Fernsehen: Jean Pütz wird 90 - und hat da noch was vorbereitet
Jean Pütz will 100 Jahre alt werden - aber zunächst wird er 90. Die "Hobbythek" ist zwar lange vorbei, aber die Welt erklärt er immer noch gern, auch ohne Sendung. Ein Besuch in seiner neuen Wohnung.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Selber machen - das war das Motto der "Hobbythek", die Jean Pütz einst im WDR moderierte. Dem Prinzip ist er treu geblieben, vor allem, was die Gesprächsführung angeht. Wer ihm gegenübersitzt und einen vorgefertigten Fragenkatalog durchgehen will, muss schnell einsehen, dass sich Pütz die Themen gern selbst bastelt. Die Atombombe? Die habe er damals "begrüßt", auch wenn er Pazifist gewesen sei. Das größte Übel, das Europa über die Welt gebracht habe? Die Sklaverei, das ist für Pütz sonnenklar.
Nach nichts davon hat man direkt gefragt und dennoch bekommt man eine überraschend dezidierte Meinung, weil Pütz in seinem Kopf ständig neue Schubladen aufzieht wie früher am Schraubenregal einer Werkbank. Er fühlt sich gut. "Ich will ja jetzt auch noch 100 werden", sagt er. Zunächst wird er aber erst einmal 90 - am Montag (21. September).
100 Themen, bitte
Seine bekannteste Erfindung wiederum liegt rund 50 Jahre zurück. Die Sendung "Hobbythek" im WDR verband Wissenschaft mit Unterhaltung - als eine der ersten überhaupt.
Mit vielen Experimente und praktischen Lösungen sollte sie Menschen erreichen, die sich in der Schule mit Physik oder Chemie eher schwergetan hatten. Wie lässt sich Waschmittel herstellen? Wie kann man Regenwasser nutzen? Und wie sieht gute Ernährung aus? All das erklärte Pütz mit einem wippenden Schnurrbart. Und vieles mehr. Er könne locker zu mehr als 100 Themen ad hoc reden, versicherte er mal - auch stundenlang.
Ursprünglich hatte Pütz Elektromechaniker gelernt, später holte er das Abitur nach und studierte Mathe, Physik, Soziologie und Volkswirtschaft. Eher zufällig landete er beim WDR, wo er "Narrenfreiheit" genoss, wie er sagt. Die "Hobbythek" war ein Hit. 1984 entwickelte er auch noch die "Wissenschaftsshow", aus der später "Quarks" hervorging.
All das liegt eine Weile zurück - und Pütz selbst glaubt, dass ihn "ab Jahrgang '90" sicherlich "kein Schwein mehr" kenne. Aber er hat auch einiges dafür getan, um in Erinnerung zu bleiben. Seinen Satz "Ich hab' da mal was vorbereitet" etwa kann niemand mehr aus dem kollektiven Fernseh-Gedächtnis tilgen.
Vom Waschmittel zum Methanol
Vorbereitet hat Pütz auch diesmal etwas - sein großes Thema. Wenige Tage vor dem Gespräch mailt er ein Dokument zu, in dem es um sein neues Buch geht. Überschrieben ist es mit der recht selbstbewusst formulierten Zeile "Jean Pütz: Plädoyer für eine globale Methanolwirtschaft zur Lösung aller Energieprobleme der Menschheit".
Energie, Klima und vor allem die "Methanol-Strategie" zur Rettung des Klimas - das sind die Themen, zu denen er aktuell besonders viel sagen kann. Auch stundenlang, das glaubt man sofort. "Meine Frau sagt, ich bin Methanolfetischist", gibt Pütz zu. "Die findet das ein bisschen affig."
Zu Pütz' Bekanntheit - auch in seinem Spätwerk - trug sicherlich bei, dass er auffallend wenig Scheu hat, über sein Intimleben zu sprechen. Die Klatschspalten liebten ihn dafür.
In seiner Autobiografie (Untertitel: "Ein Glückspilz packt aus") sind allerlei Dinge zu lesen, die andere womöglich beim Schreiben übersprungen hätten. Etwa den Verlauf erster sexueller Interaktionen (Pütz: "Als es nämlich zur Sache ging und ich erstmals in meinem bislang keuschen Leben einen herrlichen Busen anfassen durfte, bekam ich einen Kloß in den Hals, und es versagte mir nicht nur die Stimme").
Kinder hat Pütz drei - in sehr unterschiedlichen Generationen. Sein ältester Sohn aus erster Ehe geht auf die 70 zu. Seine jüngste Tochter ist 15 Jahre alt. Als das Mädchen auf die Welt kam, war Pütz 74 Jahre alt.
Zu alt, um ein Kind großzuziehen, erachtete er sich nicht. "Ich bin ein Lustmolch, aber ich lebe gesund. Das Kind ist die Dokumentation einer großen Liebe", gab er damals, 2010, zu Protokoll. Heute betont er, dass alle seine Kinder natürlich gezeugt worden seien. Dazu nennt er auch Details, geht dann aber doch zum nächsten Thema über. Seine Frau ärgere seine Auskunftsfreude bisweilen, sagt Pütz.
Pützerosa-Ranch und Dom-Blick
Zu Hause ist Pütz, Sohn eines Deutschen und einer Luxemburgerin, nicht nur an einem Ort. Etwa eine Stunde Autofahrt entfernt von Köln liegt sein Anwesen im Grünen, das er "Pützerosa-Ranch" nennt.
Vor einigen Monaten hat er aber auch eine Wohnung mit recht exklusivem Blick in Köln selbst bezogen - von der Terrasse blickt er auf den Dom, den Rhein, die Hohenzollernbrücke und überhaupt alle Sehenswürdigkeiten der Stadt. Das Interieur erinnert an die späten 80er Jahre. Es gibt unter anderem eine geschwungene Theke, eine dunkle Vitrine und grüne Leder-Barhocker. Es ist eine Umgebung, in der die "Hobbythek" gar nicht so weit weg erscheint.
Er habe eine neue Herzklappe bekommen, sagt Pütz. Auch die Augen machen ihm zu schaffen. Lesen und schreiben könne er nicht mehr, er müsse alles diktieren. "Ich habe einen Panoramablick, aber ich habe keinen Durchblick mehr. Das ist mein Spruch", sagt er. "Aber: Man darf nicht aufgeben!" Damit könne man wunderbar leben. "Und das Leben macht auch noch Spaß."
Irgendwann, der Besuch neigt sich schon dem Ende zu, richtet sich Pütz auf - geblümtes Hemd, karierte Weste, kurze Trekking-Hose, Segelboot-Schuhe - und hält inne. "Ich erzähl Euch so viel", stellt er plötzlich fest. Aber, so erklärt er: "Da, wo das Herz voll ist, da schwappt der Mund über."
Und Jean Pütz, so viel steht fest, hat mit 90 noch einiges auf dem Herzen.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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