TV-News: "Noch bin ich da" - Koschitz als Polizistin mit Alzheimer
Die Serie "Das Vergessen - Spurlos im Moor" verwebt einen komplexen Mordfall mit der sehr persönlichen Geschichte einer Ermittlerin. Das regt zum Miträtseln an, aber auch zum Nachdenken.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
Suche
Pia hört Stimmen. Der Wald um sie herum scheint zu wackeln. Hin und wieder blitzen Menschen auf - und sind schnell wieder verschwunden. Was ist real, was nur in ihrem Kopf? Und ist das, was in ihrem Kopf ist, bald noch da?
Die Polizistin ist an einer frühen Form von Alzheimer erkrankt. Die Diagnose trifft sie ausgerechnet in einer Phase, in der Pia ihre verschollene Nichte Amelie sucht. "Bring sie mir zurück", bat Pias Schwester. Das ist nun ihre Mission.
Die ARD hat jetzt die Miniserie "Das Vergessen - Spurlos im Moor" im Programm (Start in ARD-Mediathek 23.10.). Im Ersten laufen die ersten vier Folgen an einem Samstag und Sonntag (24. und 25.10.).
Mehrere Tote
Als Amelies Leiche in einem Moor gefunden wird, entwickelt sich eine komplexe Mordermittlung. In sechs Folgen, je 45 Minuten lang, ist dafür viel Platz.
Es geht unter anderem um freizügige Bilder einer Minderjährigen im Internet. Um Männer, die sie sich angucken. Um Vergewaltigung und Drogen, um mögliche Mitwisser und Mittäter. Von einem kleinen Dorf in Österreich aus führen die Ermittlungen über die Grenze - mal nach Deutschland, mal nach Tschechien. Und es bleibt auch nicht bei einer Toten.
Da es sich um ihre Nichte handelt, ist Pia persönlich stark involviert. Ihre Krankheit kommt erschwerend hinzu. Da wundert es nicht, dass sie diese anfangs weder sich selbst eingesteht noch das Geheimnis mit ihrer Familie teilt.
"Ganz andere Dimension der Verunsicherung"
"Die Welt aus den Augen eines Menschen zu sehen, der sein Gedächtnis verliert, dessen gesamte Erinnerungen schwinden, ist krass und hat für mich wieder neue Fragen über das Leben aufgeworfen", sagt Hauptdarstellerin Julia Koschitz laut Pressedossier. Für ihre Rolle habe sie Dokumentarfilme angeschaut, viel über das Thema gelesen sowie mit einer Psychologin und der Leiterin eines Selbsthilfevereins für Betroffene und Angehörige gesprochen. "Die Recherche und die sehr wertvollen Gespräche waren wichtig für meine Figurenentwicklung."
Pia spürt zunehmend, dass sie sich auf keinen mehr verlassen kann. Gerade nicht auf sich selbst. "Ich kann mich diesem Gefühl nur annähern - was es wirklich bedeutet, weiß ich trotz dieser langen und intensiven Auseinandersetzung wahrscheinlich nicht", so Schauspielerin Koschitz.
"Wir können uns alle vorstellen, wie bedrohlich eine Welt ist, in der wir niemandem mehr vertrauen können", sagt sie. "Aber das Gefühl, sich selbst zu verlieren, hat nochmal eine ganz andere Dimension der Verunsicherung."
Emotionale Gespräche
Wie sich das entwickelt, wird auch in der Serie von Folge zu Folge deutlich. Als ihre Familie von der Erkrankung erfährt, versichert Pia: "Noch bin ich da. Und ich bleib' auch, solange ich kann." Später verspricht sie ihrer Tochter (Anja Pichler) im Streit, nach Abschluss der Ermittlungen wieder ganz bei der Familie zu sein. "Was?", fragt die Tochter. "Was von dir ist dann noch bei uns?"
Gegen Ende ist Pia so weit, dass sie über sich selbst festhält: "Ich war immer schon in ein bisschen schräg. Jetzt muss ich's nur nicht mehr verstecken."
Berührend wird es, als Pia mit ihrem Mann (Matthias Koeberlin) spricht, dass sie nicht von ihrer Familie gepflegt, gefüttert und gewaschen werden wolle. "Du glaubst doch nicht ernsthaft, dass ich dich irgendwo hingebe", antwortet der - worauf sie entgegnet: "Es gibt auch noch andere Lösungen." Wieder er: "Ich geh' jeden Schritt mit dir. Aber den nicht."
Es sind nicht nur solche Gespräche, die zum Nachdenken anregen. Die Serie nimmt sich viel Zeit, Emotionen zu zeigen. Das Publikum sieht Menschen weinen, sich in den Armen liegen, verzweifeln.
Überraschende Wendungen und Cliffhanger
"Je näher man den Menschen kommt, desto intensiver fiebert man mit ihnen mit", sagen die Regisseure Daniel Prochaska und Johanna Moder laut Pressedossier. "Gleichzeitig wollten wir, dass das Publikum gemeinsam mit der Ermittlerin Hinweise entdeckt, miträtselt und sich immer wieder die Frage stellt, was wirklich passiert ist." Die emotionale Geschichte der Figuren habe genauso viel Gewicht bekommen sollen wie die Spannung der Ermittlungen.
Die Serie spielt im Herbst. Das Moor bringt neben einem gewissen Gruselfaktor die nötige Kälte mit. Gedreht wurden viele Szenen zudem in der Dunkelheit.
Hinzu kommen immer wieder kurze Sequenzen mit Rückblenden oder anderen Handlungssträngen. So können Zuschauerinnen und Zuschauer ahnen, dass noch die eine oder andere Wendung folgen dürfte. Außerdem gelingt es den Machern mittels Cliffhangern, von Folge zu Folge zu leiten.
Da kann es schon dem Publikum schwerfallen, den Überblick zu behalten. Pia ist mit Gedächtnisschwund und Halluzinationen einmal mehr gebeutelt. Sie schreibt Notizbücher voll, um nichts zu vergessen. Auf dem Dachboden hängen Zettel voller Vermerke. Und im Inneren hegt sie in einigen Momenten Zweifel.
Als der Leiter der Ermittlungen sie beurlaubt, ignoriert sie das dann - natürlich - auch. Und taucht bei einem Verdächtigen auf, der prompt fragt: "Warum kannste nicht einfach a Ruh' geben?" Kann sie nicht.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
Weitere aktuelle News im Ressort "TV":
- TV-Programm heute Abend: Das sind die Primetime-Highlights im Fernsehen
- TV-News: "Where's Wanda?": Familie Klatts Wahnsinn geht weiter
- TV-News: Reporter-Legende Christiane Amanpour hört 2027 bei CNN auf
- TV-News: Zehnter Todestag: Brauer denkt täglich an Manfred Krug
- Fernsehen: "How I Met Your Mother"-Star Jason Segel hat geheiratet
kns/roj/news.de
Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.