Von news.de-Redakteur Frank Meinzenbach - 01.07.2009, 16.35 Uhr

30 Jahre Walkman: Die Revolution vom Band

Vor 30 Jahren wurde Geschichte geschrieben: Der erste Walkman von Sony kam auf den Markt. Das Gerät war ein Renner und hat den mobilen Lebensstil seit den 1980er Jahren begründet.

Sonys TPS-L2 hat die Technikwelt aufgemischt und wurde zu einem Jugendphänomen. Bild: Sony

Am 1. Juli 1979 brachte Sony mit dem TPS-L2 den ersten Walkman auf den Markt. Das Gerät ist ein Meilenstein der Technikgeschichte, auch vom Gewicht her. Denn der erste Walkman hatte die Ausmaße eines Ziegelsteins und zog mit 390 Gramm am Hosenbund. Zum Vergleich: Ein iPod Nano wiegt heute keine 40 Gramm mehr.

Doch für damalige Verhältnisse war der blau-violette Plastikkasten der Inbegriff von Mobilität, nicht umsonst ließ sich eine ganze Generation den Walkman 125 Dollar kosten. Auch der Klang war für für damalige Verhältnisse exzellent. Dafür nahmen seine Anhänger auch die recht kurzen Batterielaufzeiten, den ständig drohenden Bandsalat und das Leiern in Kauf.

Von der Ausstattung her war das Gerät vom Feinsten: Der TPS-L2 hatte zwei Kopfhörerausgänge, so dass man der Musik mit einem Freund oder der Angebeteten gemeinsam lauschen konnte. Sogar an die getrennte Lautstärkeregelung hatten die Entwickler gedacht. Was viele nicht mehr wissen: Beide Hörer konnten sich während des Musikhörens miteinander unterhalten. Dafür gab es die «Hot-Taste», die zuerst die Lautstärke gedämpft und dann ein eingebautes Mikrofon freigeschaltet hat.

FOTOS: Cebit-Impressionen MP3-Kissen, Holster, Musiktaschen

Leider schaffte Sony diese Funktion bereits in der zweiten Walkman-Generation ab. Vermisst wurde die «Hot-Taste» nicht, der WM-2 verkaufte sich weltweit rund 2,5 Millionen Mal ist ist damit der meistverkaufte Sony-Walkman aller Zeiten und verschaffte Sony vor 30 Jahren einen Nimbus, wie ihn heutzutage Apple hat.

Kein Wunder, dass sich die Verantwortlichen darüber streiten, wer den Walkman nun eigentlich erfunden hat. Über die Jahre haben sich mehrere Entstehungsmythen angesammelt. So soll der Sony-Mitbegründer Masaru Ibuka sich auf seinen vielen Langstreckenflügen um den Globus gelangweilt haben. Wäre doch schön, jetzt Bach oder Beethoven hören zu können, soll sich der passionierte Klassikliebhaber gedacht haben - und schon war die Idee für den Walkman geboren. Daraufhin habe Ibuka seine Entwickler angewiesen, ihm ein geeignetes Gerät zu bauen. Der Legende nach war der Walkman vier Tage später geboren, weil die Ingenieure ein Abspiel- und Diktiergerät für Journalisten, den Pressman, umgebaut haben.

Doch neben Ibuka beansprucht auch der zweite Sony-Gründer Akiro Morita die Lorbeeren für die Erfindung des Walkmans für sich. Und dann gibt es noch die Version, wonach ein Sonyentwickler sich für den Weg von und zur Arbeit einen Kassettenspieler umgebaut hat. Egal, welche Variante nun stimmt - entscheidend ist, dass es den Walkman gibt. Denn mit ihm setzte sich auch die Kassette durch, 1983 konnte sie von den Verkaufszahlen her das erste Mal die Langspielplatte ablösen.

In den folgenden Jahren wurden die Geräte kleiner und es kamen viele Verbesserung hinzu, zum Beispiel die kleinen Steckkopfhörer, die Dolby-Rauschunterdrückung oder das Radio. Irgendwann kam die analoge Bandtechnologie jedoch an ihre Grenzen, trotz des automatischen Seitenwechsels Autoreverse und der gezielten Vor- und Zurückspulfunktion.

Mittlerweile ist die Kassette verschwunden Die jetzige Teenagergeneration kennt in vielen Fällen die MC nicht mehr, der MP3-Player hat den alten Walkman komplett verdrängt. In den 1990er Jahren fand auch der Discman viele Anhänger, doch die CD war für unterwegs schlecht geeignet, weil sie zu anfällig für Stöße ist. Kurze Zeit sah es so aus, als ob Sony mit der MiniDisc den Nachfolger der Kassette erschaffen hätte. Doch gegen die MP3-Player hatte Sony keine Chance und verpasste die Entwicklung komplett.

Vereinzelt gibt es den Walkman noch zu kaufen. Sogar auf der Sony-Seite ist er noch gelistet. Vielleicht feiert er ja demnächst in Berliner Szenekneipen als Mode-Accessoire der 1980er seine Auferstehung - denn was ist cooler, als mit einem Walkman und einer Ray-Ban-Brille herumzulaufen?

voc/news.de

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