TV: Neue ZDF-Show: Warum Florian Schroeder von der Linken enttäuscht ist
Alice Weidel, Peter Thiel und Julian Reichelt: Schon vor dem Start seiner neuen ZDF-Show sorgen mögliche Gäste für Diskussionen. Florian Schroeder erklärt, wen er tatsächlich einladen würde.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Linksliberal, konservativ, anarchistisch, neoliberal und irgendwie auch Kommunist: So beschreibt Florian Schroeder seine eigene politische Haltung - zumindest mit einem Augenzwinkern. Mit seiner neuen ZDF-Sendung "Journal Deluxe" will der 47-jährige Satiriker nun auch das nach seinen Worten eigene politische Milieu aufs Korn nehmen. "Ich stehe dem gesamten linken und linksliberalen Spektrum mit wachsender Skepsis gegenüber", sagte Schroeder der Deutschen Presse-Agentur.
Rechts geworden sei er deshalb aber keineswegs. "Ich komme aus der linksliberalen Welt und da gehöre ich hin. Der oberste Gegner der Gegenwart ist der Rechtsextremismus." Schroeder sagt: "Mein Blick ist einer der Solidarität." Er sei nicht darauf aus, die Linke zwangsläufig zu bekämpfen, sondern vielmehr enttäuscht von ihr.
Am Donnerstag (29. Oktober) startet Schroeders neue Sendung "Journal Deluxe" im Streamingportal des ZDF. Einen Tag später läuft sie bei 3sat, am 3. November im ZDF-Hauptprogramm. Zunächst sind vier Folgen geplant. Schon vor dem Start hatte die Sendung für Diskussionen gesorgt. Hintergrund sind unter anderem Medienberichte, nach denen ein erklärtes Ziel der Sendung sei, insbesondere Grüne und Linke stärker ins Visier zu nehmen.
Was die Zuschauer erwartet
Das ZDF kündigt "Journal Deluxe" als Mischung aus politischer Satire und gesellschaftlichen Debatten an. Die Gäste der ersten Ausgabe stehen bereits fest: Mit dabei sind die frühere Grünen-Chefin Ricarda Lang, die "Welt"-Moderatorin Dorothea Schupelius sowie der "Süddeutsche Zeitung"-Journalist und Buchautor Ronen Steinke.
Enttäuschung über das eigene politische Lager
Besonders die Reaktionen auf den Terrorangriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 hätten ihn beschäftigt. "Ich bin enttäuscht von Leuten, die sich für progressiv halten, aber zutiefst rückwärtsgewandt sind, wie sie in der Zeit nach dem 7. Oktober 2023 bewiesen haben, indem sie mit einer brachialen Kälte gegenüber den jüdischen Opfern agiert haben", sagte Schroeder. Dass eine Bewegung, die sich selbst für progressiv halte, autoritär werde und Menschen ausgrenze, statt sie zu integrieren, befremde ihn sehr.
Kritiker werfen Schroeder vor, mit seiner neuen Ausrichtung eher nach unten als nach oben zu treten. Diesen Vorwurf weist er zurück. "Das halte ich für eines der lustigsten und absurdesten Argumente zugleich." Nach unten zu treten bedeute, sich über arme Menschen, Obdachlose oder Minderheiten lustig zu machen. Das sei nicht sein Ziel.
Allerdings räumt er ein, dass ihm selbst möglicherweise schon einmal ein solcher Fehler unterlaufen sei. "Man wird mir wahrscheinlich nachweisen können, dass ich auch mal nach unten getreten habe. Jeder macht Fehler. Aber das ist nicht mein Programm."
Sein Grundsatz sei ein anderer: "Ich greife immer Macht an. Und Linke und Grüne, die Macht haben, sind Teil der Satire."
Peter Thiel und Alice Weidel als mögliche Gäste?
Für Aufsehen hatten auch Berichte über mögliche Gäste gesorgt. In einem von der "Süddeutschen Zeitung" beschriebenen Konzept sollen unter anderem AfD-Chefin Alice Weidel und der US-Milliardär Peter Thiel genannt worden sein.
Schroeder relativierte die Erwartungen an solche Auftritte. "Man muss schon sehr größenwahnsinnig sein, um ernsthaft zu glauben, dass man in eine kleine Comedy-Sendung im deutschen Fernsehen direkt Peter Thiel als Gast kriegt." Interesse hätte er allerdings durchaus. Er halte Thiel für eine der spannendsten und abgründigsten Figuren der Gegenwart.
Auch Weidel sei als möglicher Gast diskutiert, aber nicht angefragt worden. Es gehe um die Frage, wie man Menschen mit völlig anderen politischen Überzeugungen in einer satirischen Sendung begegnen könne, ohne sie unkritisch gewähren zu lassen. Für die erste Staffel schloss er eine Einladung allerdings aus. "Wir werden den Teufel tun, sie für die erste Staffel anzufragen, schon allein deshalb, weil jetzt alle damit rechnen."
Diskussionen um Julian Reichelt
Nach der "Süddeutschen Zeitung" soll auch der frühere "Bild"-Chefredakteur und heutige "Nius"-Chef Julian Reichelt zunächst angefragt und später wieder ausgeladen worden sein. Schroeder bezeichnete solche Vorgänge als normal bei der Entwicklung einer neuen Sendung. "Es wurden sehr viele Gäste eingeladen und manche auch wieder ausgeladen. Das ist ein ganz normaler Vorgang. Das hat mit ihm als Person nichts zu tun."
Grenzen bei der Gästeauswahl gebe es dennoch. "Man muss keinen Holocaustleugner einladen. Man muss auch keine Leute einladen, die nur in Verschwörungsmythen zu Hause sind." Ebenso wenig wolle er Menschen in seine Sendung holen, die nicht prominent auf einer Bühne stehen, nur um sie vorzuführen.
Kein Gegenentwurf zu Jan Böhmermann
Immer wieder wurde Schroeders Sendung im Vorfeld als möglicher Gegenentwurf zu Jan Böhmermanns "ZDF Magazin Royale" beschrieben. Böhmermann beendet seine bisherige Sendung im Dezember.
Schroeder kann mit dem Vergleich wenig anfangen. "Ich bin weder der Gegenentwurf von jemandem, noch bin ich die Kopie, weder der Vorgänger, noch der Nachfolger, weder der Warm upper, noch der Insolvenzverwalter von jemandem." Er habe immer sein eigenes Ding gemacht und mit seiner Arbeit Debatten ausgelöst.
Und wessen Lob wäre ihm am Ende lieber: das von Böhmermann oder das von Reichelt? Schroeder antwortet mit einem Lachen: "Ich erwarte und setze voraus, dass sie beide die Show bedingungslos hervorragend finden, denn sonst hätte sich das Heidengeld, das ich an beide bezahlt habe, nicht gerechnet."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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