Weltdiabetestag: Wie Diabetes unbemerkt Organe schädigen kann

Hohe Blutzuckerwerte bleiben oft lange unbemerkt. Sie können aber Nerven, Augen, Nieren und Blutgefäße schädigen. Warum die Zuckerkrankheit gefährlich ist und wie sich Schäden früh erkennen lassen.

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"Zuckerkrankheit" mag harmlos klingen. Ist sie aber nicht. Der medizinische Fachbegriff Diabetes mellitus steht auch für schwere Folgen. Denn dauerhaft hohe Blutzuckerwerte können Blutgefäße schädigen und damit Herzinfarkt und Schlaganfall begünstigen. Auch Nerven, Nieren und Augen leiden. Häufig, ohne dass Betroffene es direkt merken. Wie sich Schäden früh erkennen lassen, zeigt eine Übersicht zum Weltdiabetestag am 14. November.

Welche Ursache hat die Zuckerkrankheit?

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der der Körper den Blutzucker nicht ausreichend reguliert. Das liegt daran, dass das körpereigene Hormon Insulin, das in der Bauchspeicheldrüse gebildet wird, fehlt oder nicht richtig wirkt. Beim seltener auftretenden Diabetes Typ 1 zerstört das Immunsystem die insulinbildenden Zellen. Typ 2 macht mehr als 90 Prozent der Fälle aus. Hier reagiert der Körper zunehmend schlechter auf Insulin.

Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) ist bei rund zehn Prozent der Erwachsenen in Deutschland - also rund sieben Millionen Menschen - ein Diabetes diagnostiziert. Eine hohe Dunkelziffer wird vermutet, denn ein dauerhaft hoher Blutzucker bleibt oft lange unbemerkt.

Diabetes mellitus gilt als gut behandelbar, aber nicht heilbar. Die direkten Krankheitskosten in Deutschland lagen 2020 nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts bei über sieben Milliarden Euro.

Herz und Blutgefäße: Wenn Infarkt und Schlaganfall drohen

Diabetes kann Blutgefäße schädigen. Dauerhaft hohe Blutzuckerwerte begünstigen Arteriosklerose, also Ablagerungen in den Gefäßwänden. Die Gefäße werden enger und verlieren an Elastizität. Beschwerden treten oft erst auf, wenn ein Gefäß stark verengt ist. Dadurch steigt das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall.

Weitere Risikofaktoren dafür sind Bluthochdruck, hohe Blutfettwerte, Übergewicht und Rauchen. Regelmäßige Kontrollen von Blutzucker, Blutdruck und Blutfetten sowie eine Einschätzung des persönlichen Herz-Kreislauf-Risikos werden deshalb empfohlen.

Nerven: Wenn das Empfinden langsam nachlässt

Dauerhaft hoher Blutzucker kann auch die Nerven schädigen. Mediziner sprechen von diabetischer Neuropathie. Betroffen sind meist Füße und Unterschenkel. Manche Betroffene spüren ein Kribbeln, Brennen oder haben Schmerzen. Die Nationale Versorgungsleitlinie (NVL) nennt auf Grundlage von RKI-Daten je nach Datenquelle eine Häufigkeit von etwa 14 bis 28 Prozent unter den Diabetes-Typ-2-Patienten.

Gefährlich wird es, wenn Schmerz- und Druckempfinden verloren gehen. Kleine Verletzungen, Blasen oder Druckstellen bleiben dann leicht unbemerkt. Ärzte können mit einer Stimmgabel prüfen, ob Betroffene noch Vibrationen spüren. Die NVL empfiehlt, das Screening auf Nervenschäden je nach individuellem Risiko alle ein bis zwei Jahre zu wiederholen.

Füße: Wenn kleine Wunden gefährlich werden

Nervenschäden und Durchblutungsstörungen können gemeinsam ein diabetisches Fußsyndrom auslösen. Weil Verletzungen oft nicht gespürt werden und Wunden bei Diabetes schlechter heilen, kann das gefährlich werden. Im schlimmsten Fall entstehen schwere Entzündungen, die eine Amputation nötig machen.

Betroffene sollten ihre Füße deshalb täglich auf Rötungen, Schwellungen, Blasen und Druckstellen prüfen und auffällige Veränderungen ärztlich abklären lassen. Jedes Jahr entwickeln etwa zwei Prozent der Menschen mit Diabetes nach Angaben von Fachgesellschaften erstmals ein akutes diabetisches Fußsyndrom. Eine besonders schwere Folge ist der sogenannte Charcot-Fuß. Dabei werden Knochen und Gelenke zerstört, und der Fuß kann sich stark verformen.

Nieren: Wenn die Filter nicht mehr richtig arbeiten

Auch die Nieren können durch dauerhaft hohe Blutzuckerwerte Schaden nehmen, weil die feinen Blutgefäße beeinträchtigt werden. Die Filterleistung lässt nach, und Eiweiß kann vermehrt in den Urin gelangen. Eine Nierenerkrankung verursacht anfangs meist keine Beschwerden und bleibt daher oft unentdeckt, bis die Schädigung fortgeschritten ist.

Eine deutsche Auswertung aus dem Jahr 2025 zeigt, wie wichtig die Früherkennung ist: Bei fast 20 Prozent der Risikopatienten mit Diabetes, für die ausreichend Laborwerte vorlagen, fand sich eine chronische Nierenerkrankung. Die Zahl gilt aber nur für diese Teilgruppe, nicht für alle Menschen mit Diabetes.

Zwei einfache Tests helfen bei der Früherkennung: Ein Bluttest zeigt, wie gut die Nieren das Blut reinigen. Ein Urintest prüft, ob vermehrt Eiweiß ausgeschieden wird. Leitlinien empfehlen, beide Werte bei Diabetes zu kontrollieren.

Augen: Wenn die Netzhaut Schaden nimmt

Diabetes kann auch die feinen Blutgefäße in der Netzhaut schädigen. Die diabetische Retinopathie bleibt anfangs oft unbemerkt. Erst bei fortgeschrittenen Schäden kann das Sehvermögen nachlassen.

Eine mögliche Folge ist das diabetische Makulaödem. Dabei sammelt sich Flüssigkeit an der Makula, der Stelle des schärfsten Sehens. Betroffene sehen dann möglicherweise verschwommen. Plötzliche Sehstörungen sollten daher zeitnah augenärztlich abgeklärt werden.

Nach Angaben der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) sind 10 bis 15 Prozent der Menschen mit Typ-2-Diabetes betroffen. Bei bis zu 16 Prozent sind Netzhautveränderungen bereits bei der Diagnose vorhanden. Eine Augenuntersuchung ist deshalb direkt nach der Diagnose wichtig. Sind keine Schäden zu sehen und bestehen keine weiteren Risikofaktoren, reicht meist eine Kontrolle alle zwei Jahre. Bei erhöhtem Risiko ist eine jährliche Untersuchung nötig.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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