Brenner-Sperrung: Wichtigste Alpenroute wird mitten in den Ferien lahmgelegt

Einen schlechteren Zeitpunkt hätte es nicht treffen können: Am Samstag, den 30.05.2026, wird die Brenner-Autobahn lahmgelegt – ausgerechnet zu den Ferien. Ursache ist ein Protest von Anwohnern.

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Am Samstag wird die wichtigste Route in den Süden gesperrt - Anwohner demonstrieren gegen die hohe Verkehrsbelastung. (Foto) Suche
Am Samstag wird die wichtigste Route in den Süden gesperrt - Anwohner demonstrieren gegen die hohe Verkehrsbelastung. Bild: picture alliance/dpa | Sven Hoppe
  • Brenner-Autobahn wird wegen Protesten am Samstag stundenlang gesperrt
  • Streit um Verkehrsbelastung sorgt für Kritik an der Sperrung aus Bayern
  • Reisende müssen mit Verkehrschaos und wenig Ausweichmöglichkeiten rechnen

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Die wichtigste Nord-Süd-Verbindung über die Alpen steht am Samstag für acht Stunden still. Von 11 bis 19 Uhr blockieren Anwohner die Brennerautobahn A13 in Österreich – für Lastwagen gilt die Sperrung bereits ab 9 Uhr. Nicht nur die Autobahn ist betroffen, auch sämtliche Bundes- und Landstraßen in der Region sind für den Durchgangsverkehr gesperrt. Das Auswärtige Amt in Berlin reagierte mit einer offiziellen Warnung: Reisenden werde dringend empfohlen, Tirol am 30. Mai weiträumig zu umfahren.

Frust der Brenner-Anwohner entlädt sich auf der Autobahn

Hinter der Protestaktion steht Karl Mühlsteiger, der parteilose Bürgermeister der kleinen Gemeinde Gries am Brenner mit ihren 1.300 Einwohnern. Er vertritt die rund 15.000 Menschen im Wipptal, die direkt an der Transitroute leben. "Wir haben über Jahre versucht, intensiv zu verhandeln", erklärt Mühlsteiger. Doch bei der Politik sei man auf taube Ohren gestoßen. Die Zahlen belegen das Ausmaß der Belastung: Mittlerweile rollen jährlich 14,4 Millionen Fahrzeuge über den Brenner. Die Anwohner klagen über Lärm, Feinstaub und tägliche Staus auf allen Straßen.

Die Bezirksbehörde Innsbruck-Land versuchte zunächst, die Demonstration zu verhindern. Das Landesverwaltungsgericht Tirol entschied jedoch anders: Eine Demonstration gegen hohe Verkehrsbelastung mit eben dieser Belastung zu untersagen, führe die Versammlungsfreiheit ad absurdum.

Bayern und Italien reagieren mit scharfer Kritik

Die Protestaktion löst heftige Reaktionen in den Nachbarländern aus. CSU-Generalsekretär Martin Huber bezeichnet die Sperrung als "pure Schikane". Mit solchen Extremaktionen schaffe man nur Ärger, Unverständnis und Frust bei allen Beteiligten, sagte er der "Bild".

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter zeigt zwar Verständnis für die Belastung der Anwohner, kritisiert aber den Zeitpunkt scharf. "Es handelt sich auch nicht um irgendeinen Tag, es ist ein Samstag in den Pfingstferien mit Bettenwechsel", betonte er. Die Sperrung treffe unzählige Familien auf dem Weg in den Urlaub und sei Gift für die Logistikbranche.

ADAC warnt vor Chaos auf allen Routen

Der ADAC rechnet mit massiven Behinderungen am gesamten Wochenende. Normalerweise passieren in dem achtstündigen Zeitraum Zehntausende Fahrzeuge den Brenner. Laut Bayerns Verkehrsminister Bernreiter können voraussichtlich rund 32.000 Fahrzeuge an diesem Tag nicht über den Pass fahren. Die Sperrung fällt mitten in die Pfingstferien von Bayern und Baden-Württemberg.

Auch die Ausweichstrecken bieten kaum Entlastung. "Da der Reiseverkehr regelmäßig auch die Tauernautobahn A10 an ihre Grenzen bringt, ist es utopisch zu denken, dass der komplette Verkehr vom Brenner auf die Tauernautobahn umgelenkt werden kann", erklärte ADAC-Verkehrsexperte Alexander Kreipl. Routen über den Reschenpass, das Timmelsjoch oder die Felbertauernstraße seien ebenfalls nicht für die zusätzliche Last geeignet.

Welche Alternativen bleiben für Urlauber?

Die Tiroler Landesregierung rät Reisenden, das Bundesland am Samstag großräumig zu umfahren. Transitreisende sollten bereits am Inntaldreieck, bei Rosenheim oder bei Verona auf andere Routen ausweichen. Als Alternativen kommen theoretisch der Reschenpass, das Timmelsjoch, der Gotthardtunnel oder der San-Bernardino-Tunnel in der Schweiz infrage – allerdings sind diese Strecken deutlich zeitaufwendiger.

Wer auf die Bahn umsteigen möchte, muss tief in die Tasche greifen. Eine vierköpfige Familie zahlt für die spontane Zugfahrt von München nach Verona mehr als 200 Euro. Flüge kosten über 400 Euro pro Person. Der ADAC empfiehlt, Fahrten über den Brenner am Samstag komplett zu vermeiden. Weil viele Reisende ihre Fahrt verschieben dürften, sei auch am Freitag und Sonntag mit erhöhtem Verkehrsaufkommen zu rechnen.

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