26.02.2017, 14.00 Uhr

"Tatort: Babbeldasch" als ARD-Wiederholung: In der Mediathek: Lohnte sich die "Kriminaloperette ohne Gesang"?

Kriminalhauptkommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) ermittelte im "Tatort: Babbeldasch" im Milieu des Ludwigshafener Mundarttheaters. Doch lohnte sich das Einschalten beim TV-Krimi, den Regisseur Axel Ranisch als "Kriminaloperette ohne Gesang" beschreibt, überhaupt?

Jutta Hoffmann (Sieglinde Schloer, rechts), Ensemblemitglied der Babbeldasch, ist eine gute Quelle für Lena (Ulrike Folkerts), die von der offenen Jutta einiges über die Interna des Theaters erfährt. Bild: SWR / Martin Furch

Selbst engefleischte Fans der beliebten Krimireihe "Tatort" wollen nicht mit den immer gleichen Kriminalfällen nach Schema F abgespeist werden - das haben auch die "Tatort"-Macher längst erkannt. Dehalb erwartete das TV-Publikum am Sonntag, dem 26.02.2017, mit "Babbeldasch" eine "Tatort"-Inszenierung der etwas anderen Art, für die Regisseur Axel Ranisch verantwortlich zeichnet - doch lohnte sich das Einschalten bei diesem "Tatort" mit Ulrike Folkerts alias Kriminalhauptkommissarin Lena Odenthal aus Ludwigshafen überhaupt?

TV-Kritik zu "Tatort: Babbeldasch": Lohnt sich das Einschalten am 26.02.2017 überhaupt?

Sollten Sie Ihren Sonntagabend wirklich dafür opfern, beim "Tatort: Babbeldasch" einzuschalten oder können Sie ruhigen Gewissens das Wochenende mit einer anderen Beschäftigung ausklingen lassen, ohne Angst haben zu müssen, einen bahnbrechenden TV-Krimi verpasst zu haben? Fakt ist: Der "Tatort: Babbeldasch" ist anders als die bisherigen Krimis in der beliebten TV-Reihe. Und er hat das Potenzial, die Fernsehgemeinde zu spalten.

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zurück Weiter Fragt man die Fans der Krimi-Reihe anlässlich des 1000. "Tatorts" am Sonntag nach den Kult-Kommissaren, fallen den meisten vermutlich zu aller erst die Münsteraner ein: Boerne und Thiel alias Jan Josef Liefers und Axel Prahl. (Foto) Foto: WDR/Markus Tedeskino Kamera

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"Kriminaloperette ohne Gesang": Das ist neu beim "Tatort: Babbeldasch"

Dass der neue "Tatort" mit Lena Odenthal von Vielen mit Spannung erwartet wird, hängt weniger mit dem aktuellen Fall der Ludwigshafener Ermittlerin (gespielt von Ulrike Folkerts) zusammen als mit der Herangehensweise von Filmemacher Axel Ranisch, der den TV-Krimi als "Kriminaloperette ohne Gesang" bezeichnet. Der hat nämlich Neuland betreten und - erstmals in der Geschichte der für Experimente bekannten Krimireihe - ohne ausformuliertes Drehbuch und mit viel Improvisation gedreht.

"Babbeldasch", das ist der Name eines (fiktiven) Ludwigshafener Mundarttheaters, in das Odenthal abends von ihrem Kollegen Peter Becker (Peter Espeloer) geführt wird. Boulevardtheater auf Pfälzisch ist nicht ihr Ding, das wird schnell klar. Spannend wird es, als die Theaterchefin Sophie Fettèr (Malou Mott) ihren Einsatz verpasst - weil sie tot in ihrer Garderobe liegt. Die Mimin, die allergisch gegen Mohn war, starb an einem mit Mohn präparierten Schokocroissant - und weil ihr Notfallset nicht dort lag, wo es sein sollte. Es beginnt die Suche nach Antworten auf die Frage, wer sie umgebracht hat. Odenthal und ihr Team haben dabei viel mit den Theaterleuten zu tun, die von den Amateurschauspielern des (realen) Mundarttheaters Hemshofschachtel gespielt werden.

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"Tatort" glaubhafter und realistischer: Bei "Babbeldasch" ist alles improvisiert

Regisseur Ranisch, der nach eigenen Angaben ein großes Bedürfnis nach Glaubhaftigkeit und Realismus hat, setzt dabei auf besondere Stilmittel. "Die Schauspieler sollen keine Dialoge auswendig lernen, sie sollen vielmehr reden, wie ihnen der Schnabel gewachsen ist, einander zuhören und authentisch reagieren", sagt er im Interview mit dem Südwestrundfunk. Und: Er lässt die Akteure lange im Dunklen tappen. "Weder unsere Kommissare, noch unsere Ensemblemitglieder wussten vor Drehbeginn, was genau im Film passieren würde oder wer der Mörder ist", sagt Ranisch. "Vor jeder Szene habe ich mich mit den Schauspielern zusammengesetzt und erklärt, was als nächstes passieren wird." Außerdem wurde nach seinen Angaben lange an den Figuren gearbeitet, und es gab Improvisationsübungen.

Lohnt sich das Einschalten? "Tatort: Babbeldasch" bleibt hinter Erwartungen zurück

Mitunter scheint es aber, als ob Ranisch Opfer des eigenen Anspruchs wird. Zwar spielen alle - Amateure wie Profis - beherzt und mit sichtlicher Freude an der Sache auf, und Manche(r) leistet Großes. Aber aus dem Filmpersonal wird keine homogene Mannschaft. Zu sehr unterscheiden sich Amateure und Profis oft in der Bandbreite und Differenziertheit der präsentierten Emotionen und hinsichtlich der Sprechtechnik, etwa bei Tempo und Betonung. Das Ergebnis, so scheint es, ist oft eher ein Neben- als ein Miteinander, das nicht immer Filmfiktion entstehen lässt. Der Film scheint in solchen Momenten eher auf die Umstände zu verweisen, unter denen er entstand.

Hauptdarstellerin Folkerts zeigt sich angetan. "Für mich bedeutet das: keinen Text lernen und nicht wissen, wer der Mörder ist", sagte sie kürzlich. Das Improvisieren habe den Vorteil, dass sie nicht so tun müsse, als wisse sie nicht, wer der Täter ist. "Ich weiß es wirklich nicht." Das wirke sich auch auf die Art des Fragens aus. Der Film hat noch eine positive Seite: Odenthal und ihre Kollegin Johanna Stern (Lisa Bitter) begraben ihr Kriegsbeil, Odenthal bietet der anderen sogar das Du an - mit gewissen Ausnahmen: "Im Job machen wir das natürlich nicht!" Wie die beiden damit klarkommen, wird man möglicherweise in einem weiteren Ludwigshafener Ranisch-"Tatort" mit dem Titel "Waldlust" (2018) sehen können.

"Tatort: Babbeldasch" verpasst? Wiederholung des TV-Krimis online und im Free-TV

Wer den neuesten "Tatort" aus Ludwigshafen am Sonntagabend verpasst haben sollte, dem bleibt noch die Option, die jüngsten Ermittlungen von Kriminalhauptkommissarin Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) als Wiederholung zu schauen. Im deutschen Free-TV finden sich gleich mehrere Sendetermine für Wiederholungen vom "Tatort: Babbeldasch":

  • Sonntag, 26. Februar 2017, 21.45 Uhr bei One
  • Montag, 27. Februar 2017, 00.20 Uhr bei One
  • Dienstag, 28. Februar 2017, 00.00 Uhr im Ersten

Unabhängig von diesen Sendezeiten können Sie den "Tatort: Babbeldasch" auch online als Wiederholung genießen. Nach der TV-Erstausstrahlung in der ARD hält die ARD Mediathek den Ludwigshafener "Tatort: Babbeldasch" zum Abruf als Video on demand bereit.

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loc/news.de/dpa

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