Fernsehen: 70 Jahre TV-Werbung: Diese Slogans kennt fast jeder
Ein Kellner, ein Fleck auf der Tischdecke und ein Waschmittel: So begann 1956 die Fernsehwerbung in Deutschland. Später wurden viele Slogans zu geflügelten Worten.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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In einem vollen Restaurant flutscht dem tollpatschigen Xaver der Sonntagsbraten vom Teller – ausgerechnet auf die blütenweiße Tischdecke. "Du bist doch a richtige Dreck-", setzt seine Frau zu einem Schimpfwort an. Doch der Kellner beschwichtigt: "Das kann doch vorkommen." Seine Lösung: eine bekannte Waschmittelmarke. Der zugehörige Slogan: "Persil. Und nichts anderes."
Am Dienstag (3. November) vor 70 Jahren sendet der Bayerische Rundfunk zum ersten Mal diesen Werbespot im Vorabendprogramm. 1956 ist das eine Premiere im deutschen Fernsehen. Was mit einem Sketch in einem süddeutschen Lokal mit den bayerischen Volksschauspielern Liesl Karlstadt und Beppo Brem seinen Anfang nimmt, wird in den folgenden Jahrzehnten manch Juwel der Kurzunterhaltung: der Werbespot. Manche Slogans finden sogar als geflügelte Worte ihren Weg in den Alltag.
"Geiz ist geil"
Die Kampagne der damaligen Elektronikkette Saturn (heute: MediaMarktSaturn) startet 2002. Als einer der bekanntesten Werbeslogans ist der von der Hamburger Werbeagentur Jung von Matt kreierte Satz zunächst ein Versprechen niedriger Preise, wird aber schnell zum Gesellschaftsthema.
"Geiz ist geil" hält in Diskussionen über Zeitgeist, Konsum, Schnäppchen und Verantwortung Einzug. Aufgeworfen wird die Frage, ob deutsche Konsumenten eher auf einen besonders niedrigen Preis achten oder auf Qualität und Service.
Selbst der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) nimmt darauf Bezug. "Statt der billigen Parole "Geiz ist geil" müsste es eigentlich heißen: "Qualität hat ihren Preis"", sagt er 2005. Für die Marke Saturn bringt der Satz extrem viel Aufmerksamkeit – und wird zum häufig in anderen Zusammenhängen genutzten Wortspiel.
"Quadratisch. Praktisch. Gut."
Die Schokoladenmarke Ritter Sport verfügt vermutlich über den bekanntesten Werbedreiklang Deutschlands. Die quadratische Form wird seit Jahrzehnten als Gegenentwurf zur klassisch-rechteckigen Tafel verkauft.
Während eine Formel wie "die zarteste Versuchung seit es Schokolade gibt" bei Milka einigen womöglich pathetisch übertrieben wirkt, klingt "quadratisch, praktisch, gut" sachlich-nüchtern – ein fast poetisches Trikolon im dreihebigen Jambus. Der Slogan erhebt die Verpackung zum Verkaufsargument. Der Spruch ist Ausdruck der Vernunft: Er beschreibt kein Gefühl, sondern eine Gebrauchseigenschaft.
Ganz rational geht Ritter Sport gegen Produkte vor, die Ähnlichkeiten zur Verpackungsform aufweisen. Regelmäßig ziehen Konkurrenten vor Gericht den Kürzeren gegen den Quadrat-Platzhirsch. Seit 1996 ist die Verpackung des Herstellers aus dem schwäbischen Waldenbuch markenrechtlich geschützt.
"Nichts ist unmöglich"
Der Slogan des japanischen Autoherstellers Toyota ist seit den 1980er Jahren weit verbreitet. Manche meinen, er gehe zurück auf das Neue Testament, in dem es an einer Stelle heißt: "Alles ist möglich dem, der glaubt!" Besonders einprägsam kommt "Nichts ist unmöglich" aber sicher daher, wenn ihn brummende Affen mit gespitzten Lippen zum Besten geben – wie bei der Werbung für das Modell Carina in den 1990ern.
Als 1994 der damalige US-Präsident Bill Clinton kurz vor Ende seiner Rede vor dem Brandenburger Tor auf Deutsch unter anderem "alles ist möglich" sagt, sollen einige Berliner angeblich "Nichts ist unmöglich, Toyota" skandiert haben.
Der Werbespot hat sich einfach in den Hirnen verfangen. Er verspricht Machbarkeit und Aufstieg und ist bis heute ein Standardbegriff für ambitionierte Ziele. Er ist kurz, positiv und leicht zu zitieren. Der Slogan gilt mittlerweile als Ermutigungssatz – ohne dass das Produkt noch im Mittelpunkt steht.
"Wer wird denn gleich in die Luft gehen?"
Der Satz gehört zum hektisch-brabbelnden HB-Männchen Bruno, dem Maskottchen der Zigarettenmarke HB. Die Zeichentrickfigur ist von den späten 1950er Jahren an in der westdeutschen Nachkriegszeit eine der bekanntesten Werbefiguren und das Äquivalent eines gestressten Bundesbürgers. Seine Auftritte sind bis 1972 im Fernsehen und bis 1984 im Kino zu sehen.
Bruno stellt sich in den Clips immer zunächst überaus tolpatschig an, wird dann immer zorniger und geht kurz vor Ende zuverlässig wutschnaubend an die Decke. Aus dem Off folgt der fröhliche Spruch: "Halt, mein Freund, wer wird denn gleich in die Luft gehen?" Eine Zigarette bringt ihn schließlich zur Ruhe.
Gelassenheit als Markenversprechen zu verkaufen, ist ein kühner Schachzug ausgerechnet für ein Produkt, das den Puls gerade nicht senkt.
"Haribo macht Kinder froh und Erwachsene eben so"
Der Reim ist ein Versprechen an gleich zwei Zielgruppen. Die Zeile wirkt wie ein kleines Werbeprogramm für Familien und ist leicht zu singen und zu erinnern.
Der 1920 in Bonn gegründete Süßwarenhersteller rund um die bekannten "Goldbären" verbreitet ab Mitte der 1930er Jahre den einfachen wie genial einprägsamen Werbeslogan "Haribo macht Kinder froh". Von Mitte der 1960er Jahre an wird über den Zusatz die Zielgruppe auf die Großen erweitert. Der Reim funktioniert auch sechs Jahrzehnte später noch, weil er Erwachsene einlädt, sich als Kind zu fühlen.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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