TV: So gelungen sind die Abenteuer des jungen Sherlock Holmes
Bevor er ein Meisterdetektiv wurde, musste sich der junge Sherlock Holmes in Oxford behaupten und sein Handwerk lernen. Ohne Watson, aber mit Moriarty. Regie bei "Young Sherlock" führte Guy Ritchie.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
Suche
Man kannte weder Kino noch Fernsehen, als Arthur Conan Doyle 1887 seinen Roman "Eine Studie in Scharlachrot" veröffentlichte, in dem Sherlock Holmes das erste Mal auftrat. Fast 140 Jahre später gibt es mehr als 250 Kino- und Fernsehadaptionen über den berühmten Meisterdetektiv. Nun gibt es beim Streamer Prime Video die nächste (Start 4.3.). "Young Sherlock" zeigt die Lehrjahre der britischen Ikone.
Wie wurde Sherlock ein Meisterdetektiv?
"Was mich gereizt hat, war die Frage, warum er zu diesem Mann wird", sagt Serienschöpfer und Showrunner Matthew Parkhill ("Deep State") im Interview der Deutschen Presse-Agentur in London. "Es gibt viele Adaptionen des Materials. Und das fand ich einfach einschüchternd, weil so viele großartige Autoren daran beteiligt waren. Mich hat mehr interessiert, was davor passiert ist. Dadurch hatte ich mehr Spielraum."
"Young Sherlock" beginnt, lange bevor der Titelheld als Detektiv etabliert ist - und ohne seinen Assistenten Watson. Hero Fiennes Tiffin ist als jugendlicher Sherlock nicht der kühle Analytiker aus der Baker Street, sondern ein impulsiver Außenseiter mit scharfem Verstand. Als Student in Oxford, wo er auf James Moriarty (Dónal Finn) trifft, gerät er ständig in Schwierigkeiten.
"Ich habe die Bücher als Kind gelesen und noch einmal, als ich dieses Projekt begonnen habe", erzählt Parkhill. "Ich wollte ihnen sehr respektvoll und bewusst begegnen. Aber ich wollte uns auch Raum geben, zu spielen und etwas zu erschaffen, was ein wenig anders ist."
Ermittlungen in eigener Sache
Hero Fiennes Tiffin, den einige Zuschauer vielleicht als elfjährigen Tom Riddle aus "Harry Potter und der Halbblutprinz" in Erinnerung haben, spielt den Titelhelden. Als der junge Sherlock in eine Mordermittlung hineingezogen wird, gerät er selbst ins Visier der Justiz. Ein persönliches Problem mündet in eine weitreichende Verschwörung, die ihn quer durch Europa führt und ihn dazu zwingt, seine Fähigkeiten zu verbessern.
"Sherlocks Qualitäten sind deutlich erkennbar, aber sie sind noch lange nicht ausgereift", erklärt Fiennes Tiffin (28) im dpa-Gespräch. "Einer der besten Wege, damit Sherlock einer Sache wirklich auf den Grund geht, ist, wenn sie ihn direkt betrifft. Denn mit 19 Jahren ist er noch kein Detektiv. Und speziell in Staffel eins erkunden wir wirklich, wie viel schwieriger es für Sherlock ist, diese Dinge zu untersuchen, wenn sie direkt mit ihm zu tun haben und ihm wichtig sind."
Ein zentrales Element der Story ist – neben der Suche nach der Wahrheit –Sherlocks frühe Begegnung mit seinem späteren Erzfeind Professor Moriarty. Lange, bevor aus der Rivalität eine erbitterte Feindschaft wird, verbindet die beiden zunächst eine freundschaftliche Dynamik. Die hochbegabten jungen Männer sind sich ähnlich und fordern einander spielerisch heraus.
Rocksongs und Filmmusik erzeugen Pub-Atmosphäre
Parkhill entwickelte die Serie gemeinsam mit Autor Peter Harness ("Kommissar Wallander") und dem Sherlock-erfahrenen Guy Ritchie. Der Regisseur der Holmes-Kinofilme mit Robert Downey Jr. führte bei den ersten zwei Folgen Regie und drückte der Serie seinen Stempel auf. "Mein erstes Treffen mit Guy sollte 30 Minuten dauern", berichtet Parkhill. "Am Ende haben wir drei Stunden gesprochen."
Neben der viktorianisch anmutenden Retro-Optik, dem trockenen britischen Humor mit Understatement und coolem Sarkasmus ist die teils kontrastierende, weil anachronistische Musik ein wichtiger Faktor. Sie gibt "Young Sherlock" einen besonderen Charme, eine Art Pub-Atmosphäre, wenn Schlüsselszenen mit Rock-'n'-Roll-, Punk- und rasanten irischen Folk-Songs unterlegt sind.
Die instrumentale Musik von Christopher Benstead, einem langjährigen Ritchie-Vertrauten, wurde auf traditionellen Instrumenten gespielt. "Fast ausschließlich akustisch, aber er hat versucht, es beinahe modern klingen zu lassen", erklärt Parkhill. "In einem Pub könnten vier Musiker in der Ecke auf vier Instrumenten den gesamten Soundtrack spielen."
Oscar-Gewinner Colin Firth in einer Nebenrolle
Fiennes Tiffins Onkel Joseph Fiennes ("Shakespeare In Love") spielt Sherlocks Vater Silas, Max Irons den älteren Bruder Mycroft und Natascha McElhone seine Mutter Lady Holmes. In weiteren Rollen sind Oscar-Gewinner Colin Firth ("The King's Speech") und Zine Tseng ("3 Body Problem") zu sehen.
Er sei schon immer großer Fan von Sherlock Holmes gewesen, sagt Fiennes Tiffin. Die Serie mit Benedict Cumberbatch und Guy Ritchies Filme habe er mehrmals gesehen. "Als ich die Rolle bekam, dachte ich mir, ich muss etwas Eigenständiges hineinbringen. Also muss ich aufhören, das zu schauen, und mich davon fernhalten. Aber im Drehbuch steckt so viel Originalität."
Gute Detektivgeschichten sind zeitlos. Deshalb hat Sherlock Holmes nach über 100 Jahren nichts von seiner Faszination eingebüßt. "Young Sherlock" setzt diese Tradition fort – auf eine frische Art und dennoch im Geist der Vorlage.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
Weitere aktuelle News im Ressort "TV":
- TV-Programm heute Abend: Das sind die Primetime-Highlights im Fernsehen
- Eurovision Song Contest News 2026: Neuigkeiten zum europäischen Musikwettbewerb im ESC-Newsticker
- Schlager News 2026: Alle Stories rund um Schlager-Stars und Shows im Ticker
- Let's Dance News 2026: Die Nachrichten zur RTL-Tanzshow im Ticker
- Die Höhle der Löwen News 2026: Der Nachrichten-Ticker zur DHDL-Gründershow auf Vox
kns/roj/news.de
Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.