Fußball-WM: Herzenssache: Norwegens Solbakken erlebt WM der Emotionen

Vor 25 Jahren stirbt Stale Solbakken fast im Training. Nun sorgt er mit seinen Norwegern in der Fußball-Welt für Aufsehen, verteilt Küsse und Blumen. Knackt der Taktik-Tüftler auch die Elfenbeinküste?

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Insgesamt 48 Teams kämpfen bei der Fußball-WM 2026 um den Pokal.  (Foto) Suche
Insgesamt 48 Teams kämpfen bei der Fußball-WM 2026 um den Pokal.  Bild: picture alliance/dpa/KEYSTONE | Claudio Thoma

Das Leben des Stale Solbakken war schon fast vorbei. 2001 brach er, damals noch als Spieler, im Training des FC Kopenhagen, zusammen. Herzinfarkt mit 33 Jahren. Sein Herz stand mehrere Minuten still. Solbakken wurde wiederbelebt, lag im Koma, bekam einen Herzschrittmacher eingesetzt - und beendete seine aktive Karriere. Nun, 25 Jahre später, bastelt er als Trainer der norwegischen Nationalmannschaft an einem kleinen Fußball-Märchen. Und fällt bei der WM mitunter durch große Gesten und Emotionen auf.

Norwegen zurück auf der großen WM-Bühne

"Natürlich verändert so etwas einen, gerade kurzfristig", sagte Solbakken mal über seinen Schicksalsschlag. Er habe seitdem aber keine Probleme mehr gehabt. "Meine Gesundheit ist sehr stabil, ich hatte Glück. Viele andere haben dieses Glück nicht", erklärte der 58-Jährige, der die Norweger bei ihrem ersten WM-Start seit 1998 überaus souverän in die K.o.-Runde geführt hat.

Im Sechzehntelfinale gegen die Elfenbeinküste am Dienstag (19.00 Uhr/ARD und MagentaTV) in Arlington sind die Skandinavier favorisiert. Die Ivorer haben bei ihrer unglücklichen Last-Minute-Niederlage gegen Deutschland in der Vorrunde zwar gezeigt, wie schwer sie zu knacken sind. Aber die Norweger haben ja Stürmerstar Erling Haaland und Offensiv-Ass Martin Ödegaard. Und Solbakken.

In Köln gescheitert, in Dänemark abgeräumt

Beim 1. FC Köln scheiterte er in der Saison 2011/2012. Der Coach geriet mit den Domstädtern in der Bundesliga in akute Abstiegsgefahr, nach zehn Monaten und einer 0:4-Klatsche beim FSV Mainz 05 musste er seinen Posten räumen. Ansonsten ist Solbakken aber nicht nur ein Taktik-Tüftler, sondern auch ein Titel-Hamster. Acht Meisterschaften und vier Pokalsiege bejubelte er mit dem FC Kopenhagen in Dänemark. Und wie weit geht's nun mit den Norwegern?

Als Geheimfavoriten angetreten, haben die "Wikinger" beim XXL-Turnier in den USA, Kanada und Mexiko schon jetzt bleibenden Eindruck hinterlassen. Torjäger Haaland knipst, die Fans auf den Tribünen rudern. Ob es wohl jemanden gäbe, der diese besondere Art der Unterstützung nicht gut finden würde, fragte Trainer-Legende und TV-Experte Jürgen Klopp neulich rhetorisch. Den Norwegern fliegen die Sympathien zu. Ein Stück weit auch wegen Solbakken.

Küsse, Rudereinlagen und ein Blumenstrauß

Vor allem beim 3:2-Sieg der Skandinavier im zweiten Gruppenspiel gegen Senegal hatte der Coach für bewegende Bilder gesorgt. Erst war er nach dem Schlusspfiff zu seiner Frau Anniken auf die Tribüne geeilt, hatte sie in den Arm genommen und geküsst. "Pure Liebe" sei das, erklärte Solbakken. Kurz später saß er inmitten seiner Spieler auf dem Rasen, ruderte gemeinsam mit ihnen und den Fans auf den Rängen. Gänsehaut-Atmosphäre in East Rutherford.

Und auch wenige Tage später in Foxborough gab's eine bewegende Szene: Stellvertretend für seinen ganzen Tross drückte Solbakken Frankreichs Co-Trainer Guy Stéphan vor der Partie gegen Les Bleus einen Blumenstrauß in die Hand - ein Gruß an Frankreichs Chefcoach Didier Deschamps, dessen Mutter kurz zuvor gestorben war, und der deshalb bei diesem Spiel fehlte.

Kritik für XXL-Rotation gegen Frankreich

Dass Solbakken gegen den zweimaligen Weltmeister mächtig rotierte und mit seiner B-Elf am Ende eine 1:4-Klatsche kassierte, brachte ihm Kritik ein. Die der Trainer vehement abwehrte - erst nach dem Spiel, dann bei einer Medienrunde im norwegischen Mannschaftsquartier am Wochenende. Im Sechzehntelfinale brauche sein Team wieder volle Batterien, gab er zu verstehen. Die Belastung bei einer WM, wo die Spieler nicht mal zu Hause schlafen, sei einfach anders.

Solbakken räumte aber auch ein: Die Fans hätten ihre Lieblinge Haaland und Ödegaard sicher gerne gesehen. Gegen die Elfenbeinküste werden sie wieder dabei sein. Und gemeinsam mit dem Trainer versuchen, Norwegens Fußball-Märchen bei diesem Turnier fortzuschreiben. 25 Jahre nach dem Drama.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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