Fußball-WM: Der Fall Balogun und die Folgen für Infantino

Rote Karte, Bewährungsstrafe, politische Telefonate: Der Fall Balogun sorgt für Wirbel – aber kann das FIFA-Boss Infantino gefährlich werden? Das spricht gegen eine Fußball-Revolution.

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Insgesamt 48 Teams kämpfen bei der Fußball-WM 2026 um den Pokal.  (Foto) Suche
Insgesamt 48 Teams kämpfen bei der Fußball-WM 2026 um den Pokal.  Bild: picture alliance/dpa/KEYSTONE | Claudio Thoma

Folarin Balogun ist im WM-Urlaub. Nach dem Ausscheiden der USA im Achtelfinale gegen Belgien (1:4) ist auch der Stürmer, der wider Willen zu einem riesigen Fußball-Politikum wurde, von der großen Bühne abgetreten. Seine Rote Karte aus dem Sechzehntelfinale gegen Bosnien-Herzegowina (2:0) und die von der FIFA auf Bewährung ausgesetzte Strafe wirken aber nach.

Der Anruf von US-Präsident Donald Trump bei FIFA-Chef Gianni Infantino und der Verdacht des Einflusses auf die Gerichtsbarkeit des Weltverbandes wiegt so schwer, dass Folgewirkungen nicht ausgeschlossen sind. Doch was bedeutet das nun für Infantino?

Wie geht es weiter im Fall Balogun?

Fußball-Juristisch ist alles erledigt. Balugon darf sich innerhalb des kommenden Jahres keine Rote Karte bei Länderspielen erlauben. Dann ist die Bewährungszeit vorbei. Fliegt er dennoch noch einmal vom Platz, müsste er neben der Strafe für dieses neue Vergehen zusätzlich das eine Spiel pausieren, das er nun nicht absitzen musste. Soweit der rechtliche Rahmen.

Die FIFA wird sich sicherlich nicht weiter ungefragt äußern. Diverse Einsprüche gegen andere Vergehen - auch Rote Karten - wird es ganz bestimmt geben. Doch die werden abgewiesen. Da haben die FIFA-Gremien ein dickes Fell. Die Rechtslage gibt immer die Mindestpause von einem Spiel her.

In der öffentlichen Aufregung hallt der Vorgang noch nach. Die UEFA hat sich klar positioniert, hat eine Aufklärung gefordert. So formulierte es auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf, der den europäischen Verband im FIFA-Council vertritt.

"Ich bin mir mit der UEFA einig, dass dieser Vorgang nicht zu den Akten gelegt werden darf, zunächst aber unter den europäischen Fußballverbänden weiter besprochen werden muss", sagte er.

Dies wird allerdings allenfalls deutlich nach der WM-Zeit passieren. Möglicherweise, wenn das UEFA-Exekutivkomitee im September wieder tagt. Bis dahin ist viel Zeit vergangen, die WM-Aufregung schon abgekühlt. Mal sehen, wie sehr sich Europas Fußball-Funktionäre dann noch engagieren.

Warum preschte die UEFA so lautstark vor?

Drei Gründe gibt es. Natürlich habe die europäischen Verbände im Vergleich zu denen anderer Konföderationen noch ein ausgeprägteres Verständnis für moralisch verwerfliche Abläufe.

Dann ist Infantino in seinem Allmachtsstreben für viele unverändert ein rotes Tuch. Und der vermeintlich Benachteiligte, nämlich Belgien als USA-Gegner, gehört zu den eigenen Mitgliedern. Da kamen drei Reflexe zusammen. Ähnlich sieht es bei den Einwürfen der Politik aus, wie der Forderung einiger Abgeordneter aus dem Europäischen Parlament nach einer Infantino-Untersuchung. Auch hier geht es viel um Symbolpolitik.

Was könnten die Folgen für FIFA-Präsident Infantino sein?

Die internationale Empörung und einen großen Kübel Häme, ob der erneuten Anbiederung an Trump musste Infantino ertragen. Beides ist er aber schon lange gewohnt. Theoretisch könnte ihm Ungemach aus dem Weltverband selbst drohen, bis hin zum Amtsentzug. Sehr theoretisch. Das wäre der Fall, wenn es Belege gäbe, dass er oder sein unmittelbares Umfeld Einfluss auf die formal unabhängige Disziplinarkommission und ihre Entscheidung genommen hätte, womöglich auf Geheiß von Trump. Dieser Verdacht wird von Infantino und den FIFA-Institutionen strikt zurückgewiesen.

Wie würde ein Verfahren formal laufen?

Infantino könnte durch die FIFA-Ethikkommission zunächst suspendiert werden. Dann würde es ein Verfahren geben. Die Moralhüter, die in eine untersuchende und eine rechtsprechende Kammer aufgeteilt sind, könnten ihn auch des Amtes entheben, ihn für Fußball-Aktivitäten sogar lebenslang sperren. Alles wie erwähnt ein theoretisches Konstrukt angesichts der vorliegenden Faktenlage.

Möglich wäre auch, dass der FIFA-Kongress Infantino nicht im Amt bestätigt. Die nächste Wahl, bei der jeder nationale Verband eine Stimme hat, findet am 18. März in Rabat in Marokko statt. Infantino ist bislang der einzige Kandidat.

Warum sind Konsequenzen unrealistisch?

Bei aller Empörung, Infantino sitzt fest im Sattel. Die XXL-WM wird er als riesigen Erfolg verkaufen - seinen Erfolg. Kritik am Fall Balogun gab es aus der Fußball-Welt nur aus Europa. Alle anderen Konföderationen sind happy mit dem Schweizer. Bis zum Finale am 19. Juli wird der Fall Balogun nur noch ein kleiner Schandfleck sein. Der Fußball-Tross zieht in die Sommerpause und dann mit neuen Aufregern schnell weiter.

Aus den Kontrollinstanzen wie den Ethikkammern wird es mit Sicherheit keine aktiven Untersuchungen geben. Die Mitglieder kamen alle in Infantinos Ägide ins Amt.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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