Importverbote: Zwingen die USA Kanada im Handelsstreit in die Knie?

Schlag und Gegenschlag: Die USA und Kanada geraten immer tiefer in ihren Handelsstreit. Nun geht es um Rum und Tequila, die nicht mehr in die USA eingeführt werden sollen. Wem bringt das was?

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Ende September soll Schluss sein: Im festgefahrenen Handelsstreit mit Kanada verschärft US-Präsident Donald Trump erneut den Druck auf den Nachbarn. Ab dem 29. September sollen diese kanadischen Waren gar nicht mehr in die USA eingeführt werden dürfen: Motorräder, Wein, Whiskey, Rum, Wodka, Tequila, alkoholfreies Bier und bestimmte Molkeprodukte.

Das Ganze markiert eine weitere Eskalationsstufe in einem Konflikt, in dem sich die beiden eng verflochtenen Nachbarländer seit mehr als eineinhalb Jahren mit Zöllen und Gegenzöllen überziehen.

Warum geht Trump gegen Rum, Tequila und Whiskey aus Kanada vor?

Trump wirft dem Nachbarland vor, amerikanische Anbieter unter anderem bei Kraftfahrzeugen, Milchprodukten und Alkohol zu benachteiligen. Tatsächlich hatten zahlreiche kanadische Provinzen bereits 2025 als Reaktion auf US-Strafzölle amerikanischen Wein, Whiskey und Bier aus den Regalen genommen oder den weiteren Einkauf gestoppt - das aber war eine Vergeltungsmaßnahme für US-Zölle im Handelskonflikt.

Welche Folgen gibt es durch das Verbot?

Die Volkswirtschaften der USA und Kanadas sind stark verflochten. Experten sind sich einig, dass beide Länder unter den Auswirkungen leiden, sie insgesamt für Kanada aber deutlich spürbarer wären als für die USA. Von Waren im Wert von 100 Dollar, die Kanada ins Ausland verkauft, gingen im vergangenen Jahr 72 Dollar in die USA. Die kürzlich in Kraft getretenen 50-Prozent-Zölle gegen manche kanadische Güter bedrohen laut Andrew DiCapua von der kanadischen Handelskammer rund 100.000 Jobs in Kanada.

Der Branchenverband der US-amerikanischen Spirituosenindustrie beklagt, dass die amerikanischen Spirituosenhersteller die Hauptlast des Handelsstreits trügen. US-Exporte von Spirituosen ins Nachbarland seien um mehr als 70 Prozent zurückgegangen. Er befürchtet, dass es kanadischen Herstellern nun auch so gehen könnte.

Zusätzlich zu den direkten Auswirkungen auf Jobs und Produkte kommen langfristige: Kanada hat bereits angekündigt, die Abhängigkeit von den USA reduzieren und seine Handelsbeziehungen diversifizieren zu wollen. Bereits im vergangenen Jahr ist der Wert der Exporte vor dem Hintergrund von Handelsstreitigkeiten laut der kanadischen Statistikbehörde in andere Länder als die USA um 11,1 Prozent gestiegen - der höchste Wert in vier Jahrzehnten. Die Ausfuhren in die USA gingen um 3,7 Prozent zurück.

Welche Schritte könnten folgen?

Kanada verfolgt bei den Gegenmaßnahmen bisher die Strategie "Zug um Zug". Die Regierung hat immer wieder betont, auf eine Lösung hinarbeiten zu wollen, die fair für beide Seiten sei und die "Souveränität" Kanadas schütze.

Trump könnte mit weiteren Handelsbeschränkungen drohen. Sein beliebtestes Mittel sind Zölle, wovon er bereits Gebrauch gemacht hat. Er könnte dies ausweiten.

Der Konflikt hat auch eine demonstrative politische Dimension. Nach dem Scheitern der Handelsgespräche ordnete Trump an, dass der Lake Ontario von US-Bundesbehörden "Lake America" genannt werden soll. Trump hat zudem wiederholt davon gesprochen, Kanada könne zum 51. US-Bundesstaat werden. Was zunächst vielfach als Provokation abgetan wurde, wird in Kanada angesichts der andauernden Drohungen und des wirtschaftlichen Drucks zunehmend ernst genommen.

Ist ein Abkommen noch realistisch?

Das ist unklar. Andere Handelskonflikte haben gezeigt, dass es durchaus Auswege gibt und Abkommen nach zähem Ringen zustande kommen - Beispiel EU. Aber es gibt auch andere Fälle: Mit China führen die USA schon lange einen heftigen Handelsstreit.

Und eigentlich will Trump ja etwas anderes: Nämlich die Wirtschaftszahlen des eigenen Landes verbessern. Deshalb verknüpft er die Zollandrohungen und Verbote damit, dass kanadische Firmen diese umgehen können, wenn sie in den USA produzieren. Das heißt: neue Jobs in den USA.

Parallel dazu will Trump das Handelsdefizit - nach Kanada exportieren die USA weniger als sie von dort importieren - zugunsten der Vereinigten Staaten verändern. Er will, dass sich die Exportbedingungen für die USA im Ausland verbessern. Trumps Zollkonflikt mit vielen Ländern begründet er damit, dass die USA angeblich unfair behandelt würden.

Wird Kanada für Trump zum politischen Problem?

Für Trump könnte der Streit vor dem Hintergrund der anstehenden Zwischenwahlen zum Problem werden. Bundesstaaten direkt an der Grenze zu Kanada sind besonders eng mit dem Land verflochten und darum stark von den Auswirkungen betroffenen. Trumps Republikaner könnte das Stimmen kosten. Bereits jetzt schlägt ihm harsche Kritik für sein Vorgehen entgegen. Das "Wall Street Journal" etwa bezeichnete den Konflikt als den "dümmsten Handelskonflikt" der Geschichte.

Premierminister Mark Carney hingegen erhält in Kanada große Unterstützung für seine Reaktion auf den von vielen dort als erratisch und ungerecht empfundenen Kurs des US-Präsidenten. Carney und Kanada seien zu Symbolen des Widerstands gegen Trump geworden, sagt der Historiker Robert Bothwell. Carney habe den Kanadiern klargemacht, dass sie auch unter den kanadischen Gegenmaßnahmen leiden werden - und trotzdem Unterstützung bekommen.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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