TV: Bettina Böttinger wird 70 - aber feiert erst '27
Eigentlich feiert Bettina Böttinger gern, aber dieses Jahr gibt's einen Grund dafür, dass dem nicht so ist. Unterkriegen lässt sie sich deshalb nicht. Sie ist eine Kümmerin. Und eine Kämpfernatur.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Bettina Böttinger hat zwei süße Hunde. Es sind beides Rauhaardackel, und sie heißen Ilse und Finchen. Ilse ist sehr verspielt und zutraulich, Finchen ist schon 14 Jahre alt und grau und hat mit ihrem länglichen, nach hinten hin abfallenden Körper etwas von einem Seehund. "Nicht anfassen", warnt Böttingers Frau Martina. Finchen hat ausgeprägte Beschützerinstinkte. Nachdem sie einmal kurz geblafft hat, lässt sie sich in der geräumigen Wohnung in der Kölner Südstadt wieder auf den Teppich sinken.
Vor drei Jahren hat Böttinger die Moderation des "Kölner Treffs" aufgegeben, und danach sollte für sie eigentlich ein entspannteres Leben beginnen. Aber bisher ist Ilse der einzige Beleg dafür, dass sie mehr auf Freizeit und Entspannung umschaltet: "Ich hatte mir immer einen zweiten Hund gewünscht, und den habe ich mir dann nach dem Moderations-Ende auch zugelegt", berichtet sie. Sonst hat sich nicht viel verändert. Und das, obwohl Böttinger am Samstag (4.7.) 70 Jahre alt wird.
Sie liebt es auf der Bühne zu stehen
Der Grund dafür ist, dass die Journalistin nach wie vor auf alle möglichen Moderationsbitten eingeht. Sie kann einfach schlecht nein sagen. Allerdings, so räumt sie ein, braucht sie das auch irgendwo. "Ich bin einfach gern auf einer Bühne und liebe es, mit dem Publikum zu agieren."
Ihre wichtigste Sendung neben dem "Kölner Treff", den sie 17 Jahre lang moderierte, war im Rückblick das Format "B trifft…". "Wir waren damals mit die Ersten, die Leute eingeladen haben, die sonst durchs mediale Raster gefallen sind. Menschen, die HIV-positiv waren. Queere Menschen, wobei es den Begriff noch gar nicht gab. Darauf werde ich heute immer noch angesprochen, und das ist ein gutes Gefühl."
Aus dem Korsett, eine wöchentliche Fernsehsendung zu moderieren, wollte sie am Schluss ausbrechen. Seitdem soll ihr Hauptaugenmerk auf ihrem Podcast "Zwischen den Zeilen" liegen. Darin spricht sie mit Prominenten wie Hape Kerkeling, Annette Dittert und Markus Söder – mindestens eine Stunde lang. "Das eröffnet dann schon andere Möglichkeiten."
Mit ihren Sendungen habe sie vielleicht ein ganz klein wenig dazu beigetragen, dass die deutsche Gesellschaft offener und bunter geworden sei – so empfindet sie es nämlich, auch wenn die AfD gerade auf die 30-Prozent-Marke zusteuert. "Ich fand die deutsche Gesellschaft in den 70er Jahren noch viel rigider und verklemmter, auch wenn das die Zeit von Willy Brandt und "Mehr Demokratie wagen" war. Der Alltag sah aber noch ganz anders aus, ich habe das ja erlebt als junge lesbische Frau."
Jetzt gilt es, für die eigenen Werte einzustehen
Natürlich, im Moment sei die Lage sehr rückwärtsgewandt. "Die AfD hat ein Menschenbild unters Volk gebracht, das ich sehr gefährlich finde. Gewalt gerade gegen homosexuelle Paare nimmt zu, auch gegen Transmenschen. Das ist bedrohlich, aber ich habe in keiner Weise das Gefühl, dass ich all die Jahre gegen Windmühlen angekämpft habe. Im Gegenteil: Die Werte, für die wir uns so lange eingesetzt haben, die müssen wir jetzt eben verteidigen."
Da gib es also noch einiges zu tun für sie. Fast ein bisschen viel. Um ihre Kräfte richtig einzuteilen, lässt sie sich von einem weiblichen Zeit-Coach beraten. "Sie hat die Aufgabe, auf mich aufzupassen und zu gucken, was ich mit meinem Lebensmaßband noch mache. Das heißt, es geht darum, nicht die Dinge aus den Augen zu verlieren, die einem wichtig sind."
Der anstehende 70. Geburtstag setzt da ein zusätzliches Ausrufezeichen. "Runde Geburtstage sind immer ein Einschnitt, finde ich. Man fragt sich dann: Wo stehe ich im Leben? Das war schon beim 40. so, beim 50., beim 60. Und beim 70. denkt man zwangsläufig darüber nach, dass das Messband kürzer wird. Wenn man zum Taj Mahal will, muss man das jetzt machen." Ihr persönlicher Taj Mahal ist Ilse, der zweite Rauhaardackel, den sie sich in ihr Leben geholt hat.
Die große Geburtstagsparty ist auf nächstes Jahr verschoben
"Ich bin auch ein Mensch, der sehr gern feiert." Dieses Jahr fällt die Party aber aus, weil ihre Frau Martina mit einer Krebserkrankung kämpft. Außerdem ist kürzlich eine sehr enge Freundin von ihr gestorben. "Da habe ich mich gefragt: Habe ich jetzt wirklich Lust zu feiern?" So entstand die Idee, alles auf nächste Jahr, also 2027, zu verschieben. Deprimiert wirkt sie nicht. "Es ist, wie es ist", sagt sie schulterzuckend. "Ich bin nicht nur engagiert, wenn ich auf einer Bühne sitze. Ich bin auch im normalen Leben der Typ Kümmerin. Ich kann das annehmen. Meine Laune war schon mal schlechter."
So werden die beiden den 70. Geburtstag jetzt relativ klein mit drei, vier Freundinnen in ihrem Haus in der Eifel feiern. Einen Tag später, am 5. Juli, wird es dann schon wieder laut, weil Böttinger in der CSD-Parade durch Köln mitfährt. "Wahrscheinlich ein bisschen verkatert."
Das Haus in der Eifel betrachtet sie als ihren ersten Wohnsitz. "Da mache ich auch immer sehr viel Sport. Aber durch diese ganzen Veranstaltungen, die ich ehrenamtlich moderiere, war ich die letzten vier Wochen praktisch nicht da. Das ist so eines dieser Themen für den Zeit-Coach."
Zum Glück kann sie im Urlaub sofort total abschalten. Da hilft auch ein kleines Ferienhaus an der niederländischen Küste, in Kattendijke. "Zweieinhalb Stunden von Tür zu Tür, das ist ideal. Dieses Häuschen ist seit 1970 im Besitz unserer Familie, aber inzwischen sind alle verstorben außer mir. Dadurch ist das Haus ein kleines Mausoleum geworden. Und natürlich hat man da in dem Dorf auch Freunde."
Ein bewegendes Erlebnis in den Niederlanden
Vor einiger Zeit hatte sie ein besonderes Erlebnis: Anfang Mai gedenken die Niederländer landesweit der Toten des Zweiten Weltkriegs. Deutsche Besatzung, Ermordung der Juden, Verschleppung Hunderttausender als Zwangsarbeiter nach Deutschland. 2025 waren die Feiern noch etwas größer als sonst, weil es der 80. Jahrestag des Kriegsendes war.
"Und da stand dann plötzlich ein Gemeindevertreter bei mir vor der Tür und sagte: "Du bist doch Teilzeit-Einwohnerin von Kattendijke. Kannst du als Deutsche auch eine Rede halten?" Da habe ich erstmal geschluckt. Und dann gesagt: "Ja, mache ich." Es war sehr bewegend, sehr feierlich. Das niederländische Wort für Krieg kannte ich bis dahin gar nicht." "Oorlog" heißt es.
Jetzt muss Ilse noch draußen im Park ausgeführt werden, bevor es zu regnen anfängt. Finchen, die alte Dame, war schon eher. Sie hat es sich in Köln zur Gewohnheit gemacht, bereits um halb fünf Uhr morgens einen Rundgang einzufordern. "Ich glaube, das ist Bosheit", lacht Böttinger. "Heute Morgen war es allerdings schon sieben. Ich habe mich schlafend gestellt, und Martina ist dann mit ihr runtergegangen." Der Tag ist auch wieder relativ vollgepackt, unter anderem steht eine Aufnahme für den Podcast an. "Das wird spannend, ich freu’ mich drauf." Ja, gibt sie zu, "es wird sich wohl auch nach dem 70. nicht viel ändern bei mir". Wahrscheinlich sogar gar nichts.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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