TV: Vergessene Kriegsarbeiter und Machtkampf: China pur auf Arte
China gehört zu den großen Weltmächten. Doch der Weg dorthin war lang und von vielen Rückschlägen geprägt. Vier Dokus zeigen Chinas Entwicklung - und wenig beachtete Kapitel seiner Geschichte.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Rauch von verbranntem Papiergeld weht über einen Friedhof. Zhang Yan blickt ehrfürchtig auf einen Grabstein. Der Tote, den diese Opfergabe im Jenseits erreichen soll, steht für ein wenig beachtetes Kapitel in der blutigen Geschichte des Ersten Weltkriegs: Großbritannien und Frankreich hatten Männer aus China als Kriegsarbeiter mit der Aussicht auf Ehre und Geld für die Westfront in Europa rekrutiert. Doch Tausende kehrten nie nach Hause zurück. Viele Familien leben bis heute in Ungewissheit über das Schicksal ihrer Angehörigen.
In der Dokumentation "Chinas Kriegsarbeiter an der Westfront" von Regisseur Jordan Paterson - zu sehen in einem thematischen Bündel aus vier Dokus am 11. Februar auf Arte sowie bereits online verfügbar - schildern Historiker und nachgestellte Szenen aus Tagebüchern von Kriegsarbeitern und Soldaten die ungerechte Behandlung, die viele Chinesen in Frankreich erfuhren, und ihren Alltag.
Geschichtsstudent Zhang Yan verfolgt in dem knapp einstündigen Film die Pfade seiner rund 140.000 Landsleute, die Schützengräben anlegten oder tote Soldaten von den Schlachtfeldern trugen. Durch die Doku zieht sich seine Suche nach dem Grab eines verschollenen Arbeiters in Europa. Ob er es findet, gibt es am 10. Februar um 22.15 Uhr im Kultursender Arte zu sehen. Wer sich etwas Chinesisch kann, dürfte allerdings die vielen falsch ausgesprochenen Namen bemerken.
Von Demütigung bis Nationalstolz
Kriege, Revolutionen und Imperialismus hatten China im vergangenen Jahrhundert maßgeblich geprägt und sich tief in das Gedächtnis der Nation eingebrannt. Bis heute ist vom "Jahrhundert der nationalen Demütigung" die Rede, womit Peking sein Streben, wieder eine globale Großmacht zu werden, rechtfertigt. Experten verweisen gerne auf diese Zeit, also die Opiumkriege, das Ende der Qing-Dynastie, das Chaos im Bürgerkrieg und Zweiten Weltkrieg, um China heute zu verstehen.
Wer darüber mehr erfahren will, kann mit dem Zweiteiler "China - Wie eine Nation entstand" den China-Abend auf Arte ab 20.15 Uhr beginnen. Regisseurin Anne Loussouarn steckt in den je knapp 60 Minuten mit eindrücklichen Archiv-Aufnahmen den historischen Verlauf von der Gründung der Republik China bis zur heutigen Volksrepublik China ab.
Wer in dem Geflecht aus Annexionen, Gebietsverlusten, Machtkämpfen und wechselnden Hauptstädten den Überblick behält, erfährt zum Beispiel, wie oft sich die Grenzen der Volksrepublik in dieser Zeit veränderten. Historiker Shen Zhihua von der Pädagogischen Universität Ostchina fasst es mit Blick auf die Kaiserzeit so zusammen: "China glich also einem Schwamm, der mal größer, mal kleiner ist."
Wer ist das wahre China?
Die Dokumentation dröselt außerdem das komplizierte Verhältnis zwischen der Volksrepublik China und der Republik China, dem offiziellen Namen des Inselstaates Taiwan, auf. So erklärt der Film zum Beispiel, warum der einstige Kriegsgegner der Kommunisten, nämlich die nach Taiwan geflohene Kuomintang, mittlerweile als pekingfreundlicher gilt.
Unvermindert strebt die Volksrepublik danach, Taiwan an sich zu binden. Seit Xi Jinping 2012 an die Macht kam und mittlerweile als Staatschef sowie Vorsitzender der Partei und der Zentralen Militärkommission seine Macht konzentriert hat, übt Peking zunehmend Druck auf die Regierung in Taipeh aus. Doch mit Xis Amtsübernahme und Bildern der großen Militärparade 2025 endet die Dokumentation dann unvermittelt.
Machtkampf unter Palmen
Dass Peking seinen Einfluss auch in von Deutschland schier unendlich weit entfernten Weltregionen ausbaut, zeigt die letzte der vier Dokus, die Arte am 10. Februar um 23.10 Uhr ausstrahlt. In "Machtkampf im Pazifik - Ein Südseeparadies im Visier der Supermächte" führt Regisseur Matthias Fuchs das Publikum auf die Salomonen.
Der aus Hunderten Inseln bestehende Staat etwa 2.000 Kilometer nordöstlich von Australien war einst Schauplatz blutiger Schlachten im Zweiten Weltkrieg. Das lag auch an seiner strategisch wichtigen Lage für die USA. Diese Bedeutung und die Rolle der Salomonen in den Vereinten Nationen hat China erkannt, wie der Film zeigt. Westliche Staaten versuchen deshalb wieder ihren verlorenen Einfluss zurückzugewinnen.
Zweifelhafte Geschenke
Was das auf der internationalen Bühne zum Beispiel für Taiwan und die Bevölkerung der Salomonen bedeutet, schildert Fuchs mit Beispielen Einheimischer oder lokaler Journalisten. Die Regierung schien dagegen wenig gesprächsbereit zu sein.
China macht sich seit einigen Jahren auf den Salomonen mit Investitionen breit. Beispielhaft dafür steht das mit chinesischer Hilfe gebaute Sportstadion. Im Film blickt ein Investigativ-Journalist hinter Verstrickungen mit der Regierung. Oppositionspolitiker Celsus Talifilu beschreibt Chinas Hilfe für die rohstoffreichen Salomonen so: "Auch wenn sie uns all diese Dinge schenken, die gibt es wohl nicht kostenlos."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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