Romy Hiller: Outfit-Eklat in der "Tagesschau" schürt falsche Frauenbilder

Ein vermeintlicher Eklat in der "Tagesschau" füllt Nachrichtenseiten. Grund dafür ist Romy Hillers Outfit. Der Look der Nachrichtensprecherin wird zu einem Fauxpas stilisiert. Warum das falsche Signale sendet. Ein Kommentar.

Von news.de Redakteurin - Uhr

Das Outfit von "Tagesschau"-Sprecherin Romy Hiller wird zur Schlagzeile. (Foto) Suche
Das Outfit von "Tagesschau"-Sprecherin Romy Hiller wird zur Schlagzeile. Bild: picture alliance/dpa/NDR | -
  • Vermeintlicher Transparenz-Patzer in der "Tagesschau"
  • Medien stürzen sich auf Outfit von Journalistin Romy Hiller.
  • Wieso Frauenkörper keinen Nachrichtenwert haben und falsche Bilder festigen.

Pünktlich um 20 Uhr begrüßte Romy Hiller die Zuschauer zur "Tagesschau". Gewohnt professionell, sprach sie über alle Nachrichten, die am 10. Februar die Öffentlichkeit bewegten. Doch diese Ausgabe geriet in die Schlagzeilen, aber nicht etwa wegen der Inhalte oder der journalistischen Arbeit. Die Berichte drehten sich um ein bestimmtes Detail - das Oberteil der Nachrichtensprecherin.

Outfit von "Tagesschau"-Sprecherin wird zur Schlagzeile

Medien leben von Aufregern. Wenn es keine gibt, werden gerne wie in einem Wimmelbild kleine Verfehlungen oder vermeintliche Outfitpannen gesucht. Bei Romy Hiller ging es um ihr rotes Oberteil, das sie unter einem roten Blazer mit farblich passender Hose trug. Eigentlich vielleicht ein Thema für Modemagazine, aber hier richtete sich der Blick auf ihren Oberkörper. Die Beiträge fokussieren sich darauf, dass der Stoff durch die Scheinwerfer durchsichtig wurde. Die Blätter widmen diesem für sie interessanten Fakt besonders viel Aufmerksamkeit und mutmaßen, dass ihr Oberkörper zu sehen ist. So schreibt unter anderem die "Bild": "Doch das zeigte mehr, als sicherlich geplant war." Sogar von einem "Primetime-Eklat" ist die Rede.

Looks als Skandal: Warum Frauenkörper keine Objekte sind

Das Ganze hat einen faden Beigeschmack. Es wirkt, als ob bewusst ein Fauxpas herbeigeführt wird. Für mich hat diese Meldung keinen Nachrichtenwert. Vielmehr zeigt sie deutlich, dass weibliche Körper immer noch für Reichweite und Klicks herangezogen werden. Diese Art der Objektifizierung sollte 2026 nicht mehr zum Thema für die Startseiten werden. Berichte über das Aussehen einer Frau bieten keine Informationen. Dafür festigen sie Frauenbilder, die schon immer verwerflich waren. Bei der Berichterstattung sollte es um kritische Einordnungen gehen und nicht um den Look der Nachrichtensprecherin. Hier wird Kleidung zur Sensation. Das haben Medienhäuser nicht nötig. Frauen sind keine Spielbälle im Kampf um den nächsten Klick. Effekthascherei mit hausgemachten Eklats sollte längst von den Nachrichtenseiten verschwinden. Das haben Medienhäuser nicht nötig.

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