Fahrzeugbau: 80 Jahre Unimog - und wichtiger denn je?
Der Unimog ist ein Allrounder: Einst auf dem Acker zur Kartoffelernte, heute bei Kommunen, Feuerwehr oder dem Militär im Einsatz. Warum er auch nach vielen Jahrzehnten weiter gefragt ist.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
Suche
In der kleinen badischen Gemeinde Ötigheim kann man eine Menge Spaß haben. Direkt an der Bundesstraße 3 versteckt sich im Wald das Unimog-Testgelände. Mit drei kräftigen Schritten wuchtet man sich die Stufen hinauf in die Fahrerkabine. Anschnallen, festhalten, Abfahrt. Es folgen: Wasserbecken, mächtige Schlaglöcher, Schieflage. Auf einer für Pkw-Fahrer komplett irrationalen Steigung stemmt sich der Unimog hinab der Schwerkraft entgegen, während der Gurt gegen die Brust und Schulter presst.
Dabei ist der Unimog eigentlich kein Fahrzeug, bei dem der Spaß im Vordergrund steht. Das Nutzfahrzeug wird ganz unterschiedlich genutzt. Zum Beispiel von Kommunen für den Winterdienst. Aber auch von der Feuerwehr oder dem Militär - also so ziemlich das Gegenteil von Spaßveranstaltungen.
Wie konnte sich dieses Fahrzeug - das zu Beginn mal für den Acker gedacht und so gebaut wurde, dass genau zwei Kartoffelreihen zwischen die Räder passen - in den vergangenen Jahrzehnten zu einem so vielseitigen Fahrzeug entwickeln? Und warum ist der Unimog heute womöglich relevanter denn je?
Entstanden in der Nachkriegszeit
Kurz nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs erkannte Albert Friedrich, ehemaliger Leiter der Daimler-Benz Flugmotorenfertigung, "den enormen Bedarf an Agrar-Schleppern für Klein- und Mittelbetriebe in der deutschen Landwirtschaft", heißt es auf der Webseite der zum Daimler-Truck-Konzern gehörenden Sparte Mercedes-Benz Trucks.
Neben der Geländetauglichkeit habe die einfache Umrüstbarkeit für vielfältige Aufgaben im Vordergrund gestanden. Das Fahrzeug sollte robust, schnell und vielseitig sein. Sozusagen eine Art frisierter Traktor.
In Schwäbisch Gmünd auf dem Gelände der Firma Erhard & Söhne wurden die ersten Prototypen für ein solches Nutzfahrzeug getestet. Der Ingenieur Hans Zabel sei es dann gewesen, der aus dem Projektnamen "Universal-Motor-Gerät für die Landwirtschaft" die Abkürzung "Unimog" machte.
Die erste Prüfungsfahrt fand am 9. Oktober 1946 statt. Zwei Jahre später startete die erste Serienfertigung im Werk der Gebrüder Boehringer im schwäbischen Göppingen. Damals noch mit einem markanten Ochsenkopf mit Hörnern, die ein "U" darstellten, als Markenzeichen auf der Motorhaube.
Weil dort die Produktion schnell an ihre Grenzen stieß, übernahm Daimler-Benz. 1951 begann die Produktion in deren Lkw-Werk im badischen Gaggenau, südlich von Karlsruhe. Heute wird der Unimog nicht allzu weit entfernt in Wörth am Rhein produziert, die Komponenten kommen weiterhin aus Gaggenau.
Experte: Grundidee auch 80 Jahre später noch relevant
"Der eigentliche Erfolg des Unimog besteht darin, dass eine 1946 entwickelte Grundidee auch 80 Jahre später noch relevant ist", sagt Stefan Reindl, Direktor vom Institut für Automobilwirtschaft im schwäbischen Geislingen.
Seit dem ersten Prototyp sei nahezu alles am Fahrzeug technisch weiterentwickelt worden, aber nicht dessen grundlegendes Versprechen: "Ein Fahrzeug bereitzustellen, das dort arbeiten kann, wo konventionelle Fahrzeuge an ihre Grenzen gelangen."
Der Unimog sei ein bemerkenswertes Beispiel für ein Produktkonzept, dessen technischer Wesenskern über Jahrzehnte relevant geblieben sei, sagt Experte Reindl. Aus dem ursprünglich landwirtschaftlich ausgerichteten Fahrzeug habe sich eine eigene Fahrzeuggattung zwischen Lkw, Geräteträger, Zugmaschine und hochgeländegängigem Spezialfahrzeug entwickelt.
Blick in die Zukunft
Der Unimog sei für Daimler Truck ein Wachstumsfeld, sagt Dennis Kinzelmann, der als Chef von Mercedes-Benz Special Trucks auch das Unimog-Geschäft verantwortet. Es ist September, Kinzelmann blickt auf einer Branchenmesse in Hannover auf einen grünen Unimog. Er wirkt - auch wenn es sein Job ist, seine Fahrzeuge gut zu verkaufen - begeistert, wenn er vom Unimog spricht.
Die Nachfrage nach dem Unimog werde steigen, weil zum einen eine Notwendigkeit besteht, die Verteidigungsfähigkeit in Europa sicherzustellen, sagt Kinzelmann. "Und zum anderen sehen wir, dass der Unimog bei Waldbränden, Überschwemmungen und anderen Naturkatastrophen benötigt wird, die wahrscheinlich leider im Rahmen des Klimawandels zunehmen werden", sagt Kinzelmann.
Eine konkrete Prognose zur künftigen Absatzentwicklung macht Daimler Truck jedoch nicht. Insgesamt seien in den vergangenen Jahren mehr als 375.000 Unimog produziert und verkauft worden. Jährlich liege der Unimog mit einer niedrigen vierstelligen Anzahl im Plan, sagt Kinzelmann.
Experte: "Multifunktionalität, Robustheit und Einsatzsicherheit"
Für professionelle Anwender liege der besondere Wert des Unimog in seiner "Multifunktionalität, Robustheit und Einsatzsicherheit", sagt Autoexperte Reindl. Ein Unimog werde häufig nicht für eine einzelne Aufgabe angeschafft, sondern als Plattform für sehr unterschiedliche Anwendungen.
So könnten ihn Kommunen außerhalb vom Winterdienst auch für Grünpflege einsetzen. Entscheidend sei also nicht nur der Preis, sondern die mögliche Auslastung über das gesamte Jahr.
Nach Angaben von Daimler Truck beginnt das Basisfahrzeug preislich ganz grob im hohen fünfstelligen Bereich. Je nach Ausführung könne die Preisspanne erheblich variieren. Für Privatleute stellt sich die Frage nach dem Preis für gewöhnlich ohnehin nicht. Auch wenn zuletzt ein Showcar für das Luxussegment vorgestellt wurde, das aber noch weit davon entfernt ist, wirklich auf den Markt zu kommen.
Immerhin: Wer mal in einem Unimog mitfahren möchte, kann das unweit der Teststrecke in Ötigheim im Außenbereich vom Unimog-Museum in Gaggenau tun. Kostenpunkt: 9,50 Euro.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
Weitere aktuelle News im Ressort "Wirtschaft":
- Wladimir Putin: Putin schließt Nationalisierung westlicher Aktiva nicht aus
- Bahn: Bauarbeiten zwischen Hannover und Berlin beginnen am Freitag
- Bahn: Gericht hält geplante Schienenmaut für 2027 für rechtens
- Währung: Eurokurs gefallen - EZB-Referenzkurs: 1,1298 US-Dollar
kns/roj/news.de
Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.