Erkrankungen in Frankfurt: Malaria bei Anwohnern von Flughafen - wie kam es dazu?
In Frankfurt sind erneut Menschen an der tropischen Variante von Malaria erkrankt – diesmal mehrere Kilometer vom Flughafen entfernt. Was zu den Hintergründen der nun insgesamt acht Fälle bekannt ist.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
Suche
Erneut sind Menschen in Frankfurt an Malaria erkrankt. Nachdem im Sommer sechs Mitarbeiter des Flughafens infiziert wurden und zwei davon starben, handelt es sich nun um Bewohner eines nahegelegenen Stadtteils. Wie häufig kommt so etwas vor - und was bedeutet das für Menschen, die nahe Flughäfen wohnen?
Wie kam es zu den neuen Infektionen und wie geht es den Patienten?
Die beiden Erkrankten aus dem Frankfurter Stadtteil Schwanheim sind in stationärer Behandlung. Die Diagnose sei schnell gestellt worden, erklärte das Frankfurter Gesundheitsamt. Ursache sollen Anopheles-Mücken aus einem Malariagebiet sein, die mutmaßlich mit einem Flugzeug nach Frankfurt kamen. Die Mücken können demnach fünf bis zehn Kilometer weit fliegen.
Die Infektionen traten fünf Kilometer entfernt vom Flughafen auf. Die Betroffenen waren nicht im Ausland und arbeiten nicht am Flughafen. Das Gesundheitsamt geht daher davon aus, dass die Mücke vom Flughafen kam - und es sich - wie in den vorherigen sechs Fällen - um Flughafen-Malaria handelt.
Die Krankheit wird über Mücken übertragen und nicht von Mensch zu Mensch. Die näheren Umstände werden noch untersucht - auch, ob es einen Zusammenhang mit den vorherigen sechs Malaria-Fällen gibt.
Müssen sich Anwohner von Flughäfen Sorgen machen?
Dass die Mücken sich um einen Flughafen in einem Radius von mehreren Kilometern bewegten, geschehe ganz selten, sagte der Leiter des Gesundheitsamts, Peter Tinnemann. "Sie müssen sich vorstellen, wie es Ihnen geht nach einer langen Reise aus einem tropischen Land, dann sind sie erschöpft." Zudem sei die Lebensdauer der Mücken kurz.
Bürger sollten sich keine Sorgen machen, aber aufmerksam sein bei Symptomen, sagte Tinnemann: "Dies gilt insbesondere für Menschen, die am oder im Umfeld des Frankfurter Flughafens arbeiten oder sich dort aufhalten beziehungsweise in räumlicher Nähe zum Flughafen wohnen." Neben Fieber könnten unter anderem Schüttelfrost, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Magen-Darm-Beschwerden auftreten.
Gibt es vergleichbare Fälle?
Neben Flughafenbeschäftigten waren bei einem Ausbruch 2020 in Belgien auch Bewohner Flughafen-naher Gebiete betroffen, wie das Robert Koch-Institut (RKI) mitteilte. Ermittler gingen davon aus, dass eine exotische Anopheles-Mücken die fünf Kilometer entfernten Häuser erreicht haben könnte.
Wie oft kommt es zu Malaria-Infektionen in Deutschland?
Malaria-Infektionen seien hierzulande sehr selten, so das RKI. Flughafen-Malaria sei "ein ungewöhnliches und seltenes Ereignis, das sowohl die behandelnden Ärztinnen und Ärzte als auch die zuständigen Gesundheitsbehörden vor besondere Herausforderungen stellt". Sie könne vor allem im Sommer in der Umgebung von Flughäfen auftreten, insbesondere wenn dort Flüge aus den Tropen abgefertigt würden. Der letzte solche Fall wurde 2023 ebenfalls am Frankfurter Flughafen dokumentiert.
"Die Gefahr der sogenannten Flughafen-Malaria ist bekannt", sagt auch Friedrich Frischknecht vom Uniklinikum Heidelberg. "Das ist extrem selten und wird extrem selten bleiben, auch wenn die Fälle mit dem steigenden Reiseverkehr ein bisschen zunehmen können."
Einen anderen Fall gab es vor fast 30 Jahren in Nordrhein-Westfalen. 1997 hatten sich zwei Mädchen in einem Krankenhaus mit Malaria angesteckt. Die Erreger waren wohl von der hierzulande vorkommenden Mückenart Anopheles plumbeus übertragen worden, die in der Nähe des Duisburger Klinikums gefunden wurde. Zur selben Zeit wurde dort damals ein Mädchen aus Angola wegen Malaria behandelt - vermutlich hatte eine Mücke zuerst sie gestochen und dann die beiden Mädchen.
Was ist Malaria eigentlich?
Malaria wird durch Parasiten verursacht, die vor allem durch Mücken übertragen werden. Reisende aus Deutschland infizieren sich meist in tropischen und subtropischen Ländern. Vor allem die schwerste Form, Malaria tropica, kann tödlich verlaufen.
Laut dem Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenkrankheiten ist diese Form für über 95 Prozent der Malaria-Todesfälle weltweit verantwortlich. Die Variante wurde auch bei den Patienten in Frankfurt diagnostiziert. Bei frühzeitiger Diagnose und schnell eingeleiteter Behandlung sei sie gut und vollständig behandelbar, heißt es beim Auswärtigen Amt.
Was ist das Tückische an Flughafen-Malaria?
Im jetzigen Fall sind Anwohner des Flughafens betroffen, zuvor waren es Mitarbeiter des Betreibers Fraport. Weil sie vorher nicht in Malaria-Gebieten waren, lag der Verdacht auf die Erkrankung nicht nahe.
Laut RKI kommen Todesfälle hierzulande vor, weil nicht an diese Diagnose gedacht werde - auch wegen uncharakteristischer Beschwerden wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen: "Häufig werden solche Anzeichen daher als grippaler Infekt oder Magen-Darm-Infektion fehlinterpretiert."
Daher ruft das Frankfurter Gesundheitsamt Bürger und Bürgerinnen sowie Ärzte und Ärztinnen dazu auf, bei solchen Symptomen an Flughafen-Malaria zu denken. Die Diagnose könne per Schnelltest erfolgen.
Sinken mit dem Herbst und dem Winter die Risiken?
"Manche tropischen Mücken sind bei kalten Temperaturen nicht mehr so überlebensfähig und fliegen auch nicht mehr so aktiv", sagt Frischknecht. Aber natürlich könnten sie im temperierten Flughafengebäude unterwegs sein.
Der Experte weist darauf hin, dass Malaria in seltenen Einzelfällen auch von hiesigen Mücken übertragen werden kann - sofern die den Erreger tragen. Mit Blick auf die Tigermücke, die sich in Deutschland ausbreitet, gibt er aber Entwarnung. Die könne zwar viele tropische Krankheiten wie Dengue, Zika und Chikungunya übertragen, jedoch keine Malaria.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
Weitere aktuelle News im Ressort "Gesundheit":
- Corona, Grippe, RSV im Fokus: So ist die Infektionslage aktuell in Deutschland
- Deutscher Herzbericht: Herzbericht: Weniger Todesfälle durch Herzinfarkte
- Krankheiten: Malariafälle in Frankfurt: Untersuchungen ausgeweitet
- Krankheiten: Behörde: Zwei Menschen in Frankfurt an Malaria erkrankt
- Mysteriöser Schwund in Berlin: Das Tschilpen verstummt - Spatzen "wie in Luft aufgelöst"
kns/roj/news.de
Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.