Fernsehen: Queer-Reihe startet mit Bikerin-Drama
Die ARD zeigt diesen Sommer wieder Filme jenseits der Heteronorm: Beim BR geht es mit dem französischen Film "Rodeo" über eine junge Frau los, die auf Motorräder und die Frau eines Gang-Bosses steht.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Queeres Kino erzählt Geschichten und Lebensrealitäten queerer Menschen, wobei das Wording "queer" jünger ist als diese Art von Filmen. Noch vor 20 Jahren wurde etwa "Brokeback Mountain" eher Schwulendrama oder Schwulen-Western genannt.
Mit dem Begriff "Queer" sind jedenfalls auch die inzwischen etablierten Sommerreihen bei einigen ARD-Sendern versehen, bei denen Filme jenseits der sogenannten Heteronorm gesendet und dann online verfügbar werden. Da die Filme nach Ausstrahlung eine Zeit lang in der ARD-Mediathek abrufbar sind, erreichen diese Reihen regelmäßig ein Millionenpublikum.
Das öffentlich-rechtliche TV bringt damit das Publikum auf den aktuellen Stand in Sachen LGBTIQ-Filmkunst, denn die präsentierten Filme begeisterten schon auf Festivals und im Kino - sie sind sozusagen kuratierte Kunst.
"BR Queer" legt am 18. Juni los, "RBB Queer" am 14. Juli
Unter dem Titel "RBB Queer" begann 2018 das Dritte Programm vom Rundfunk Berlin-Brandenburg mit diesem Projekt - und geht 2026 damit folglich in die neunte Runde. Seit 2022 gibt es auch "BR Queer" beim Bayerischen Rundfunk.
Das sagt viel über den Kulturwandel in der Bundesrepublik aus. Vor 53 Jahren war es nämlich der BR, der sich bei der Ausstrahlung des Dokumentarfilms "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt" als einzige ARD-Anstalt für die Dauer des Films von Rosa von Praunheim aus dem ARD-Gemeinschaftsprogramm ausblendete - so, als müssten Bürger in Bayern vor diesem schwulen Inhalt geschützt werden.
"BR Queer" (donnerstags spätabends im BR Fernsehen) geht nun am 18. Juni los - und zwar mit dem französischen Bikerin-Drama "Rodeo". Darin verliebt sich die hitzköpfige Motorradliebhaberin Julia ausgerechnet in die Frau eines Gang-Anführers.
Sieben Filme laufen unter dem Label "BR Queer", darunter als deutsche Erstausstrahlung das italienische Schwulendrama "Fireworks" von 2023, das auf einer wahren Kriminalgeschichte Anfang der 1980er Jahre basiert.
Staat piesackt Frauenpaar
"RBB Queer" (dienstagabends im RBB Fernsehen; ebenfalls sieben Filme, aber andere) startet am 14. Juli. Los geht es hier mit dem ebenfalls aus Frankreich kommenden Bürokratie-Drama "15 Liebesbeweise". Darin muss ein lesbisches Paar dem Staat trotz Ehe für alle mit 15 Briefen beweisen, dass die Nicht-Schwangere der beiden der Mutterrolle gewachsen ist.
Auch der MDR ("Little Trouble Girls") und der WDR ("Bis ans Ende der Nacht") zeigen im Juli gezielt queere Filme.
Lange Zeit waren Filme über Lesben, Schwule, queere Personen - der gesellschaftlichen Unterdrückung in weiten Teilen der Welt entsprechend - in erster Linie heftige Leidensgeschichten, gar um Leben und Tod. Erst in jüngerer Zeit wurde der queere Bewegtbildmarkt (Filme fürs Kino und Fernsehen, Serien, Dokus) vielfältiger.
Zuletzt schienen Serien besonders dann viel Aufmerksamkeit zu bekommen, wenn die Storys fast übernatürlich waren oder eine extrem schwärmerische Fantasie bedienten - wie etwa die Eishockeyspieler-Romanze "Heated Rivalry". Allen voran der einflussreiche Serienschöpfer Ryan Murphy schuf Produktionen mit viel Glamour, aber auch Abgründen, darunter "Glee", "Hollywood", "Halston", "The Politician" oder "Ratched".
Kinofilme zeigen meist realistischere Stoffe als Serien
Im Kino dominieren dagegen meist realistischere Stoffe oder historisch verortete Melodramen. Man denke an "Call Me by Your Name" von Luca Guadagnino (nach einem Drehbuch von James Ivory) oder "Sommer 85" von François Ozon (basiert auf dem Roman "Tanz auf meinem Grab" von Aidan Chambers).
Meist stehen im Mittelpunkt queerer Filme Figuren, die sich normativen Erwartungen ihrer Umgebung entziehen – und damit Außenseiterin oder Außenseiter werden. Damit befasst sich derzeit auch die sehenswerte Ausstellung "Inventing Queer Cinema" in Berlin (bis 13. September).
Auch formal hinterfrage queeres Kino etablierte Konventionen und entwickele eigene, widerständige Formsprachen, wird in der Ausstellung der Deutschen Kinemathek formuliert. Queeres Kino begleite und präge gesellschaftliche Entwicklungen und beeinflusse auch den sogenannten Mainstream.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de
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