Formel 1 News: Wie die Formel 1 vor 40 Jahren den Ostblock entdeckte

Die Formel 1 wollte auch hinter dem Eisernen Vorhang Geld verdienen. Also erkundete sie den Ostblock und stieß vor 40 Jahren auf Ungarn. Warum die Rennserie ein "kleines Erdbeben" auslöste.

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Die damalige Sowjetunion sollte es werden. Oder, angeregt von seiner späteren Ehefrau Slavica, das frühere Jugoslawien. Der langjährige Formel-1-Geschäftsführer Bernie Ecclestone wollte jedenfalls Anfang der 1980er Jahre mit seinem Vollgas-Spektakel mitten im Kalten Krieg auch hinter dem Eisernen Vorhang Geld verdienen. Turbo-Kapitalismus im sozialistischen Lager? Ost-Exotik für das West-Publikum? Ecclestone gefiel die Vorstellung, er witterte ein Millionen-Geschäft.

Aus einem Grand Prix in Moskau wurde aber nichts. Ecclestone soll es dort unter anderem als zu "grau und depressiv empfunden haben", wie berichtet wurde. Und auch der damalige Vielvölkerstaat Jugoslawien wurde kein Ausrichter. Stattdessen stieß der ehemalige Gebrauchtwagenhändler auf das damals relativ liberale Ungarn. So ein paar Devisen aus dem Motorsport könnten trotz aller ideologischen Einwände nicht schaden, meinte die Parteiführung damals hinter vorgehaltener Hand.

Behörden gegen das Bäumefällen

Das ist mittlerweile 40 Jahre her. Nach nur neun Monaten Bauzeit wurde der Hungaroring aus dem Boden gestampft und feierte 1986 seine Premiere. "Die Ungarn haben hervorragende Arbeit geleistet. Wir waren verblüfft, wie gut alles lief", erinnerte sich Ecclestone an die Entdeckung des Ostblocks. In Ungarn wird an diesem Wochenende, bevor sich die Formel 1 in die Sommerpause verabschiedet, schon zum 41. Mal im Kreis gerast.

Ursprünglich war der Grand Prix als Straßenrennen gedacht, rund um das Stadtwäldchen im Herzen der Stadt sollten die Fahrer um Punkte kämpfen. Doch Behörden hatten etwas gegen das geplante Fällen von Bäumen.

Dank der Verbindung von Ecclestone zum ungarisch-stämmigen Geschäftsmann Tamas Rohonyi, selbst viele Jahre Promoter des Grand Prix von Brasilien, stieß die Formel-1-Expedition auf die Gemeinde Mogyorod, nordöstlich von der Hauptstadt Budapest gelegen.

Prestige und Selbstvergewisserung

Eine landwirtschaftliche Genossenschaft hatte damals das Sagen über das Gebiet. Dem Vernehmen nach erwiderte die frühere Chefin dieser Kooperative auf den Vorstoß, dort ein Rennen veranstalten zu wollen: "Die Formel 1 bringt uns vermutlich mehr Kohle ein, als Kartoffeln anzubauen." Das Gespür fürs Geldmachen war auch auf dem Dorf ausgeprägt.

In erster Linie hat Ecclestone, der längst Formel-1-Geschichte ist, verdient. Doch Ungarn ist immer noch gerne bereit, zweistellige Millionenbeträge zu bezahlen. Es geht um Tourismus, Prestige, Selbstvergewisserung. Nur in Monza werden länger ununterbrochen WM-Läufe ausgetragen. Bis mindestens 2032 wird die Formel 1 noch vor den Toren Budapests Station machen.

Für eine Vertragsverlängerung haben die Veranstalter eine Menge Geld in die Hand genommen, um den Kurs samt Gebäuden zu renovieren. Glamour-Image statt Ostblock-Charme. "Unsere Rennstrecke hat eine erstaunliche Verwandlung durchgemacht", sagte Hungaroring-Geschäftsführer Zsolt Gyulay über das Facelifting der Anlage.

200.000 Zuschauer bei der Premiere

Als der Grand Prix seine Premiere erlebte, strömten vor allem am Rennsonntag die Massen herbei. Mehr als 200.000 Zuschauer bevölkerten die Naturtribünen rund um den Kurs. Selbst wenn die Karten für die Menschen aus dem Ostblock damals sündhaft teuer waren. Nach einem rundenlangen Duell siegte Nelson Piquet vor seinem brasilianischen Landsmann Ayrton Senna. "Brasilianischer Samba in der ungarischen Puszta", titelten die Zeitungen sinngemäß.

Anschubhelfer Rohonyi wollte die politische Dimension des Formel-1-Rennens in seiner Heimat nie überbewerten. Doch Eindruck hat das Event hinterlassen. "Die Formel 1 hinter dem Eisernen Vorhang war eine Art kleines Erdbeben", meinte er, "das auch an den Fundamenten des sozialistischen Systems winzige Risse verursacht hat." Wenige Jahre nach der Premiere in Ungarn fiel der Eiserne Vorhang dann tatsächlich.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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