TV: Checker Tobi macht Test mit Schülern: drei Wochen ohne Handy

Wochenlang ohne TikTok, Chats und Spiele: Für rund 100 Jugendliche ein ungewohnter Alltag. Was ihnen dabei fehlt und was sie plötzlich gewinnen, zeigt eine experimentelle ARD-Doku mit Tobias Krell.

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Wie sieht ein Alltag aus, wenn das Smartphone plötzlich nicht mehr da ist? Rund 100 Jugendliche haben es ausprobiert. Drei Wochen lang sollten sie für die dreiteilige ARD-Wissen-Doku "Schule ohne Smartphone" auf ihr Handy verzichten. Haben alle durchgehalten?

Die Auflösung gibt es jetzt (Streamingstart 2.9.) in der ARD-Mediathek zu sehen. Durch das Experiment führt Tobias Krell (40). In seiner Rolle als Moderator der Kindersendung "Checker Tobi" erklärt der Wahl-Münchner sonst Kindern die Welt. Nun schlüpft er in die Rolle des Beobachters.

Auch Checker Tobis Smartphone landet im Handykäfig

Krell beobachtet das Experiment an einer Schule in Rheinland-Pfalz aber nicht nur von außen. Auch sein Smartphone wird für drei Wochen weggesperrt - so wie das der Jugendlichen in einen Handykäfig. Die Erfahrung seiner Protagonisten darf also auch er machen.

"Ich habe mich vor allem auf die social-media-freie Zeit gefreut", sagt Krell der Deutschen Presse-Agentur. "Am meisten hat mich dann überrascht, wie schnell ich mich daran gewöhne, kein Handy mehr in der Hosentasche zu haben." Es sei sehr angenehm gewesen.

Vor allem habe er plötzlich seine eigenen Automatismen hinterfragt. "Ich habe mich in der Zeit natürlich selbst beobachtet und sehr schnell gemerkt, in welchen Situationen ich normalerweise aufs Handy gucke."

Wenn man das plötzlich nicht mehr machen könne, dann falle einem erstens sehr schnell auf, wie oft man sein Handy einfach ganz automatisch in die Hand nimmt. "Und dann fängt man an, das zu hinterfragen", sagt Krell. Seine Erkenntnis: "In ganz vielen Momenten brauche ich das eigentlich überhaupt nicht."

Bis zu 15 Stunden am Tag am Bildschirm

Doch im Vergleich zu den Jugendlichen hielt sich seine Bildschirmzeit mit etwa drei Stunden am Tag vor dem Experiment in Grenzen. Die Jungen und Mädchen dagegen berichten in der Doku von bis zu 15 Stunden täglich. Für manche bedeutet der Ausschluss aus der digitalen Welt damit, bei einigen Sachen nicht mehr dabei sein zu können.

Die größte Sorge sei gewesen, "einen ganz entscheidenden Teil von normalem jungen Leben, jungen Alltag zu verpassen", sagt Krell. Welche Memes sind gerade angesagt? Worüber lachen die anderen? Was passiert in den Chats? Welche Trends sind gerade angesagt?

Auch er selbst habe einiges während der Abstinenz vermisst. "Am blödesten fand ich wirklich, mich nicht den ganzen Tag ganz selbstverständlich mit Freunden, mit meiner Familie austauschen zu können - per schneller Sprachnachricht zum Beispiel. Das hat mir sehr gefehlt." Auch ganz praktische Dinge wurden plötzlich kompliziert. Er habe Arzttermine verpasst, weil die Erinnerung vom digitalen Kalender fehlte.

Besserer Schlaf als Soforteffekt

Ein Team von Forschenden begleitete die Jugendlichen und untersucht unter anderem Schlaf, Bewegung, Konzentration und Stimmung. Die Forschenden wollten messen, was sich während der drei Wochen verändert. Die Bewegung wurde mit Trackern erfasst, die Jugendlichen beantworteten Fragebögen und auch MRT-Aufnahmen wurden gemacht. Untersucht wurden unter anderem Schlaf, Aktivität und Konzentration.

Doch auch ohne Messdaten gab es schnell die ersten positiven Effekte. "Alle haben ab dem ersten Tag besser geschlafen. Alle, wirklich alle haben berichtet, dass sie besser schlafen, dass sie ausgeruhter sind", berichtet Krell.

Das Handy ist weg - die Hand sucht es trotzdem danach

Doch auch "Entzugserscheinungen" habe es gegeben. "Wir hatten alle solche Phantomvibrationen in der Hosentasche. Vibrationen, die man nicht haben kann, weil man ja kein Handy mehr hat. Und ständig der Griff in die Hosentasche, wo nichts mehr ist und so - das hatten wir alle."

Auch das Gehirn wurde untersucht. Ein Professor für kognitive Neuropsychiatrie an der Universität Heidelberg schaute sich bei zwei Jugendlichen MRT-Aufnahmen vom Anfang und Ende des Experiments an. "Er macht normalerweise Suchtforschung und konnte während des Experiments Anzeichen für Suchtverhalten, rein physiologisch, messbar machen."

Doku passt auch in Debatte

Die Doku kommt damit mitten in eine aktuelle Debatte: Sollten Smartphones aus Schulen verschwinden? Brauchen Jugendliche strengere Regeln für Social Media? Oder lernen sie den Umgang damit besser, wenn sie begleitet werden?

Krell selbst hat darauf keine einfache Antwort. "Ich habe mich da selbst noch gar nicht so richtig entschieden", sagt er. Regulierung hält er grundsätzlich für sinnvoll. Gleichzeitig hätten die Jugendlichen im Experiment ein Verbot abgelehnt. Und: "Wenn man Social Media nutzen will, findet man trotzdem einen Weg."

Sein Ansatz ist deshalb vor allem Medienbildung. Jugendliche sollten lernen, mit Smartphones und digitalen Medien umzugehen, sagt er. Und das möglichst früh.

Dabei sieht Krell auch die Erwachsenen in der Verantwortung. Eltern, Lehrkräfte und Erzieher seien Vorbilder. Schulen sollten klare Regeln schaffen, handyfreie Zeiten seien ebenfalls sinnvoll.

Bildschirmzeit ging nach Experiment zurück

Was hat der Versuch bei Krell selbst verändert? "Ich habe mir selbst eine Maximaldauer für Social Media, für Instagram, in meinem Fall von 20 Minuten, gesetzt", sagt er. Insgesamt komme er inzwischen eher auf zwei Stunden Bildschirmzeit am Tag statt drei.

Gemacht wurde die Doku für eine erwachsene Zielgruppe, also Eltern, junge Erwachsene. "Und weil ich als langjähriger "Checker" sonst natürlich noch mal eine andere Zielgruppe anspreche, wird es sicher auch etwas für die Kinder und Jugendliche sein." Krell hofft aber, dass Eltern und Kinder sie gemeinsam anschauen.

"Checker"-Tipp für einen Tag offline

Wer nicht gleich drei Wochen offline gehen möchte, kann klein anfangen. Krell empfiehlt bei einem Tag ohne Smartphone: morgens ein analoger Wecker statt des Handys, Gespräche, Bewegung draußen.

Ein Kochbuch aus Papier statt einer Rezept-App, ein handgeschriebener Einkaufszettel statt der digitalen Liste. "Wenn man so einen Tag verbringt, merkt man, an wie vielen Ecken und Enden in seinem Alltag man das Smartphone benutzt. Der tut nicht weh und macht Spaß und hat im besten Fall Konsequenzen."

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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