Diabetes-Forschung: Hoffnung für Millionen Patienten – Spritze soll Insulinproduktion ankurbeln

Eine einzige Spritze in den Oberschenkel könnte Millionen Diabetikern mit Typ 1 die täglichen Insulininjektionen in Zukunft ersparen. Experten hegen Hoffnung in die Gentherapie KRIYA-839.  

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Eine neue Gentherapie macht Typ-1-Diabetikern Hoffnung. (Foto) Suche
Eine neue Gentherapie macht Typ-1-Diabetikern Hoffnung. Bild: picture alliance / dpa | Gero Breloer
  • Hoffnung durch neue Diabetes-Spritze: Erste Tests am Menschen
  • Gentherapie soll Insulintherapie bei Typ-1-Diabetikern ankurbeln
  • Keine Veränderung des Genmaterials
  • Experten hegen Hoffnung, sprechen aber noch nicht von Heilung

Eine neuartige Gentherapie könnte das Leben von Millionen Typ-1-Diabetikern grundlegend verändern. Die Behandlung mit dem Namen KRIYA-839 soll noch in diesem Jahr erstmals an Menschen erprobt werden. Das Besondere: Eine einzige Injektion könnte ausreichen, um den Körper dauerhaft zur Insulinproduktion anzuregen. Darüber berichtete das Portal "Medscape".

Neue Therapie bei Diabetes Typ 1

Die Therapie wurde auf der diesjährigen Internationalen Konferenz für fortschrittliche Technologien und Behandlungen bei Diabetes in San Diego vorgestellt. "Es ist sehr aufregend, hier zu stehen und zu sagen, dass dies tatsächlich etwas ist, das gerade in Arbeit ist und jetzt passiert", erklärte Jeremy Pettus, Endokrinologe und Professor an der University of California, gegenüber "Medscape". Erste Versuche im Tiermodell zeigten vielversprechende Ergebnisse über einen Zeitraum von bis zu vier Jahren – ohne dass das Immunsystem unterdrückt werden musste.

Keine Genveränderung: So funktioniert der Diabetes-Wirkstoff

Die innovative Behandlung unterscheidet sich grundlegend von klassischer Gentherapie. "Das ist keine Genbearbeitung oder Veränderung des genetischen Aufbaus", betonte Professor Pettus. Stattdessen werden insulinbezogene Gene in die Muskelzellen der Oberschenkel eingeschleust, wo die Injektion verabreicht wird. Diese Zellen sollen anschließend dauerhaft Proteine herstellen, die bei der Blutzuckerregulierung helfen. Der Körper würde so in die Lage versetzt, selbstständig Insulin zu produzieren – ohne die bisher notwendigen täglichen Spritzen oder Pumpen.

Pettus verwies darauf, dass es sich um eine bewährte Technologie handele. Fortschritte in der Herstellung ermöglichten es nun, von seltenen Erkrankungen auf häufigere Krankheiten wie Diabetes überzugehen und die Therapie potenziell für die breite Masse zugänglich zu machen.

Wer bekommt die Gentherapie?

Der Ablauf der Therapie gestaltet sich vergleichsweise unkompliziert. Die Injektion wird während eines einzigen ambulanten Termins verabreicht, der etwa eine Stunde dauert. Dabei erfolgt die Gabe möglicherweise in beide Beine. Vor der eigentlichen Behandlung ist eine kurze Phase der Immunmodulation erforderlich. Das Immunsystem wird dabei vorübergehend gedämpft, damit die Therapie effektiv in die Zellen eindringen kann. Die volle Wirkung tritt voraussichtlich erst nach zwei bis drei Monaten ein.

Die erste klinische Studie erstreckt sich über ein Jahr und richtet sich an erwachsene Patienten mit erhöhten Blutzuckerwerten, die bereits automatisierte Insulinabgabesysteme nutzen. So können die Forscher Veränderungen präzise überwachen. Bei erfolgreichen Ergebnissen könnten spätere Studien auch Patienten einschließen, die täglich Insulin spritzen.

Experten erklären: Keine Heilung durch neue Diabetes-Spritze

Experten reagieren mit vorsichtigem Optimismus auf die neue Therapie. Dr. Partha Kar, nationaler Fachberater für Diabetes beim britischen Gesundheitsdienst NHS, bezeichnete die Entwicklung als "wirklich aufregend" mit dem Potenzial einer "funktionellen Heilung". Die beiden großen Unbekannten seien laut Kar, wie viel Insulin die Injektion produzieren werde und wie lange die Wirkung anhalte. "Wenn man sagt: 'Wir können 75 Prozent deines Insulinbedarfs reproduzieren', dann würde man wahrscheinlich sagen: 'Wow, das ist eine große Sache'", so der Mediziner.

Tadej Battelino, Leiter der Endokrinologie am UCH-UMC Ljubljana, mahnte zur Zurückhaltung: "Ich neige zur Vorsicht, daher kann ich wirklich keine Versprechen geben." Von Heilung will er derzeit nicht sprechen.Wenn die Therapie den Blutzucker in Kombination mit bereits vorhandenen Technologien dauerhaft im gesunden Bereich halte, könne diese Therapie in der Praxis als Heilung wirken.

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