Chemnitz/Leipzig: Kritik an Sparvariante für Bahnstrecke Leipzig-Chemnitz

Wegen einer Kostenexplosion soll es Abstriche beim zweigleisigen Ausbau der Bahnstrecke Chemnitz-Leipzig geben. Das sorgt für Unmut.

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Die geplanten Abstriche beim Ausbau der Bahnstrecke Chemnitz-Leipzig stoßen auf Kritik von vielen Seiten. "Trotz vollständiger Elektrifizierung bleiben die Ausbaupläne weit hinter den ursprünglich zugesagten Erwartungen und dem tatsächlichen Bedarf der Region zurück", erklärt der Sprecher der Bahninitiative Chemnitz, Sebastian Drechsler. Mit der Sparvariante sei ein Halbstundentakt zwischen beiden Städten nur am frühen Morgen und am späten Nachmittag möglich. Damit werde der tatsächliche Bedarf der Fahrgäste klar verfehlt, konstatiert Drechsler.

Die Kosten für das Projekt sind nach Angaben der Deutschen Bahn und des Infrastrukturministeriums aus dem Ruder gelaufen. Allein für den Nordabschnitt Leipzig-Geithain würde ein kompletter zweigleisiger Ausbau plus Elektrifizierung nach jüngsten Prognosen mehr als 1,3 Milliarden Euro kosten. Eine neue Machbarkeitsstudie schlägt deshalb vor, dort nur rund 24 von 44 Kilometern zweigleisig zu machen. An der Elektrifizierung wird festgehalten.

Verband: Chemnitz auf Jahrzehnte vom Fernverkehr abgehängt

Mit der Sparvariante sieht der Fahrgastverband Pro Bahn allerdings das Ziel in Gefahr, Chemnitz direkt an den Bahn-Fernverkehr anzubinden. "Mit den vorgestellten, reduzierten Ausbauplänen hängt man Chemnitz auf Jahrzehnte bewusst vom Fernverkehr ab und bricht ein weiteres Versprechen", so der Vorsitzende von Pro Bahn Mitteldeutschland, Markus Haubold. Einzelne Züge hätten nichts mit einem attraktiven Fernverkehr zu tun. In der neuen Studie sind künftig drei Fernverkehrszüge pro Tag auf der Strecke berücksichtigt.

Auch der Industrieverein Sachsen 1828 kritisiert, dass der durchgehend zweigleisige Ausbau der wichtigen Strecke ad acta gelegt werden soll. Denn damit bleibe sie störanfällig, heißt es.

Opposition spricht von "Bankrotterklärung"

Kritik kommt auch von der Opposition im Landtag. Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) müsse den Ausbau der wichtigen Verkehrsader zur Chefsache machen, fordern die Grünen. Die neue Sparvariante sei eine "verkehrspolitischen Bankrotterklärung", so die Abgeordnete Katja Meier. Chemnitz brauche eine echte Perspektive beim Fernverkehr statt einen "Schein-Fernverkehr" mit drei Zügen am Tag. "Wenn der Bund Strukturwandel ernst meint, darf er Sachsen mit den gestiegenen Kosten nicht alleinlassen."

Dass Verkehrsministerin Regina Kraushaar (CDU) den kompletten zweigleisigen Ausbau der überlasteten Bahnstrecke nicht durchsetzen konnte, sei eine Bankrotterklärung der gesamten Regierung Kretschmer, so der AfD-Verkehrspolitiker Tobias Keller. "Die Industrieregion Südwestsachsen ist verkehrstechnisch komplett abgehängt."

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