Von news.de-Redakteur Andreas Schloder - 22.04.2011, 11.03 Uhr

Rhabarber: Das tückische Obst ist ein Gemüse

Lange Zeit fristete er ein Schattendasein in der Küche - jetzt können es viele kaum erwarten, bis der Rhabarber geerntet wird. Doch so frisch das herb-süße Gemüse auch schmeckt, es hat seine Tücken.

Zwischen April und Juni ist die Erntezeit für Rhabarber. Bild: dpa

Wer erinnert sich nicht gern an Omas Rhabarberkompott oder den leckeren Rhabarberkuchen von Mutti? Dieser Wunsch nach der säuerlichen Gaumenfreude kann jetzt wieder befriedigt werden, denn die Erntezeit des Gemüses dauert von April bis Juni.

Richtig, Gemüse. Weil er vorwiegend für Nachspeisen verwendet wird, halten viele Rhabarber für eine Obstsorte. Doch die rot-grünen Stängel zählen zu den Staudengemüsen. Und Rhabarber hat eine lange Tradition: Schon vor 5000 Jahren nutzten die Chinesen die Wurzeln als Pulver, wenn es im Darm zwickte – die Stängel als Nahrungsmittel wurden noch verschont. Nach Europa gelangte der Rhabarber erst Mitte des 18. Jahrhunderts - über Russland und Persien nach England bahnte sich die Pflanze ihren Weg durch den ganzen Kontinent.

Rhabarber hat es in sich

Der frische Geschmack ist ein Grund, warum Rhabarber so beliebt ist. Seine Inhaltsstoffe sind ein weiterer: Das Gemüse ist reich an Vitamin C. In 100 Gramm stecken je nach Sorte bis zu 30 Milligramm - das deckt bereits ein Drittel des Vitamin-C-Tagesbedarfs. Zudem ist er reich an Kalium, das den Transport von Nährstoffen vom Blut in die Zellen ankurbelt und zugleich hilft, Giftstoffe aus der Niere zu spülen. In 100 Gramm sind bis zu 80 Milligramm des Minerals enthalten. Außerdem steckt in der Wurzel Natrium, das dem Darm bei der Verdauung auf die Sprünge hilft. Und für Freunde der schlanken Linie: Rhabarber hat kaum Kalorien.

Doch der Fitmacher hat seine Tücken: Wer unter Magenproblemen leidet, sollte keinen Rhabarber essen. Denn die enthaltene Oxalsäure, die für den frisch-herben Geschmack sorgt, kann bei empfindlichen Menschen den Magen- und Darmbereich verätzen. Unter anderem ist Durchfall die Folge. Wer Nierenprobleme hat, sollte ebenfalls einen Bogen um das Gemüse machen. Das enthaltene Kalium verstärkt die Beschwerden.

Ganz wichtig: Rhabarber nie roh essen. Magen und Darm stoßen da an ihre Leistungsgrenzen. Verwendet werden sollten nur die Stangen, nicht aber die Blätter, denn die sind giftig. Die Oxalsäure hat noch einen weiteren Nachteil: Wird der Rhabarber in einer Metallschüssel gelagert, nimmt er einen metallischen Geschmack an. Am besten ist es, die Stängel - auch im geschnittenen Zustand - in ein feuchtes Tuch einzuwickeln. Dann hält sich das Gemüse mehrere Tage einwandfrei im Kühlschrank.

So versüßen Sie sich das Bittere

Rhabarber verfügt über eine hohe Eigensäure, die die meisten mit Zucker neutralisieren. Am wirkungsvollsten passiert das nach dem Garen beziehungsweise nach dem Abkühlen - so bleibt die volle Süßkraft erhalten. Wer auf Zucker verzichten will, holt sich die Süße durch Früchte wie Bananen, süße Äpfel, Sultaninen oder eingeweichte Trockenpflaumen, die mitgekocht werden. Für Süßspeisen oder Kuchen kann Eischnee zugegeben werden. Milch oder flüssige Sahne sowie Puddings machen Rhabarber bekömmlicher und gleichen die Säure zum Teil aus.

Lesen Sie in der Bilderstrecke, welche köstlichen Rhabarberrezepte es gibt.

ham/zij/news.de

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