TV: "Star City" zeigt sowjetische Raumfahrt als Thriller

Die Raumfahrt-Thrillerserie "Star City" erzählt schaurig-unterhaltsam aus sowjetischer Sicht von den Erfolgen beim Wettlauf im All. Das ist nicht nur was für Fans der Staffeln von "For All Mankind".

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Das Herz der russischen Raumfahrt schlägt im Sternenstädtchen bei Moskau. Die geschlossene Siedlung – auf Russisch: Swjosdny Gorodok – liegt rund 40 Kilometer von der Hauptstadt entfernt. Bis heute ein von Geheimnissen umwitterter Ort.

In der am Freitag (29. Mai) bei Apple TV anlaufenden achtteiligen US-Serie "Star City" (auf Deutsch: Sternenstadt) ist der Ort Schauplatz für ein schaurig-unterhaltsames Drama mit reichlich Intrigen, zwischenmenschlichen Tragödien, eiskalten Spionen und sowjetischer KGB-Geheimdienst-Brutalität.

Die Macher der seit Jahren erfolgreichen Serie "For All Mankind" haben sich inspirieren lassen von den realen Errungenschaften der sowjetischen Raumfahrt. Der erste Mensch im All war ein Russe. Ansonsten stellen die Autoren Ben Nedivi und Matt Wolpert in ihrem Serienkosmos aber die Raumfahrtgeschichte auf den Kopf mit teils fantastisch grotesken Zügen.

Die erfundene Landung eines Kosmonauten auf dem Mond erzählen sie – bei einigen Parallelen zur Ursprungsserie - nicht aus US-, sondern aus sowjetischer Sicht. Mit viel Liebe zum Detail. Gedreht wurden die Szenen für die jeweils etwa einstündigen Folgen in Litauen, das einmal Teil der Sowjetunion war.

Tatsächlich reißt das Setting im sozialistischen Plattenbauambiente den Zuschauer stimmungsvoll hinein in die Zeit der 1960er und 1970er Jahre der Sowjetunion. Damals brachte das echte Moskau zwar keinen Menschen zum Mond, verbuchte aber zum Ärger Washingtons im Kampf der Systeme im Kalten Krieg doch einen Rekord nach dem anderen. "Star City" zeigt auch die Schattenseiten der vielen Siege, die um den Preis absoluter und bisweilen tödlicher Unterdrückung aller Freiheiten zustande kamen.

Hommage auch an den sowjetischen Raumfahrtpionier Koroljow

Die bis Juli laufende Science-Fiction-Serie ist nicht zuletzt eine Hommage an den im Film namenlosen Chefkonstrukteur Sergej Koroljow, herzerwärmend gespielt von Rhys Ifans ("House of the Dragon"). Koroljow war der Gründer des sowjetischen Raketen- und Raumfahrtprogramms, er konstruierte Raumkapseln – und bereitete Juri Gagarin für den ersten Flug eines Menschen ins Weltall vor.

Ifans verleiht dem Mann, der wie ein Staatsgeheimnis gehütet und von der Weltöffentlichkeit abgeschottet wurde, das Gesicht eines Forschers, der in einem von Bespitzelung, Zwang und Erfolgsdruck geprägten grauen sowjetischen Alltag nie seine Würde verliert. Er ist getrieben von Erfindergeist und dem Drang, in neue Sphären vorzudringen – bis zur Venus und zum Mars. Und er ist auch zuständig für Heldenbildung in der Sowjetunion.

Gerade wird da der erste Mensch auf dem Mond in Moskau als Held gefeiert, da schießt der Chefkonstrukteur gleich noch die erste Kosmonautin als nächste Weltsensation auf den Erdtrabanten. Anastassija Belikowa (Alice Englert) heißt die Serienfigur, die als Folge einiger schlimmer Ereignisse auserkoren wird. Sie erinnert verdächtig an die ebenfalls aus einer Bauernfamilie stammende Valentina Tereschkowa, an die erste Frau im Weltall, ebenfalls von Koroljow in den Kosmos geschickt.

Sie alle, die Stars der sowjetischen Raumfahrt, die Wissenschaftler und die Konstrukteure sowie ihre Familien teilen ein Schicksal: Sie leben unter ständiger Beobachtung der Staatssicherheit. Der Schrecken in "Star City" hat einen Namen: Ljudmilla Raskowa. Die eiskalte KGB-Offizierin lässt Wohnungen abhören und jeden bespitzeln. Und Raskowa (Anna Maxwell Martin) geht bei ihrer Suche nach einem Maulwurf, der Geheimnisse an die US-Konkurrenz verrät, über Leichen.

Serie ruft düstere Erinnerungen an Überwachungsstaat wach

Kaum vorstellbar, dass die an lupenreine Heldenerzählungen gewöhnten Russen ihre Raumfahrtgeschichte als spannenden Krimi selbst so erzählen würden. Unter Kremlchef Wladimir Putin, auch ein früherer KGB-Offizier, sind heute düstere Darstellungen des autoritären Überwachungsstaates von damals tabu. "Star City" ruft solche Erinnerungen schonungslos wach, während russische Filme die sowjetische Vergangenheit oft verklären.

Zur Realität gehört auch, dass Moskau heute beim Wettlauf zum Mond im Hintertreffen ist; finanzielle Probleme und westliche Sanktionen machen der Raumfahrt mehr zu schaffen als Spitzel, die technischen Fortschritt ausspähen wollen. Trotzdem ist die Angst vor Spionage bis heute greifbar - auch im Sternenstädtchen.

Zu Sowjetzeiten war die Siedlung für Kosmonauten, Raumfahrtingenieure und ihre Familien gesichert wie ein Hochsicherheitsgefängnis, wie auch die Serie zeigt. Heute gibt es zwar geführte Gruppentouren. Aber die Sicherheitsprüfungen sind streng; für Russen dauern sie 21, für Ausländer sogar 45 Tage. Doch wenn "Star City" erst einmal eine Fangemeinde hat, könnte das viele auch nicht an Raumfahrt Interessierte neugierig auf einen Besuch machen.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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