TV-News: Hirschhausen zeigt in Doku die perfide Deepfake-Industrie
Eckart von Hirschhausen kämpft gegen seine digitalen Kopien: In einer neuen ARD-Doku beleuchtet der Arzt eine weitere Facette in der Deepfake-Debatte – und fordert strengere Regeln für Tech-Konzerne.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Was bleibt uns, wenn man uns unser Gesicht und unsere Stimme nimmt? Lange war das ein eher philosophisches Gedankenspiel. Im Zeitalter der Künstlichen Intelligenz ist es längst Teil krimineller Praxis. Jemand, der davon viel erzählen kann, ist Eckart von Hirschhausen. Der Mediziner und Fernsehjournalist blickt heute in eine Art digitalen Spiegel, in dem er mehr als 2.000 Mal existiert – als Fälschung.
Mit ihm wird alles Mögliche beworben – vom angeblichen Abnehmpulver bis hin zu vermeintlichen Potenzmitteln. Das Problem ist nur: Der Moderator macht gar keine Werbung dafür. Bei den Werbevideos, die im Netz kursieren, handelt es sich um sogenannte Deepfakes – täuschend echte, KI-generierte Clips, in denen digitale Marionetten mit seiner Stimme Dinge sagen, die er nie unterschrieben hätte.
Über Deepfakes wird schon seit einigen Wochen in Deutschland debattiert – vor allem wegen sexualisierter Deepfakes, von denen besonders Frauen betroffen sind. Eine neue ARD-Doku von und mit Eckart von Hirschhausen zeigt eine weitere perfide Facette des Problems: den systematischen Identitätsklau als Geschäftsmodell. "Hirschhausen und die Deepfake-Mafia" ist vom 1. Mai an in der ARD-Mediathek abrufbar und wird am 4. Mai im Ersten (20.15 Uhr) ausgestrahlt. Der Film zeigt eine Masche, bei der Prominenz als Köder für Verzweifelte dient.
Zwischen Hoffnung und Betrug
"Mich gibt es genau einmal. Im Netz als Fake aktuell über 2.000 Mal. Das ist tausendfacher Rufmord, Identitätsdiebstahl und psychisch sehr belastend bis traumatisierend", sagt von Hirschhausen in einem Gespräch mit der dpa. Und er sei dabei kein Einzelfall – es betreffe viele Kolleginnen und Kollegen. Menschen würden zu Werbefiguren gemacht, ohne dass sie es wüssten oder zustimmten.
Das Besondere an der Doku ist allerdings, dass sie alle Betroffenen zu Wort kommen lässt – nicht nur diejenigen, die für Fakes herhalten müssen, darunter etwa auch Moderator Ingo Zamperoni. Sondern auch diejenigen, die auf die Fakes hereingefallen sind. Erschütternd ist etwa die Geschichte einer 80-Jährigen, die ihren Mann pflegt – und falsche Hoffnung schöpft, als sie auf eine gefälschte Hirschhausen-Anzeige mit Heilungsversprechen stößt.
Besonders beklemmend wirkt die digitale Invasion in einer Szene der Dokumentation, die eine Straßenumfrage zeigt: Ein Passant erkennt von Hirschhausen zwar sofort – offenbar aber nicht wegen dessen jahrelanger Arbeit als Moderator, sondern aufgrund einer gefälschten Werbebotschaft, die der Mann zuvor im Netz gesehen hat. Er probiere das Mittel zum Abnehmen gerade aus, erzählt er fröhlich. Es ist eine absurde Umkehrung der Realität: Die Fälschung ist prominenter als der echte Mensch.
Auf den Spuren der Betrugsindustrie
Desinformation sei für ihn "ein medizinischer Notfall", sagt von Hirschhausen. Opfern der gefälschten Medikamentenwerbung werde etwa empfohlen, ihre anderen Medikamente abzusetzen. "Das ist hochgradig gesundheitsgefährdend und kriminell, wie da oft chronisch kranken Menschen erst Angst gemacht wird, um sie dann abzuzocken", sagt er.
Der Arzt versucht in der Doku, die Spur der Deepfake-Betrüger nachzuzeichnen. In Brasilien trifft er einen Whistleblower, der mit Hut und Sonnenbrille auftritt. Er sagt, er habe in einem Callcenter gearbeitet, das deutsche Kunden die angeblichen Wundermittel andrehte.
Zudem wird die Rolle der großen Digitalkonzerne bei der Verbreitung der Fakes beleuchtet. "Wir brauchen verbindliche Regeln für Plattformen – und zwar mit echter Haftung, Durchsetzung und Strafen bei Verzögerung sowie einer einfachen Möglichkeit für jeden, die Verstöße anzuzeigen", fordert von Hirschhausen.
"Im analogen Leben würden wir viele Dinge niemals akzeptieren, die im Internet längst normal sind", betont er. "Wir würden keinen Supermarkt betreten, in dem jedes zehnte Produkt gefälscht ist. Und wir würden keine Zeitung kaufen, in der bewusst falsche Artikel und gefälschte Anzeigen stehen." Ständig werde so getan, als müsse man die digitale Welt nicht ernst nehmen – es sei "nur" das Internet. Man hört ein wenig Verzweiflung heraus, wenn er redet.
Wenn das Netz zur letzten Hoffnung wird
Tatsächlich sei das Internet ein Zufluchtsort für viele Menschen, die gesundheitlichen Probleme haben. "Gerade im Gesundheitsbereich sind Menschen besonders verletzlich. Wer krank ist oder Angst hat, sucht nach Hilfe und Antworten", sagt von Hirschhausen. "Weil das Gesundheitssystem diese Bedürfnisse nicht ausreichend auffängt, gehen viele ins Internet."
Ganz zum Schluss trifft der Moderator für den Film auch Collien Fernandes, die momentan wohl bekannteste Kämpferin gegen Identitätsdiebstahl. Sie sagt, was ihr in schweren Zeiten geholfen habe – es sind nur wenige Worte. "Echte Menschen", sagt Fernandes. "Im echten Leben."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de
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