Wachmacher-Medikament: Neues Aufputschmittel soll Frühschichtarbeitern bei Müdigkeit helfen

Wach bleiben, ohne später Probleme beim Einschlafen zu bekommen - das verspricht ein neues Medikament, das in einer aktuellen Studie getestet wurde. Vor allem Frühschichtarbeiter sollen vom Mittel profitieren.

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Besonders Berufsgruppen, die schon früh unterwegs sind und die Maschinen oder Fahrzeuge bedienen, könnten vom Wachmacher-Mittel profitieren. (Foto) Suche
Besonders Berufsgruppen, die schon früh unterwegs sind und die Maschinen oder Fahrzeuge bedienen, könnten vom Wachmacher-Mittel profitieren. Bild: AdobeStock / Serhii
  • Neues Medikament Solriamfetol soll Frühschichtarbeitern helfen
  • Diese Gruppe leidet besonders häufig an Schlafstörungen durch die Arbeitszeiten
  • Das Mittel hält für einen ganzen Arbeitstag wach, ohne danach beim Einschlafen zu stören

Mehr Tipps und Infos rund um gesunden Schlaf finden Sie am Ende dieses Beitrags.

Auch in Deutschland starten Millionen Menschen ihren Arbeitstag noch vor Sonnenaufgang - und kämpfen dabei gegen ihre innere Uhr. Eine Studie zu einem neuen Mittel könnte nun vor allem Frühschichtarbeitern mit einer Schichtarbeitsstörung helfen, während der Arbeit wach und konzentriert zu bleiben. Das spannende: Die Untersuchung ist die erste ihrer Art, die sich gezielt auf Beschäftigte mit einem sehr frühen Arbeitsbeginn konzentriert.

Biologische Uhr und Frühschicht passen nicht zusammen

Rund ein Viertel aller Beschäftigten arbeitet außerhalb des klassischen 9-bis-17-Uhr-Rhythmus. Viele davon beginnen ihren Tag weit vor Morgengrauen, ohne sich selbst als Schichtarbeiter zu betrachten. Dennoch sind sie gefährdet, das sogenannte "Schichtarbeiter-Syndrom" (auch Schichtarbeitsstörung genannt) zu entwickeln - eine Erkrankung mit Schlafproblemen und extremer Tagesmüdigkeit.

"Menschen, die zwischen 3 und 7 Uhr morgens mit der Arbeit beginnen, wachen zu einer Zeit auf, zu der das Gehirn biologisch auf Schlaf programmiert ist. Das macht es außerordentlich schwierig, wachsam zu bleiben, selbst wenn sie hochmotiviert sind", erläuterte Erstautorin Kirsi-Marja Zitting von Mass General Brigham. Betroffen sind gleich doppelt belastet: Übermäßige Schläfrigkeit während der Arbeit und Schlaflosigkeit in der Freizeit. Das erhöht das Risiko für Konzentrationsprobleme und damit auch für eine verminderte Arbeitsleistung sowie Verkehrs- und Arbeitsunfälle.

Morgens immer wach dank neuer Pille

Für die im Fachjournal "NEJM Evidence" veröffentlichte Studie rekrutierten die Wissenschaftler 78 Frühschichtarbeiter, bei denen eine Schichtarbeitsstörung diagnostiziert wurde. Die eine Hälfte nahm über einen Zeitraum von vier Wochen an jedem Arbeitstag Solriamfetol ein, während die andere Hälfte ein wirkungsloses Placebo erhielt. Die Forscher testeten, wie lange die Probanden in einer abgedunkelten und ruhigen Umgebung wach bleiben konnten - zu einer Zeit, zu der sie normalerweise arbeiten würden. Zusätzlich dokumentierten Ärzte und Teilnehmer die alltägliche Leistungsfähigkeit.

Das Ergebnis war eindeutig: Wer das Medikament einnahm, berichtete von deutlich geringerer Müdigkeit und konnte während simulierter Arbeitszeiten länger wach bleiben. Sowohl die Beschäftigten als auch ihre behandelnden Ärzte stellten Verbesserungen bei der Produktivität und den täglichen Aktivitäten fest. "Diese Arbeiter konnten während einer vollen Acht-Stunden-Schicht wach und aufmerksam bleiben", betonte Czeisler.

Wachmacher Solriamfetol bleibt ohne Suchtfolgen

Ein entscheidender Vorteil von Solriamfetol gegenüber anderen wachfördernden Mitteln wie Modafinil: Das Medikament hält Menschen stundenlang wach, ohne ihnen später den Schlaf zu rauben. Bisherige Präparate wurden ausschließlich an Nachtschichtarbeitern getestet und können das Einschlafen am Tag erschweren. Solriamfetol ist bereits zur Behandlung übermäßiger Schläfrigkeit bei Patienten mit obstruktiver Schlafapnoe und Narkolepsie zugelassen.

Es wirkt, indem es die Aktivität der Gehirnbotenstoffe Dopamin und Noradrenalin steigert, verursacht dabei aber keinen "Kick" wie bei klassischen Aufputschmitteln wie Amphetaminen. Daher gilt es auch als wenig bis gar nicht suchterzeugend. Die Forscher weisen darauf hin, dass die vierwöchige Studie nur gesunde Erwachsene umfasste und Langzeiteffekte noch erforscht werden müssen.

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