Von news.de-Redakteurin Anne Meyer-Gatermann - 18.10.2009, 15.06 Uhr

Bekannte Titelmelodien: Ins Ohr gegraben

Jeder kennt sie, die Titelmelodie vom Tatort, der Tagesschau oder der Lindenstraße. Aber wer steckt eigentlich dahinter? Wir würdigen die vergessenen Komponisten, deren Musik sich in unseren Alltag gekrallt hat.

Die Titelmelodie von Wetten dass ..? kenn jeder, aber wer ist der Komponist? Bild: ap

Wenn am Sonntagabend um 20.15 Uhr die Bläser zucken, die Geigen hektisch fliehen, das ist das Startsignal für viele Deutsche, sich auf ihr Sofa zu verziehen. Die Titelmelodie des Tatorts ist so bekannt, dass sie Reflexe auslöst, sie ist Teil eines Rituals. Was nur wenige wissen: Jazzsaxofonist Klaus Doldinger hat sie geschrieben. Ihm haben wir auch die Titelmelodie zu Das Boot zu verdanken.

Auch die Melodie von Wetten dass..? kennt jeder. Sie hat sich tief in unser Gedächtnis eingegraben, als wir als Dreikäsehoch und mit roten Wangen fieberten, ob die Saalwette nun verloren geht oder nicht. Da lief noch die Version von Harold Faltermeyer, schön diskomäßig mit viel «piu, piu», das klingt wie die Laserkanone auf dem Commodore. Auf Faltermeyers Konto geht auch die Titelmelodie des Films Beverly Hills Cop, für das Filmmusikthema von Top Gun erhielt Faltermeyer mit dem Rockgitarristen Steve Stevens 1985 einen Grammy.

Die aktuelle Wetten dass..?-Version stammt vom Mike Batt. Der hat auch den wunderbaren Song «Bright Eyes» komponiert, den Simon & Garfunkel so herzzerreißend singen. Maßgebliche Teile aus Andrew Lloyd-Webbers Musical Phantom der Oper stammen auch aus Batts Feder. 2002 hat er die georgisch-britische Sängerin Katie Melua entdeckt und mit ihr drei Alben produziert sowie einen Teil der Musik komponiert. Zweimal hat er den Ivor Novello Preis für «Beste Filmmusik» gewonnen. Batt dirigierte einige der größten Orchester wie das London Symphony Orchestra, das australische State Orchestra von Victoria und das National Symphony Orchestra von Irland. Erste Erfolge feierte er mit den Wombles im Jahr 1974, die Band hatte acht Hitsingles und vier goldene Schallplatten.

Lobgesang für Wetten dass ..?

Kurz bevor Thomas Gottschalk mal wieder in einem seiner unsäglichen Fummel auf der Mattscheibe erscheint, fiedelt als Vorwarnung der Eurovision-Song. Auch so ein Stück, das jeder kennt, dessen Urheber aber sträflich vernachlässigt wird. Das Stück ist eigentlich ein so genanntes «Te Deum», also der Anfang eines feierlichen Lob- oder Bittgesangs in der christlichen Kirche. Komponiert hat die Eurovisions-Meldodie der französische Komponist Marc Antoine Charpentier und das schon zur Zeit Ludwigs XIV.

Von weitaus jüngerer Herkunft und weniger staatstragend ist das Pippi-Langstrumpf-Lied. Der Text stammt selbstredend von Langstrumpf-Autorin Astrid Lindgren, die launige Melodie aber steuerte der deutsche Komponist Konrad Elfers bei. Abgesehen von dem Pippi-Hit hat er sich eher der schweren Kost gewidmet: Elfers hat schon Stummfilmklassiker wie Fritz Langs «Dr. Mabuse, der Spieler» oder das zweiteilige «Nibelungen»-Epos vertont.

Zu den Fernsehritualen der Deutschen gehört natürlich auch die Lindenstraße, und deshalb ist auch diese Titelmelodie aus den Köpfen nicht mehr wegzudenken. Komponist Jürgen Knieper hat uns dieses Kleinod der Serienunterhaltung beschert. Aber erst einmal hat er Mathematik studiert. Als er den Klavierspieler eines Heidelberger Kabaretts spontan ersetzte, wurde er dann doch lieber Musiker. Eine große Chance bekam er von Wim Wenders, der ihn bat, die Filmmusik zum Spielfilm Die Angst des Tormanns beim Elfmeter zu komponieren. Das war der Start seiner Karriere als Filmkomponist. Seit 1985 hat er die Titelmelodie der Lindenstraße unter seinen Fittichen. Ein wenig Ruhm brachte ihm seine musikalische Mitarbeit bei der Satireserie Scheibenwischer ein.

Ohrwürmer klappern

Den einprägsamen Tusch der Tagesschau hat ursprünglich der deutsche Dirigent und Komponist Hans Friedrich August Carste komponiert. Die Melodie stammt aus einem Stück, das er während seiner Kriegsgefangenschaft in Russland geschrieben hatte: die Hammond Fantasie. Rudolf Kühn bearbeitete sie für ein 90-köpfiges Rundfunkorchester. Die aktuelle Version stammt von Musikproduzent Wolfgang Biechele.

Wer jetzt auf den Geschmack gekommen ist und weiterhin über Titel und Urheber bekannter Ohrwürmer grübelt, den bewahrt das Internet vor peinlichen Auftritten im Plattenladen. Wer will sich schon zum Deppen machen, indem er schräge Töne am Verkaufstresen zum Besten gibt? Das kann man jetzt ganz geheim, im stillen Kämmerlein, auf Musicline tun. So oft wie nötig kann der Suchende die Melodie ins Mikro summen, ohne dass sich unerwünschte Zuhörer kichernd wegdrehen oder der Verkäufer hochnäsig die Stirn runzelt. Wer auch daheim nicht summen mag, dem sei der Songtapper eine Hilfe. Hier kann man mittels Leertaste den Rhythmus des Songs klopfen. Aber Vorsicht, wer nicht so taktsicher ist, erhält für «We will rock you» womöglich «Das Wandern ist des Müllers Lust» als Ergebnis.

iwi/news.de

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