Tour de France 2026: Siege und Rekorde: "Menschenfresser" Pogacar dominiert Tour
Tadej Pogacar beherrscht die 113. Frankreich-Rundfahrt nach Belieben und lässt die Rekorde purzeln. Sein Teamchef vergleicht ihn bereits mit Tennis-Legende Roger Federer.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Glücklich und erleichtert stieg Tadej Pogacar in den TGV Richtung Paris. Endstation Sehnsucht. Der "Menschenfresser", wie ihn das renommierte Tour-Organ "L'Équipe" bewundernd beschrieb, hatte dann doch mal genug. Nach einem dreiwöchigen Frankreich-Abenteuer mit an Dominanz kaum zu überbietenden Solosiegen, beeindruckenden Klettershows in den Bergen, famosen Rekorden, aber auch Dopingkontrollen um 5.00 Uhr morgens und einigen Buhrufen vom Straßenrand.
Zum vierten Mal trat Pogacar mit dem Gelben Trikot die Reise nach Paris an. Einmal - bei seinem Sieg im Olympia-Jahr 2024 - endete die Tour bekanntlich in Nizza. Der legendäre Eddy Merckx hatte den Ausnahmekönner im exquisiten Kreis der Fünffach-Sieger mit den beiden Franzosen Jacques Anquetil und Bernard Hinault sowie dem Spanier Miguel Indurain bereits willkommen geheißen. Das sei aber noch nicht das Ende. "Ich glaube nicht, dass er sich damit begnügen wird, mit mir und den anderen Champions gleichzuziehen. Bald wird er unseren Rekord an Tour-Siegen brechen", sagte der 81-jährige Belgier der "Gazzetta dello Sport".
Wer soll Pogacar auch schlagen? In den Bergen war es jedenfalls eine "Mission impossible", wie Doppel-Olympiasieger Remco Evenepoel eingestand. Wenn der Weltmeister antrat, leisteten seine Rivalen nicht mal mehr Gegenwehr. So wie bei seinem Meisterstück auf den 21 berühmtesten Serpentinen der Welt ins Radsport-Mekka Alpe d'Huez hinauf, als Pogacar dreieinhalb Minuten auf eine starke Ausreißergruppe aufholte.
Pantani-Rekord übertroffen
Damit pulverisierte er auch den 31 Jahre währenden Rekord von Marco Pantani. 35:26 Minuten für den 13,8 Kilometer langen Schlussanstieg, ein Schnitt von mehr als 23 km/h, 1:24 Minuten schneller als 1995 die italienische Legende - für viele Experten eine unmenschliche Leistung.
Schon am Col du Tourmalet in den Pyrenäen hatte Pogacar eine neue Bestleistung aufgestellt. "Rekorde interessieren mich nicht, es geht mir um den Sieg", sagt Pogacar in seiner bescheidenen Art. Ähnlich wollte er auch seine Etappenerfolge in Les Angles, Gavarnoe-Gèdre, Le Lioran und Le Markstein nicht überbewerten.
In Alpe d'Huez feierte er bereits seinen 26. Tour-Etappensieg. Hätte er nicht zwischendurch auch seinen drittplatzierten Teamkollegen Isaac del Toro unterstützt, wären es wohl noch mehr. Nur noch Ex-Sprintstar Mark Cavendish (35), Merckx (34) und Hinault (28) stehen vor ihm. Geht der 27-Jährige in dem Tempo weiter zur Sache, könnte der Rekord schon in zwei Jahren fallen.
"Ich habe nicht das Gefühl, dass ich seit 2024 wesentlich stärker geworden bin. Aber ich habe mehr Erfahrung; kleine Dinge verbessern sich nach wie vor. Es kommt auf die Details an", sagt er.
Teamchef: "Hat Aura wie Federer"
Pogacar setzt im Radsport neue Maßstäbe. Er gewinnt Rennen mit langen Solofahrten oder zur Not auch im Sprint. "Pogi ist inzwischen zu einer weltweiten Persönlichkeit geworden", schwärmte sein Teamchef Mauro Gianetti: "Er hat die Aura, das Charisma, die Anziehungskraft eines Roger Federer. Er ist eine Ikone."
Und bei der Tour hat er längst auch die Rolle des Patrons eingenommen. Nicht mehr nur der nette Junge aus Komenda wie bei seinem Debüt vor sechs Jahren. Meinungsstark vertritt er die Interessen des Pelotons, wenn es sein muss. Wie nach dem verhängnisvollen Sturz seines Rivalen Jonas Vingegaard, der nach einer nächtlichen Dopingkontrolle auf der 15. Etappe stürzte und einen Schlüsselbeinbruch erlitt. Pogacar mutmaßte, dass darin ein Zusammenhang bestanden haben könnte.
Neben Vingegaard wurde auch Pogacar nachts kontrolliert. Ein in Frankreich beispielloser Vorgang, der von einem Pariser Gericht genehmigt wurde. Gibt es womöglich Verdachtsmomente? Oder sind derartige Wunderdinge auf dem Rennrad Grund genug für solch ungewöhnliche Maßnahmen?
Vereinzelte Buhrufe
Die Dominanz von Pogacar gefällt jedenfalls nicht jedem. Auch am Straßenrand gab es bisweilen Buhrufe für den Unersättlichen. "Das macht uns nur stärker", entgegnete Pogacar: "Wenn mich jemand ausbuht, denke ich an Novak Djokovic und lasse mich von ihm inspirieren." Auch der serbische Tennisstar hat nicht nur Anhänger. 99 Prozent der Leute seien ihm aber positiv gestimmt, merkte Pogacar an.
So kann der Radstar, der bis 2030 bei UAE unter Vertrag steht, seine nächsten Ziele in Angriff nehmen. Von der Vuelta ist die Rede, die dreiwöchige Rundfahrt durch Spanien fehlt ihm tatsächlich noch in seiner langen Siegerliste. Auch der Frühjahrsklassiker Paris-Roubaix blieb ihm bei zwei zweiten Plätzen bislang verwehrt. Und dass Pogacar das Weltmeister-Trikot neben Gelb besonders gut gefällt, ist allseits bekannt.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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