TV-News: Doku über Udo Lindenberg – Musik, Sucht, Socken und Liebe

Schon als Teenager lag Udo Lindenberg der Rhythmus im Blut. Schnell hatte er sich einen Ruf als Schlagzeuger ertrommelt. Als Musiker aber beeinflusste er viel mehr. Eine Doku geht dem auf den Grund.

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Kann man das Leben von Udo Lindenberg wirklich in eine 90-minütige Dokumentation quetschen? Der Norddeutsche Rundfunk (NDR) hat das versucht – und es ist durchaus gelungen. Die Produktion "Udo – Rebell. Rockstar. Ikone." wird am 18. Mai im Ersten ausgestrahlt und ist von Sonntag (10. Mai) an in der ARD-Mediathek abrufbar.

Zunächst mag man sich fragen, ob es eine solche Dokumentation nun wirklich noch braucht. Immerhin ist erst vor wenigen Jahren mit "Lindenberg! Mach dein Ding" ein Kinofilm über Lindenbergs wildes Leben herausgekommen. Doch natürlich kann eine Doku die Geschichte noch einmal ganz anders erzählen und auch viele Wegbegleiter zu Wort kommen lassen.

Und kurz vor dem 80. Geburtstag des Panikrockers am 17. Mai lohnt ohnehin eine Doku, die sein Leben einmal rundum beleuchtet. Eine 360-Grad-Projektion sozusagen. Eine, in der auch Udo selbst viel erzählt und sein Leben Revue passieren lässt. "Ich bereue keine Sekunde", sagt der fast 80-Jährige im Hotel Atlantic stehend, wo er seit Jahrzehnten residiert.

Ein Leben aus dem Bauch heraus

Schwarz-Weiß-Fotos, Videomaterial aus den 70er- und 80er-Jahren, Mäuschen spielen an der Bar im Atlantic, Interviews mit Tokio Hotel, Maria Furtwängler, Apache 207, Jan Delay, Jan Josef Liefers und Anna Loos und natürlich auch vielen Weggefährten sowie Ausschnitte von Konzerten und aus dem Film "Mach dein Ding!": Das alles erschafft ein Bild von einem beeindruckenden Menschen, der sich immer von seinem Gefühl und seiner klaren Haltung leiten ließ.

Er sei einfach eine coole Person, sagt Musiker Apache 207 in der Doku über den 79-Jährigen, mit dem er vor drei Jahren den größten deutschen Hit aller Zeiten, "Komet", hinlegte. "Was mich überrascht hat, ist dieses Offen sein für Neues. Der hat einfach Bock, hat Bock Geiles zu kreieren so."

Trommeln, Englisch und erster deutschsingender Rockstar

Und genau das hat Udo Lindenberg einfach sein ganzes Leben lang getan. Wie er selbst immer gern betont, war dabei der Schlagersänger Benny Quick ("Motorbiene") ein durchaus wichtiger Wegbereiter. Denn der habe ihm erzählt, dass Popstar sein ein sehr lohnenswertes Lebensziel mit viel Geld sei. "Das mach' ich auch", habe er sich deshalb gedacht.

Der Rest ist Geschichte: Erste Engagements als Schlagzeuger, Umzug nach Hamburg, Teil der Band von Jazz-Legende Klaus Doldinger, das erste Album – damals noch auf Englisch – und dann der Wechsel zur deutschen Rockmusik – als erster deutscher Künstler. Er wird damit zum Wegbereiter; deutsche Rockmusik ist auf einmal cool.

Interviews machen das Bild von Lindenberg weitgehend komplett

Unterhaltsam und informativ sind die vielen Interviews mit Menschen, die mit ihm gearbeitet, gelebt, gelacht, musiziert und gekämpft haben. Selbst Interviews mit alten Klassenlehrern hat der NDR für die Doku aus dem Archiv gekramt, darunter auch die berühmte Musiklehrerin, die dem eigentlich sehr desinteressierten Schüler dann doch ein bisschen Lust am Unterricht entlocken konnte.

Seinen durchschlagenden Erfolg im Osten Deutschlands – vor allem aufgrund von "Mädchen aus Ostberlin" und "Sonderzug nach Pankow" – dürfen das Künstlerpaar Jan Josef Liefers und Anna Loos Revue passieren lassen. Die Bandkarriere bespricht Panikorchester-Mitglied Steffi Stephan. Über Lindenbergs anhaltende Faszination für jüngere Künstler sprechen Tom und Bill Kaulitz von Tokio Hotel. Der Sänger selbst erzählt begeistert vom "totalen Flash" seines Comebacks mit seinem ersten Nummer-1-Album im Alter von 62 Jahren.

Grüne Socken, Panikfamilie, Alkoholsucht

Es geht in der Doku aber nicht nur um seine musikalische Karriere, auch viele persönliche Details werden verraten. Seine Stylistin darf über seine Vorliebe zu grünen Socken und anderen modischen Details reden, Freunde beschreiben seine Panikfamilie, seine Liebe zur Sprache und zu den Menschen an sich. Auch die Alkoholsucht wird erstaunlich intensiv in der Doku aufgenommen. Das Malen, das mittlerweile ein großer Teil von Udo Lindenbergs Alltag ist, kommt allerdings eher vergleichsweise kurz.

In den 90 Minuten der Doku werden sehr viele Lindenberg-Lieder angespielt, die einigen nicht vertraut sein dürften. Am Ende der Doku hat man tatsächlich das Gefühl, Udo Lindenberg ein bisschen besser zu kennen. Diesen sympathischen, gelassenen und beeindruckenden Menschen. Eben ein "true gentlemen" wie Inga Humpe sagt. Einer, der – wie Jan Josef Liefers sagt – über all die Jahrzehnte seines Lebens nie an Relevanz verloren hat.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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