Von news.de-Mitarbeiter Ayke Süthoff - 18.03.2011, 10.10 Uhr

«Sommerlicht»: Warum tut sich Sky du Mont das an?

Die ARD-Schmonzette Sommerlicht ist noch schlechter als erwartet. Man fragt sich unweigerlich, warum versierte Schauspieler wie Ruth Maria Kubitschek oder Sky du Mont in einem solchen Film mitspielen. Könnte es am wunderschönen Drehort liegen?

Ruth Maria Kubitschek und Sky du Mont am mallorquinischen Weinstock. Bild: ARD Degeto/Renko Bruhn

Man ist ja einiges gewöhnt von den Schmonzetten, die Deutschlands öffentlich-rechtliche Sendeanstalten in gewisser Regelmäßigkeit verzapfen: Die Spannung wird zum Beispiel meist äußerst gering gehalten. Die dadurch stark eingeschränkten Drehbücher sind folglich meist noch schlechter als die in Massenproduktion runtergetippten Romanvorlagen á la Rosamunde Pilcher. Und die Schauspieler geben sich bei diesen Vorzeichen meist sehr wenig Mühe.

Die Erwartungen sind also von vornherein niedrig. Was das Erste allerdings am heutigen Freitag ausstrahlt, grenzt trotzdem schon an eine Frechheit. Die Verfilmung des englischen Schnulzenromans Sommerlicht von Erfolgsautorin Adéle Geras ist so seichte Kost, dass es schon wieder schwer ist, sie zu ertragen.

Irrsinnige Handlungsstränge

Die Handlung ist so schlecht konstruiert, dass es wehtut. Zig verschiedene Erzählstränge schlagen aufeinander ein, bis man sich fragt, wo eigentlich die Story hin ist. Da sind die bruchstückhaften Erinnerungen der mittlerweile 70-jährigen Hauptperson Lea (Ruth Maria Kubitschek) an irgendein wahnsinnig einschneidendes Kindheitserlebnis, die sie meistens im Traum überfallen. Dann ist da das Wiedersehen mit ihrem Jugendfreund Sean Everrad (Sky du Mont), das zu ordentlich sexueller Spannung zwischen den beiden, naja, Junggebliebenen führt.

Nicht zuletzt die innerfamiliären Spannungen zwischen Lea und ihrem gewinngeilen Sohn Enrico (Florian Fitz), dessen enttäuschter Ehefrau Fiona (Tina Ruland) und natürlich Schwester Ricarda (Nadeshda Brennicke) machen die Sache noch ein wenig abstruser.

Noch viel schlimmer als die Geschichte ist jedoch allerseits die schauspielerische Leistung: Ruth Maria Kubitschek und Sky du Mont sind ja nicht gerade unerfahren. Doch wie die beiden in im Buch von Christoph Maria Herbst. Der besaß im Gegensatz zu den meisten seiner Kollegen die Chuzpe und die Ehrlichkeit, seine Gründe für eine Teilnahme gnadenlos offen zu legen: Sonne, Urlaub, wenige Drehtermine und Alkohol. Schnell abdrehen, auch wenn es nur mittelmäßig wird, Fläschchen Wein aufgemacht und ab aufs Sonnendeck. Man stelle sich Kubitschek und Sky du Mont mit einem schönen Glas Rioja im mallorquinischen Sonnenuntergang vor – nicht unbedingt abwegig.

Allerdings ergibt sich daraus eine zweite Frage: Warum finanziert das öffentlich-rechtliche Fernsehen solche Filme? Mutige These: weil dann Schauspieler wie Sky du Mont mitmachen. Eine klassische Win-Win-Situation für Produzenten und Schauspieler. Leider aber auch eine bittere Loose-Loose-Situation für den Zuschauer: Er zahlt Gebühren und wird dafür auch noch mit schlechten Fernsehfilmen abgestraft.

Titel: Sommerlicht
Darsteller: Sky du Mont, Ruth Maria Kubitschek, Florian Fitz
Sendetermin: 18. März um 20.15 Uhr im Ersten

oro/reu/news.de

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