Fast 200 Fälle pro Jahr: Todeszahlen bei E-Bikes steigen – wie Sie sich schützen können

Jährlich kommen fast 200 Fahrer auf ihrem E-Bike um – das hat mehrere Gründe. Unter anderem fühlen sich viele Radfahrer vom Elektro-Rad überfordert. Wir verraten Ihnen die wichtigsten Tipps für eine sichere Fahrt.

Von news.de-Redakteur - Uhr

Wer einmal E-Bike gefahren ist, merkt schnell, dass sie deutlich flotter sind als ihre Verwandten ohne Elektromotor. (Foto) Suche
Wer einmal E-Bike gefahren ist, merkt schnell, dass sie deutlich flotter sind als ihre Verwandten ohne Elektromotor. Bild: picture alliance/dpa | Leonie Asendorpf
  • Die Zahl der Unfälle mit E-Bikes ist in den vergangenen Jahren gestiegen
  • Ein Großteil der Unfallopfer war männlich und über 65 Jahre alt
  • Viele Fahrer fühlen sich mit der Geschwindigkeit von E-Bikes überfordert

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Mehr als sieben Millionen Menschen in Deutschland fahren derzeit ein E-Bike. Klar: Wer keine Lust hat, bei jeder Steigung ins Schwitzen zu kommen, ist mit seinem Pedelec gegenüber einem herkömmlichen Fahrrad deutlich im Vorteil. Allerdings sind die Fahrräder mit Elektromotor nicht gänzlich ungefährlich.

Wie tödlich sind E-Bikes wirklich?

Der Blick auf die Statistik verrät: Etwa 200 Fahrer pro Jahr kommen bei Unfällen mit E-Bikes um. Woran das liegt und wie Sie sich schützen können. Wer sich die Unfälle genauer anschaut, erkennt ein Muster: Sehr viele Opfer sind 65 Jahre oder älter. Das deckt sich auch mit einer aktuellen Studie der Technischen Universität München (TUM).

Dr. Dr. Michael Zyskowski, Oberarzt in der Klinik und Poliklinik für Unfallchirurgie der TUM, sowie sein Team haben insgesamt 103 Fälle verletzter E-Biker von 2017 bis 2023 behandelt. Knapp die Hälfte von ihnen wurde allein 2023 behandelt – damit stiegen die Fälle im Vergleich zum Vorjahr um das Anderthalbfache an. Das Durchschnittsalter der Patienten, die durch einen Unfall auf die Intensivstation kamen – fast ausschließlich Männer –, lag bei etwa 77 Jahren. Keiner von ihnen trug einen Helm beim Fahren.

Viele können die körperliche Fitness nicht richtig einschätzen

Was hier gefehlt hat, war mehr als nur ein Helm. Im Gespräch mit der "Welt" erklärt Zyskowski: Besonders die Überschätzung der eigenen Fähigkeiten führe oftmals zu den folgenschweren Unfällen. Viele würden nicht bemerken, dass der Blutzuckerspiegel beim Fahren abfalle, was Konzentration und Gleichgewichtssinn der Betroffenen stören kann. Zudem koste das Manövrieren von E-Bikes - immerhin teils über 20 Kilogramm schwer – einiges an Kraft. Die korrekte Einschätzung der eigenen körperlichen Fitness kann im Straßenverkehr Leben retten. "Ältere E-Bike-Fahrer sollten sicher auf einem Bein stehen und die Balance halten können", so der Oberarzt.

Worauf muss ich beim Kauf eines E-Bikes achten?

Allerdings beginnt Sicherheit auch schon mit dem Kauf des Fahrrads: Wer sich ausgiebig beraten und die Technik gründlich erklären lässt, macht damit schon einiges richtig. Außerdem ist die Lektüre der Betriebsanleitung für das E-Bike empfehlenswert, um sich vorab mit dem Fahrrad vertraut zu machen. Wer das nötige Kleingeld hat, sollte dringend auch auf qualitativ hochwertige Komponenten am Rad achten. Im besten Fall hat das Fahrrad nicht nur eine CE-Kennzeichnung, sondern auch ein GS-Siegel. Und wo Sie schon im Fahrradladen sind: Kaufen Sie sich gleich auch einen Helm dazu. Stürze mit dem E-Bike können auch geübten Fahrern schnell passieren – ein Helm schützt oft vor schlimmeren Verletzungen.

E-Bikes sind schneller - fahren Sie daher umsichtiger

Dank der starken Beschleunigung und einem hohen, konstanten Tempo macht das Fahren auf einem E-Bike durchaus Spaß – doch gleichzeitig droht bei hohen Geschwindigkeiten auch schnell mal der Kontrollverlust. Wer zudem an Kreuzungen oder schlecht einsehbaren Kurven besonders schnell um die Ecke radelt, riskiert, dass Autos, Fußgänger und andere Radfahrer die Gefahr nicht mehr schnell genug wahrnehmen können.

Grundsätzlich gilt also: Fahren Sie lieber sogar noch etwas vorsichtiger, als Sie es auf einem normalen Rad tun würden. Behalten Sie außerdem auch in brenzligen Situationen einen kühlen Kopf und steigen Sie im Zweifel auch mal lieber kurz ab, als orientierungslos in wenig übersichtliche Kreuzungen reinzusteuern. Lieber ein paar Meter schieben, als später in der Notaufnahme zu sitzen.

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