Fremde immer mehr Codes verlangte, wurde die junge Frau misstrauisch, sie rief ihren Chef an. Die weiteren Anrufe des angeblichen Service-Technikers ließ die Frau unbeantwortet. Die Betrüger setzen auf die Unerfahrenheit oft junger Aushilfskräfte an den Tankstellen. Die Polizei rät dazu, mit Mitarbeitern klare Absprachen für solche Anrufe oder Anliegen zu treffen. Ist der Chef kurzfristig nicht erreichbar, muss das Update eben warten.

Vermeintliche Liebe endete am Mittwoch im Gefängnis. Der Love-Scammer läuft trotzdem noch frei herum. Eine Iserlohner Seniorin im fortgeschrittenen Alter hatte über Facebook einen Mann kennengelernt. Über Monate tauschten sich die beiden aus. Gegenüber der Polizei sprach die Frau später über ihre "romantische Beziehung", obwohl sich die beiden bisher nie persönlich getroffen hatten. Das sollte sich angeblich kürzlich ändern. Der Mann wollte aus der Türkei nach Deutschland reisen. Die Lügengeschichte nahm eine tragische Wende. Zuletzt meldete sich der Partner angeblich aus Herne: Er sei dort aus ihm unbekannten Gründen von der Polizei "festgenommen" worden und solle nun 40.000 Euro Kaution zahlen. Er bat die Seniorin um Unterstützung. Zur Unterstreichung dieser Bitte meldeten sich anschließend kurz hintereinander zwei Anrufer bei der Frau: Erst gab sich jemand als Polizei Herne aus, dann ein anderer Anrufer als Mitarbeiter der Justizvollzugsanstalt Bochum. Beide bestätigten die angebliche Kaution von 40.000 Euro und forderten das Geld von der Iserlohnerin.

Natürlich hatte die weder die echte Polizei Herne, noch die echte Justizanstalt Bochum am Telefon. Nun keimte bei der Iserlohnerin doch Misstrauen auf und sie rief die echte Polizei vor Ort in Iserlohn an - unter der 110. Die Beamten forderten die Frau auf, jeglichen Kontakt sofort abzubrechen und alle Chatverläufe zu sichern. Dem ersten Anschein nach bedienten sich die Betrüger einer Übersetzungs-Software, um mit der Frau in Deutschland zu kommunizieren.

Moderne Heiratsschwindler brauchen ihre Opfer nicht zu küssen. Die "romantischen Betrüger" (Romance- oder Love-Scammer) finden ihre Opfer in sozialen Netzwerken oder bei Online-Partnervermittlungen und spielen rücksichtlos mit deren Gefühlen. "Dein Profil gefällt mir", so lautet einer der Standard-Anmach-Sprüche. Die richtigen Worte, vielleicht auch im Chat oder per Skype, reichen: Nach wenigen Wochen oder manchmal nur Tagen ist das Opfer um den Finger gewickelt.Weibliche Scammer verschicken schnell Fotos, in denen sie sich leicht bekleidet präsentieren. Männliche Scammer verwenden häufiger Fotos in Uniform. Allen gemein ist, dass sie sich aus unterschiedlichen Gründen im Ausland aufhalten: Der Soldat weilt im Auslands-Einsatz, der Geschäftsmann jettet um den Globus. Solche Legenden sind durchaus ausgefeilt und beruhen auf der Erfahrung, was einsame Herzen anlockt. Schnell sprechen sie vom Heiraten und fast genauso schnell von Geldproblemen. Der Soldat möchte angeblich seine Abfindung steuerfrei nach Europa transferieren oder braucht eine Adresse in Deutschland zum Empfang von Paketen. Der Geschäftsmann erlebt einen Unfall, wird bestohlen, verhaftet oder braucht dringend Geld für die Operation der Kinder aus seiner ersten Ehe, ...

Wie kann man sich schützen? Manchmal hilft es bereits, den Namen des Auserkorenen zu googeln - insbesondere bei Kontakten ins Ausland. Oft machen sich die Romance-Scammer nicht einmal die Mühe, ihren Namen zu variieren. Gerne werden allgemein zugängliche Fotos ("Stockfotos") oder Fotos anderer Personen verwendet. Sie schlüpfen manchmal sogar in die Rolle eines Prominenten. Allein ein geschliffenes Deutsch bietet keine Gewähr, nicht an einen Betrüger zu geraten.

Spätestens, wenn der virtuelle Bekannte Geld will, sollten alle Alarmglocken schrillen. Dann sollte man alle Kontakte sofort abbrechen, Chat-Verläufe oder E-Mail-Verkehr sichern und Anzeige erstatten. Die Polizei warnt außerdem davor, Geld oder Pakete im Auftrag Fremder weiterzuleiten. Unversehens machen sich die Opfer so zu Komplizen und geraten selbst in den Fokus der Ermittler.Die Gefühlswelt vieler Opfer ist leider derart durcheinandergeraten, dass sich immer wieder Menschen sogar verschulden, nur um dem vermeintlichen Geliebten aus seiner Notlage zu verhelfen.

+++ Redaktioneller Hinweis: Dieser Artikel basiert auf einer Meldung der Kreispolizeibehörde Märkischer vom 17.09.2026 gegen 12:15 Uhr. Die Originalmeldung aus dem Blaulichtreport des Presseportals finden Sie hier. Um Sie schnellstmöglich zu informieren, werden diese Texte datengetrieben aktualisiert und stichprobenartig kontrolliert. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

Märkischer Kreis - Aktuelle Meldungen aus der Region:

/news.de

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.