TV: RTL testet KI in Gerichtsshow: Was bedeutet das fürs TV?

RTL hat in der Show "Ulrich Wetzel – Das Strafgericht" KI ausgetestet und etwa Figuren verändert. Was hinter dem Test steckt - und ob künftig mehr solcher Projekte im Fernsehen laufen.

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Kürzlich hat RTL neu aufgelegte Folgen der Gerichtsshow "Ulrich Wetzel – Das Strafgericht" ausgestrahlt. Das Besondere dabei: In den Episoden kam generative Künstliche Intelligenz (KI) zum Einsatz - etwa, um Figuren und Handlungsverläufe zu verändern. Generative KI erlernt aus Trainingsdaten Muster und erzeugt neue Inhalte - Texte, Bilder, Stimmen oder Videos zum Beispiel. Der Sender spricht von einem "KI-Meilenstein für das deutsche Free-TV". Was heißt das? Und kommen jetzt ähnliche Projekte?

Was hat RTL bei "Ulrich Wetzel – Das Strafgericht" mit KI getestet?

RTL hat in einem Pilot-Projekt mit der Produktionsfirma Constantin Entertainment fünf Folgen von "Ulrich Wetzel - Das Strafgericht" neu aufgelegt und dafür auf generative KI zurückgegriffen. In der Gerichtsshow verhandelt der TV-Richter fiktive Kriminalfälle und Strafsachen. Bei "Das Strafgericht" wurde die KI den Angaben zufolge genutzt, um Figuren und Handlungsverläufe aus älteren Folgen dramaturgisch weiterzuentwickeln.

Wie ein RTL-Sprecher auf Anfrage mitteilt, wurde in dem Scripted-Reality-Format etwa die Rolle eines Angeklagten aus einer Folge real mit einem neuen Darsteller gedreht, teils im echten Gerichtssaal, teils vor einem Greenscreen. KI-Verfahren wie Bildbearbeitung oder Anpassungen in der Lippensynchronisation hätten dabei geholfen, die Szenen mit dem neuen Darsteller in bestehendes Originalmaterial zu integrieren.

Auch bei wiederkehrenden Rollen wie der von Richter Wetzel seien über Sprachsynthese neue Dialoge erzeugt worden, die inhaltlich zu den veränderten Fällen passten. "Er sagt an diesen Stellen also Sätze, die so nicht ursprünglich gedreht wurden und die er juristisch geprüft und abgenommen hat", erklärt der Sprecher.

Jede Folge sei redaktionell verantwortet und juristisch geprüft worden. Auf die Frage, wie die rechtlichen Regelungen mit den Darstellern aussehen, teilt RTL mit: "Die notwendigen Rechte wurden vorab geklärt." Zu einzelnen vertraglichen, lizenzrechtlichen oder vergütungsbezogenen Vereinbarungen äußere man sich grundsätzlich nicht öffentlich.

Wie echt sehen die Folgen aus?

In einer der Folgen geht es um einen Angeklagten, der aus Eifersucht einen Arzt attackiert haben soll. In einem Beispiel-Video mit einem Vergleich zum Original sieht man, dass die Staatsanwältin eine etwas abgewandelte Anklage verliest. Auf den ersten Blick fällt der KI-Einsatz hier kaum auf. Bei dem neuen Darsteller, der die Rolle des Angeklagten übernimmt, sieht man an den Konturen etwas, dass er nachträglich in das Originalmaterial eingefügt wurde.

Der Branchendienst "DWDL.de" zieht ein durchwachsenes Fazit. Einige Wörter wirkten etwa durch die KI wie genuschelt, an anderen Stellen seien die Lippenbewegungen mit dem Gesagten der Figuren nicht synchron, heißt es. Laut RTL liegen die Folgen, die in der Woche vom 7. bis zum 11. September im linearen Programm liefen, "insgesamt beim Marktanteil in der relevanten Zielgruppe 14-59-Jährige über dem Durchschnitt des bisherigen Jahres".

Sind ähnliche Produktionen mit KI geplant?

RTL betont, man verstehe den Test mit "Das Strafgericht" als Pilot-Projekt und "nicht als Vorgriff auf ein zukünftiges Produktionsmodell". Man plane weitere "Innovationsprojekte dieser Art". Beim ZDF sind laut eigenen Angaben derzeit keine vergleichbaren Produktionen mit Hilfe von KI wie "Das Strafgericht" bei RTL vorgesehen.

Ein Sprecher für Sat.1 und ProSieben sagt: "In unseren Eigenproduktionen spielen Schauspieler. Aber natürlich setzen wir für Special Effects und in der Post-Produktion künstliche Intelligenz ein." Auch bei der ARD sind laut Angaben der ARD-Programmdirektion "bei fiktionalen Produktionen keine Einsätze von KI in dieser speziellen Form in konkreten Entwicklungen geplant".

Wie gehen andere Sender mit KI in Produktionen um?

Beim ZDF spielt KI "punktuell und innerhalb enger Grenzen" auch in TV-Produktionen eine Rolle. "Die Redaktionen prüfen im Einzelfall und unter Einhaltung unserer Grundsätze, ob und wann ein KI-Einsatz für die Zuschauenden einen Mehrwert bieten kann", heißt es.

Als Beispiel nennt der Sender die Dokuserie "Deepfake Diaries", bei der Schauspieler mit Hilfe von KI in Berühmtheiten vergangener Zeiten verwandelt werden. Hierfür seien historische Fotos und Archivmaterial ausgewertet worden, um die Gesichter der Schauspieler mittels KI- und Deepfake-Technologie "möglichst exakt an die der historischen Vorbilder anzupassen".

Nach Angaben der ARD kann KI die TV-Produktion an verschiedenen Stellen unterstützen, etwa bei der Recherche, Übersetzung, Untertitelung, in der Post-Produktion oder bei der Entwicklung und Aufbereitung von Inhalten. Dabei stehe nicht die Technologie selbst im Vordergrund, sondern wie sie dem Publikum und der Qualität der Angebote nutze.

Wie verbreitet ist KI schon in der Filmproduktion?

Der Bundesverband Schauspiel (BFFS) nimmt seit fast zwei Jahren intensiv wahr, dass generative KI im Filmproduktions- und Synchronbereich eingesetzt wird, wie er mitteilt. "Insoweit ist KI im schauspielerischen Arbeitsbereich vor der Kamera längst angekommen." Die Technologie komme nicht nur zur Qualitätsverbesserung im technischen Produktionsbereich zum Einsatz, erläutert der Verband. Vielmehr verändere und eröffne sie "auch im schauspielerischen Bereich dem Filmhersteller "kreative" Möglichkeiten".

Wie schaut die Filmwelt auf KI?

KI ist nicht nur in Hollywood ein heißes Thema - und umstritten. Zu den Kritikern gehört US-Regisseur Steven Spielberg, der nach eigenen Angaben beim Filmemachen darauf verzichtet. "Es gibt einen Platz für Kl in der Medizin und in der Forschung. Aber ich nutze KI nicht mal als Werkzeug für Recherche", sagte er dem Magazin "Stern". Offener zeigt sich der deutsche Regisseur Roland Emmerich. Er habe KI in seinen Filmen bisher nicht genutzt, aber natürlich könne man die Technik auch nicht außen vor lassen, sagte er.

Der BFFS setzt sich hierzulande für verbindliche Regeln ein. Mit der Produktionsallianz und der Gewerkschaft Verdi hat er sich 2025 auf einen Tarifvertrag zum Einsatz generativer KI in Filmproduktionen geeinigt. Die Vereinbarung soll etwa sicherstellen, dass nicht über den Kopf von Schauspielerinnen und Schauspieler hinweg mit digitalen Nachbildungen von ihnen gearbeitet wird. Dafür ist die Einwilligung der Darsteller notwendig, die einen Anspruch auf Vergütung bekommen.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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