EU-Kommission ermittelt: Verfahren gegen China-Shop wegen Sexpuppen in Kinderoptik

Kindlich aussehende Sexpuppen, illegale Waffen und verschreibungspflichtige Medikamente – all das konnten Kunden bei Shein mit einem Klick kaufen. Jetzt eröffnet die EU-Kommission ein formelles Verfahren gegen den chinesischen Online-Händler.

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Nach dem Skandal um den Verkauf von Sexpuppen mit kindlichem Aussehen leitet die EU-Kommission ein formelles Verfahren gegen den chinesischen Online-Händler Shein ein. (Foto) Suche
Nach dem Skandal um den Verkauf von Sexpuppen mit kindlichem Aussehen leitet die EU-Kommission ein formelles Verfahren gegen den chinesischen Online-Händler Shein ein. Bild: picture alliance/dpa/Le Pictorium via ZUMA Press | Julien Mattia
  • Handel mit kindlichen Sexpuppen - Ermittlungen gegen Online-Händler Shein
  • EU-Kommission leitet Verfahren gegen China-Versandhändler ein
  • Verbraucherschutz mangelhaft, illegale Produkte angeboten? Vorwürfe gegen Shein wiegen schwer

Versanddienstleister wie das chinesische Unternehmen Shein haben es sich auf die Fahnen geschrieben, ihrer Kundschaft eine breitgefächerte Produktpalette zu niedrigsten Preisen anzubieten - doch eine bestimmte Angebotsgruppe ruft jetzt die Gesetzeshüter auf den Plan. Die EU-Kommission geht erstmals mit einem offiziellen Verfahren gegen den chinesischen Online-Händler Shein vor. Die Brüsseler Behörde wirft dem Unternehmen vor, nicht ausreichend gegen den Handel mit verbotenen Waren vorzugehen und Verbraucherrechte zu missachten.

EU-Ermittlungen gegen Shein wegen Verkauf von Sexpuppen in Kinder-Optik

In den vergangenen Monaten geriet Shein mehrfach in die Kritik. Auf der Plattform wurden zeitweise Sexpuppen mit kindlichem Erscheinungsbild angeboten. Darüber hinaus konnten Nutzer genehmigungspflichtige Waffen sowie Arzneimittel kaufen. Nach öffentlichem Druck entfernte das Unternehmen diese Angebote eigenständig.

Als rechtliche Grundlage für die EU-Ermittlungen dient der Digital Services Act (DSA). Dieses EU-Gesetz verpflichtet Plattformen dazu, illegale Inhalte zügiger zu beseitigen. Große Anbieter wie Shein unterliegen dabei strengeren Auflagen als kleinere Konkurrenten. Das Unternehmen agiert gleichzeitig als Produzent, Verkäufer und Marktplatz.

Illegale Waren bei Shein sind nur die Spitze des Eisbergs - Belohnungssystem und Algorithmen im Visier

Das Verfahren der EU-Kommission beschränkt sich nicht auf den Verkauf verbotener Waren. Die Brüsseler Behörde nimmt auch das Design der Plattform unter die Lupe. Konkret geht es um Punkte- und Belohnungssysteme, die Kunden möglicherweise zu übermäßigem Konsum verleiten. Nach Einschätzung der Kommission könnten diese Mechanismen dem Verbraucherschutz schaden.

Ein weiterer Prüfpunkt betrifft die Produktempfehlungen. Shein schlägt seinen Nutzern Artikel per Algorithmus vor. Das europäische Recht verlangt von großen Plattformen, die wichtigsten Parameter dieser Systeme offenzulegen. Außerdem müssen Nutzer Zugang zu mindestens einer Empfehlungsfunktion erhalten, die ohne persönliche Daten auskommt. Ob Shein diese Vorgaben erfüllt, wird nun geprüft.

Shein-Sperre in Frankreich gescheitert - EU leitet neues Verfahren ein

Besonders aus Frankreich kam zuletzt massiver Druck auf die EU-Kommission, entschieden gegen Shein vorzugehen. Die französische Regierung wollte die Plattform sogar für drei Monate komplett blockieren lassen. Ende Dezember wies ein Gericht diesen Antrag jedoch zurück. Die Richter begründeten ihre Entscheidung damit, dass eine solche Maßnahme die unternehmerische Freiheit unverhältnismäßig einschränken würde.

Die EU-Kommission betont, dass ihr eigenes Verfahren unabhängig von den französischen Ermittlungen läuft. Anfang November hatte Shein in Frankreich seinen ersten dauerhaften Laden eröffnet. Bei der Eröffnung demonstrierten Menschen gegen die Fast-Fashion-Praktiken des Unternehmens, kritisierten die Arbeitsbedingungen und bemängelten die Umweltbilanz des Händlers.

Chinesischer Online-Händler signalisiert Kooperationsbereitschaft

Der Online-Riese signalisiert Bereitschaft zur Zusammenarbeit mit den Brüsseler Behörden. "Wir teilen das Ziel der Kommission, eine sichere und vertrauenswürdige Online-Umgebung zu gewährleisten, und werden uns weiterhin konstruktiv an diesem Verfahren beteiligen", erklärte das Unternehmen. Nach den Skandalen habe Shein bereits seine Sicherheitsmaßnahmen verstärkt, insbesondere bei Produkten mit Altersbeschränkung.

Für das Verfahren existiert keine festgelegte Frist. Die Einleitung bedeutet laut EU-Kommission noch nicht, dass ausreichende Beweise für Regelverstöße vorliegen. Sollten sich die Vorwürfe jedoch bestätigen, kann Brüssel Geldstrafen verhängen. Alternativ könnten die Ermittler auch Zusagen von Shein akzeptieren und das Verfahren beenden. Eine komplette Sperrung der Plattform gilt als äußerst unwahrscheinlich und käme nur als letztes Mittel in Betracht.

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/news.de/dpa

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