TV-News: Überforderte Generation: Arte zeigt Morettis "Nichtstuer"

Junge Leute zwischen Bar und Bewusstseinsgespräch: Nanni Morettis Figuren in "Die Nichtstuer" von 1978 suchen das Leben - und finden nur endlose Diskussionen. Der Film steht nun in der Arte-Mediathek.

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Sie zweifeln, grübeln und zerdenken selbst die einfachsten Fragen. "Ich gehe hin. Nein, ich habe keine Lust. Ich gehe nicht. Nein." Mit diesem berühmten Monolog aus "Die Nichtstuer" bringt Filmemacher Nanni Moretti die Unsicherheit seiner Figuren auf den Punkt.

Am Telefon wägt die Hauptfigur eine Party-Einladung ab und kommt nicht weiter. Der Film steht exemplarisch für junge Italiener der 70er Jahre, die zwischen politischen Idealen und Selbstzweifeln feststecken und denen im Leben ein wirkliches Ziel fehlt.

Was klingt wie eine Beschreibung der Gedankenwelt der heutigen Gen-Z, stammt von 1978.

Mit "Ecce Bombo", so der italienische Originaltitel, schuf Moretti damals das Porträt einer zögernden, überforderten Generation, die nach den gesellschaftlichen Aufbrüchen der späten 60er Jahre ihren Platz sucht.

In der Arte-Mediathek ist der Film fast 50 Jahre nach dem Erscheinen nun für drei Monate zu sehen.

Der junge Moretti spielt selbst die Hauptfigur

Moretti - mit mittellangem Haar und Schnauzer - spielt selbst die Hauptfigur Michele Apicella, einen jungen Mann in Rom, der mit seinen Freunden die Abende ziellos in einer Bar verbringt.

Sie diskutieren über Politik, Beziehungen und die großen Fragen des Lebens, später auch in sogenannten Bewusstseinsgesprächen. Viel geschieht darüber hinaus aber nicht, denn ihre Diskussionen verlaufen sich in endlosen, ergebnislosen Auseinandersetzungen.

"Wir sind ein bisschen gelangweilt, enttäuscht, ein bisschen müde. Wir haben unsere politische Aktivität eingestellt. Wir sind glücklich, weil wir diese Last nun los sind. Wir versuchen, Spaß zu haben. Ich bin ziemlich frustriert, auch weil es mir keinen Spaß macht. Wir müssen hier etwas unternehmen", sagt in dem Film einer von Micheles Freunden, Mirko, und bringt ihr Gefühl auf den Punkt.

Knappe, lose verbundene Szenen prägen den Film

Die Erzählweise ist fragmentarisch und lose gefügt. Der Film besteht aus zahlreichen kurzen Szenen, die eher Zustände als klassische Handlungsschritte zeigen. Moretti ging es offenbar darum, Stimmungen statt echte Ereignisse zu transportieren. Gerade daraus bezieht der Film seinen eigentümlichen Reiz.

Oftmals laden diese Momentaufnahmen zum Schmunzeln ein. Der Film wird deswegen oft auch als Komödie bezeichnet. Als klassische Komödie wollte Moretti den Film aber nie verstanden wissen. Er soll damals überrascht gewesen sein, als er das Publikum bei Vorführungen lachen hörte.

Später feste Größe bei Filmfestspielen

Der Film war Morettis zweiter Spielfilm und zugleich sein erster großer Erfolg, mit dem dem damals Mitte-Zwanzigjährigen der Durchbruch gelang. Mit dem Film war er auf dem Filmfestival von Cannes zu Gast. Gedreht wurde der Streifen nach Angaben von Arte mit einer kleinen Crew auf 16-mm-Material.

Was danach folgte, brachte ihm den Titel "Italiens Woody Allen". Als Erneuerer des italienischen Kinos und einer von Europas bekanntesten Filmemachern wird er gepriesen.

Bei Filmfestspielen war er über Jahrzehnte eine feste Größe und mit so gut wie jedem wichtigen europäischen Kinopreis wurde er ausgezeichnet.

Zu seinen bekanntesten Filmen gehören "Goldene Träume" (1981), "Die Messe ist aus" (1986), "Liebes Tagebuch" (1994), "Das Zimmer meines Sohnes" (2001) und "Habemus Papam - Ein Papst büxt aus" (2011).

Film wirkt teils erstaunlich aktuell

In "Die Nichtstuer" zeigt sich bereits früh der Ton, der Morettis weiteres Werk prägen sollte. Der Blick auf sich selbst und sein Umfeld, die Verbindung von persönlicher Erfahrung und politischer Beobachtung sowie ein leiser, oft selbstironischer Humor ziehen sich später durch viele seiner Filme.

In seiner Beobachtung des Lebensgefühls junger Leute, das von Selbstbefragung, Unsicherheit und dem Zögern vor Entscheidungen geprägt ist, wirkt der Film bis heute erstaunlich aktuell.

So einige junge Leute können sich wohl in Michele und seinen Freunden, ihren Problemen und Gedanken wiedererkennen. Zugleich spiegelt der Film aber die spezifischen Erfahrungen junger Italiener der 1970er Jahre wider und damit die Zeit, in der er entstanden ist.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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