Nahrungsergänzungsmittel: Hype um Trend-Wirkstoffe - von diesen Supplementen rät eine Ärztin ab
Der Hype um Kollagen, Glycin oder Alpha-Linolsäure reißt nicht ab. Unterstützen diese und weitere Supplemente wirklich unsere Gesundheit? Eine Ärztin verrät, welche Nahrungsergänzungsmittel sie für sinnvoll hält und welche nicht.
Erstellt von Sabrina Böhme - Uhr
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- Trend-Supplemente zwischen Gesundheitsversprechen und Wellness-Hype
- Ärztin erklärt, welche Nahrungsergänzungsmittel sinnvoll sind und welche nicht
- Omega 3 gehört zu den empfehlenswerten Supplementen
Der Markt für Nahrungsergänzungsmittel wächst. Laut dem Marktforschungsunternehmen Mintel stieg der Umsatz im Jahr 2023 auf 1,78 Milliarden Euro an. Künftig wird die Wachstumskurve weiter nach oben gehen. Die Zahlen zeigen deutlich: Nahrungsergänzungsmittel sind zum Lifestyle-Produkt geworden. Käufer erhoffen sich von den Angeboten ein besseres Wohlbefinden und gesundheitliche Vorteile. Dank intensiver Vermarktung und Influencern trenden immer wieder neue Supplemente. Der Körper braucht allerdings längst nicht jedes Mittel.
Ärztin erklärt: Diese Nahrungsergänzungsmittel sind nicht notwendig
Wer sich in der Fitness- und Wellness-Bubble auf diversen Social-Media-Plattformen aufhält, wird einige Neuheiten entdeckt haben. Viele Wirkstoffe kommen bereits in der Natur vor, erleben aber derzeit einen Hype. Die Longevity-Expertin Dr. Jasmin Last unterzog für die "Bild"-Zeitung zehn Wirkstoffe einem Test. Was verbessert das Wohlbefinden und welches Supplement ist eher optional?
- Kollagen: Es soll gut für Muskeln sein und eine Anti-Aging-Wirkung haben. Es gibt bislang keine wissenschaftlichen Belege, dass der Stoff die Hautalterung aufhält. Das gilt auch für weitere angepriesene Vorteile. "Es muss jeden Tag eingenommen werden und funktioniert nur in Kombination mit anderen Bausteinen, die der Körper benötigt, um das Kollagen nutzbar zu machen", sagt Dr. Last. Ein Beispiel aus der Wissenschaft: In Kombination mit Vitamin D zeigte sich eine verbesserte Knochenmineraldichte.
- Cucurmin: Seit vielen Jahren wird es als entzündungshemmende Wunderwaffe angepriesen. Der Wirkstoff aus Kurkuma zeigte in Studien Hinweise auf mögliche Unterstützung in der Krebstherapie. Forscher empfehlen Cucurmin-Produkte aber nicht als alleiniges Heilmittel. Dafür fehlen Studien, die andere Forschungsarbeiten bestätigen. Dennoch können Verbraucher die Substanz konsumieren, sollten immer dazu Pfeffer essen, damit der Körper ihn verwerten kann.
- Glycin: Die unter anderem als beruhigend auf den Schlaf wirkende Aminosäure hält die Medizinerin für effektiv.
- Spermidin: Dasbiogene Polyamin ist ein "kann" Supplement. Das in allen menschlichen Körperzellen vorkommende Stoff unterstützt die körpereigene Reinigung, die sogenannte Autophagie. Deshalb soll es hilfreich sein, Spermidin vor allem im Alter zu nehmen, weil der Aufräumprozess in dieser Lebensphase abnimmt und Krankheiten wie Demenz begünstigen kann. Auch hier gibt es keine validen Studien, die Supplemente als hilfreich erachten. Bei Stress könnte es funktionieren, meint Dr. Last. Dauerhaft empfiehlt sie den Stoff aber nicht.
- Lion's Mane: Wirkstoffe aus dem Igelstachelbart sollen dem Nervensystem gut tun. Wissenschaftliche Belege dafür fehlen. Dennoch hält die Medizinerin den Pilz bei viel Stress für sinnvoll.
- Resveratrol: Die Wirkung des Pflanzenstoffs ist gering. Daher spricht Dr. Last keine eindeutige Einnahmeempfehlung aus. Als Kur kann der Stoff aber einmal im Jahr eingenommen werden.
- Alpha-Linolsäure: Sie kann "zur gezielten Stärkung des Immunsystems und des Stoffwechsels in Form einer Art Kur eventuell sinnvoll" sein, rät die Ärztin. Alpha-Linolsäure übernimmt unter anderem eine wichtige Rolle im Energiestoffwechsel.
- NAD+/NADH, NR, NMN: NAD alleine wird nur teilweise vom Körper aufgenommen. Es müsse ein gutes Präparat sein, erklärt Dr. Last. Sie bevorzugt die NAD-Vorstufen NR und NMN.
- N-Acetylcystein (NAC): Es handelt sich um die synthetisch hergestellte Aminosäure Cystein. Sie unterstützt die Atemwege bei akuten und chronischen Erkrankungen. Der Stoff unterstützt unter anderem das Abhusten. Als Präparat kann es das Immunsystem in hochdosierter Form bei Erkältungen verbessern, so die Longevity-Medizinerin. Einfach so sollten Verbraucher das Mittel nicht nehmen.
Omega 3 braucht der Körper
Für besonders sinnvoll erachtet die Medizinerin Omega-3-Supplemente. Die Fettsäuren EPA und DHA gelten als entzündungshemmend. In Studien zeigten sie Vorteile für die Herz- und Gefäßgesundheit. Die Mittel gibt es aus Fisch- oder Algenöl. Verbraucher sollten auf die Konzentration und das Verhältnis der beiden mehrfach ungesättigten Fettsäuren achten.
Hintergrund zu Supplementen: Nahrungsergänzungsmittel sind keine Arzneien. Sie durchlaufen keine medizinischen Zulassungsverfahren und gehören zu den Lebensmitteln. Supplemente gibt es freiverkäuflich in Drogerien, Supermärkten oder Apotheken. Auch wenn die Versprechen noch so gut klingen: Verbraucher sollten Supplemente nicht einfach einnehmen und sich vorher einen ärztlichen Rat einholen.
Vitamin- und Nährstoffboost durch die Ernährung
Viele der aufgelisteten Wirkstoffe lassen sich über die Nahrung zuführen. Eine ausgewogene Ernährung deckt in der Regel alle wichtigen Wirkstoffe ab. Bei gesundheitlichen Problemen sollten Patienten nicht sofort zur Vitaminpille greifen und sich stattdessen beraten lassen, wie eine Ernährungsumstellung helfen kann. Ernährungsmediziner können eine Anlaufstelle sein. Wie so oft gilt: Bitte nicht ohne medizinischen Rat mit Diäten oder Supplementen experimentieren.
Dieser Artikel wurde nach umfassender Recherche erstellt und ersetzt keinen ärztlichen Rat. Im Notfall sollten Sie immer einen Mediziner oder den Rettungsdienst um Hilfe bitten.
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