Fußball-WM: Vom Trump-Anruf bis zum Messi-Foul: Die Aufreger der XXL-WM
Trumps Anruf bei Infantino ist der Skandal dieser Fußball-WM - aber bei weitem nicht der einzige Aufreger, der für Diskussionen sorgte. Bei dem langen Turnier ist einiges passiert.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Was auch immer im Finale zwischen Spanien und Argentinien passiert - der größte Aufreger dieser Fußball-WM steht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit schon fest. Wie soll schon getoppt werden, dass Donald Trump als Präsident des WM-Gastgebers den FIFA-Chef Gianni Infantino anruft und kurz danach ein eigentlich gesperrter Spieler in der wichtigsten Partie für das US-Team doch auflaufen darf? Der Fall Folarin Balogun ist ein Skandal weit über das XXL-Turnier hinaus - aber nicht der einzige Aufreger dieser 48. Fußball-WM. Ein Überblick:
Der Fall Balogun
Belgien zumindest bewies Humor. Nach dem 4:1-Achtelfinalsieg gegen die USA postete der Verband bei X ein Bild des jubelnden Romelu Lukaku mit einer Hand am Ohr und schrieb dazu: "Macht das mal rückgängig." Es war eine Anspielung auf einen Eklat, der die Grundfeste des Fußballs erschütterte und FIFA-Präsident Gianni Infantino erneut ins Zwielicht rückte. "Der heutige FIFA-Präsident hat sich Donald Trump unterworfen", sagte der frühere Weltverbandschef Joseph Blatter, der selbst nicht frei von Skandalen war.
Die FIFA hatte die Sperre gegen Florian Balogun wegen einer Roten Karte gegen Bosnien-Herzegowina aufgehoben, der US-Stürmer konnte so gegen Belgien spielen. US-Präsident Trump hatte zuvor mit einem Anruf bei der FIFA um eine Überprüfung der Sperre gebeten. Infantino bestätigte das Gespräch mit Trump, dem er bei der WM-Auslosung schon den umstrittenen FIFA-Friedenspreis überreicht hatte. Der Chef des Weltverbands verwies aber auch auf die Zuständigkeit der unabhängigen FIFA-Justizorgane in diesem Fall.
"Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel", wetterte der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp als MagentaTV-Experte.
Die verweigerte Einreise
Immerhin: Bezahlt wird Omar Artan. Trotz seiner verweigerten Einreise in die USA erhält der somalische Schiedsrichter nach der Weltmeisterschaft seine volle Vergütung als WM-Referee. Der 34-jährige Artan war vom Gastgeberland trotz eines gültigen Visums abgewiesen worden, als er in die USA einreisen wollte. Als Grund nannten die Behörden Sicherheitsbedenken wegen angeblicher Verbindungen zu einer Terrororganisation in seiner Heimat Somalia.
Die Europäische Fußball-Union UEFA reagierte auf Artans Abweisung in den USA und setzte Afrikas Schiedsrichter des Jahres 2025 für die Leitung des Supercup-Endspiels zwischen Champions-League-Sieger Paris Saint-Germain und Europa-League-Gewinner Aston Villa am 12. August in Salzburg an.
Das Thema Trinkpausen
Das Fan-Urteil ist lautstark und deutlich: Die offiziellen Trinkpausen bei der WM sind eine bei vielen regelrecht verhasste Neuerung dieses XXL-Turniers. Fast jedes Mal gab es Pfiffe und Buh-Rufe für die Drei-Minuten-Unterbrechungen in jeder Halbzeit einer Partie. Die meisten Trainer allerdings befürworteten die Pausen oder beschwerten sich zumindest nicht darüber. "Es ist wie ein kleiner Timeout und es macht es leichter, den Spielern Anweisungen zu geben", sagte Algeriens Trainer Vladimir Petkovic. Unter anderem Österreichs Coach Ralf Rangnick und Belgiens Trainer Rudi Garcia äußerten sich ebenfalls positiv.
Uruguays inzwischen ehemaliger Coach Marcelo Bielsa sah das anders. Für ihn war die Veränderung ein Graus. Bielsa wollte die zusätzliche Möglichkeit zur Einflussnahme gar nicht haben. "Vier statt zwei Halbzeiten zu spielen, verändert die kulturell geprägte Vorstellung, die man sich vom Fußball gemacht hat", sagte er. "Diese Pausen geben dem Spiel nichts, aber nehmen ihm viel."
Die Argentinien-Kontroverse
Lionel Messi und Argentinien stehen im WM-Endspiel - natürlich, sagen einige Verschwörungstheoretiker. Zu offensichtlich war ihrer Meinung nach die Bevorzugung des Titelverteidigers in knappen und entscheidenden Momenten auf dem Weg in dieses Finale. Tatsächlich gab es einige Entscheidungen, die zumindest kontrovers diskutiert werden können - die erste davon schon beim Auftaktspiel des Titelverteidigers gegen Algerien.
In der 31. Minute trat Messi offensichtlich und zielgerichtet mit der Sohle Richtung Achillessehne von Aïssa Mandi. Der polnische Schiedsrichter Szymon Marciniak beließ es bei einer Ermahnung, danach schoss Messi noch zwei seiner drei Tore zum 3:0 gegen die Nordafrikaner. "Es gibt drei Kriterien für übermäßige Härte", erklärte der deutsche Schiedsrichter Patrick Ittrich als Experte bei MagentaTV: "Chance, den Ball zu spielen, Trefferbild und Dynamik." Allein die Dynamik fehle. Ittrichs Urteil: "Für mich ist das eine Rote Karte."
Im Achtelfinale gegen Ägypten (3:2) gab es in der hitzigen Schlussphase mehrere strittige Szenen, die zu Toren der Südamerikaner führten. Sie hatten elf Minuten vor Schluss noch mit 0:2 zurückgelegen. "Alle strittigen Entscheidungen sind gegen Ägypten getroffen worden. Die negativen Emotionen, die da herauskommen, die sind nachvollziehbar", sagte Schiri-Experte Ittrich dazu. Ägypten-Coach Hossam Hassan wütete: "Das war ganz klar ein manipuliertes Spiel." Er ergänzte: "Vielleicht wollten sie den Weltmeister im Wettbewerb halten. Vielleicht wollten sie, dass Messi im Rennen bleibt."
Fakt ist aber auch: Die besagten Szenen waren allesamt nicht eindeutig. Schiedsrichter Francois Letexier aus Frankreich wurde für seine Leistung auch gelobt.
Die Hand vor dem Mund
Iván Barton ist Fußball-Fans nach dieser WM ein Begriff - weil er für ein Novum in der WM-Geschichte sorgte und dazu noch die perfekte Vorlage für Memes und sogar einen Song lieferte. Als erster Schiedsrichter zeigte er einem Profi die Rote Karte, weil der sich in einem Disput mit dem Gegner die Hand vor den Mund gehalten hatte. Paraguays Nationalspieler Miguel Almirón flog im Gruppenspiel gegen die Türkei vom Platz, nachdem Barton seine inzwischen berühmten Sätze über das Stadionmikrofon sprach: "After Review. Number 10. Paraguay. Covered his mouth. Decision is: Red Card!"
Die Regel war erst vor der WM eingeführt worden und soll rassistische Diskriminierung von Gegenspielern unterbinden. Indem sie den Mund verdecken, wollen Spieler häufig verhindern, dass erkannt werden kann, was sie sagen. Almirón hatte in einer Spielunterbrechung mit vorgehaltener Hand etwas zu seinem türkischen Gegenspieler Mert Müldür gesagt. Barton, der aus El Salvador kommt, traf die Entscheidung für den Platzverweis nach einem Hinweis des Videoschiedsrichters.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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