Glyphosat für die nationale Sicherheit: "Wie mache ich die Welt am schnellsten kaputt?" Trump-Verordnung entsetzt
Glyphosat ist ein Reizwort, Tausende US-Klagen machen dem Hersteller Bayer seit Jahren zu schaffen. Das Weiße Haus und Donald Trump bewerten den Unkrautvernichter nun als unentbehrlich für die nationale Sicherheit.
Erstellt von Sabrina Böhme - Uhr
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- Donald Trump unterschreibt Verordnung: Glyphosat als entscheidend für die nationale Sicherheit eingestuft.
- US-Präsident will Landwirte unterstützen.
- Bayer zahlte nach einem Vergleich Milliarden.
Donald Trump will die Produktion des umstrittenen Glyphosats sichern. Der Unkrautvernichter bekommt in den USA einen besonderen Status, um eine ausreichende Versorgung der amerikanischen Landwirtschaft sicherzustellen. US-Präsident Donald Trump unterschrieb am Mittwoch (Ortszeit) eine Verordnung, in der Phosphat sowie glyphosathaltige Unkrautvernichtungsmittel als entscheidend für die nationale Sicherheit und die Lebensmittelsicherheit der USA bezeichnet werden. Eine ausreichende Produktion solle sichergestellt werden.
Für die nationale Sicherheit: Trump will Glyphosat-Produktion unterstützen
Zu den weltweit größten Herstellern von Glyphosatprodukten gehört der Leverkusener Agrarchemie-Konzern Bayer mit seiner US-Tochter Monsanto, deren Kassenschlager das glyphosathaltige Produkt Roundup ist. Außerdem gibt es noch asiatische Glyphosat-Produkte. Ein Bayer-Sprecher sagte, die Verordnung betone "die dringende Notwendigkeit, dass US-Landwirte Zugang zu wichtigen, im Inland hergestellten Pflanzenschutzmitteln wie Glyphosat haben". Man werde der Verordnung Folge leisten.
In Trumps Verordnung heißt es, bisher gebe es in den USA nur einen Produzenten glyphosathaltiger Unkrautvernichtungsmittel. Gemeint ist die Bayer-Tochter Monsanto. Damit seien die Verteidigungsindustrie der USA und die Ernährungssicherheit anfällig für "feindliche, ausländische Akteure".
Trumps Verordnung soll kostengünstige Lebensmittel sichern
Der Verordnung zufolge soll Unternehmen zugesichert werden, dass ihnen aus der Produktion keine negativen Folgen entstehen. Konkret heißt es: "Dementsprechend stellt der (Landwirtschafts-) Minister sicher, dass keine gemäß diesem Abschnitt erlassene Anordnung, Vorschrift oder Verordnung die Unternehmensfähigkeit eines inländischen Herstellers von elementarem Phosphat oder Herbiziden auf Glyphosatbasis gefährdet."
Elementares Phosphat sei auch ein wichtiger Ausgangsstoff für die Herstellung von Herbiziden auf Glyphosatbasis. Diese spielten eine entscheidende Rolle bei der Aufrechterhaltung des landwirtschaftlichen Vorsprungs der USA, indem sie es Landwirten ermöglichten, effizient und kostengünstig Lebensmittel und Viehfutter zu produzieren, heißt es weiter.
Krebsverdacht: Bayer schloss milliardenschweren Sammelvergleich
In den US-Klagen führten Kläger Krebserkrankungen auf Glyphosat zurück. Erst kürzlich schloss Bayer in den USA einen milliardenschweren Sammelvergleich zur Beilegung aktueller und künftiger Klagen zum glyphosathaltigen Unkrautvernichter Roundup. Die Zahlungen für den Sammelvergleich umfassen maximal 7,25 Milliarden US-Dollar über einen Zeitraum von bis zu 21 Jahren, wie der Dax-Konzern mitteilte. Der Sammelvergleich müsse vom Gericht in St. Louis (Bundesstaat Missouri) genehmigt werden, hieß es von den Leverkusenern.
Die zur Weltgesundheitsorganisation gehörende Internationale Krebsforschungsagentur hatte den Wirkstoff, der in Roundup enthalten ist, 2015 als "wahrscheinlich krebserregend beim Menschen" eingestuft; andere Einrichtungen der WHO waren anderer Ansicht, und auch europäische Einrichtungen folgten dieser kritischen Einstufung nicht. Bayer hat den Verdacht stets zurückgewiesen, dass Glyphosat krebserregend sei. "Glyphosat ist ein sicheres und wichtiges Werkzeug für Landwirte in den USA und überall auf der Welt", sagte Bayer-Chef Bill Anderson kürzlich. Diese "Wahrheit" hätten Wissenschaftler und Aufsichtsbehörden international bestätigt.
Glyphosat-Verordnung: Seitenhieb gegen Donald Trump
Über den Vorstoß wird auf der Social-Media-Plattform X diskutiert. Einige Nutzer nehmen das Vorhaben zum Anlass, um den US-Präsidenten mit spitzem Unterton zu kritiseren. "Wie mache ich die Welt am schnellsten kaputt? #Trump: Ich! Hier", schreibt ein User. Ein anderer spottet: "Trump hat Meister Proper vergessen. Na, kommt vielleicht noch. [...]"
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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