Fußball-WM: Mit dem Geist von 1994? Brasilien bastelt an der Titelform
Weniger Glanz, mehr Arbeit. Die Seleção erlebt bei der WM bislang kaum magische Momente. Erinnerungen an den Triumph in den USA vor 32 Jahren werden wach. Gegen Japan geht's nun in die K.o.-Phase.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Carlo Ancelotti stand an der Seitenlinie und musste mit ansehen, wie die Brasilianer jubelten. Es war der 17. Juli 1994, an dem Roberto Baggio mit seinem verschossenen Elfmeter Italiens Fußball ins Tal der Tränen stürzte - und die Seleção in Pasadena ihren vierten WM-Titel holte. Ancelotti war bei den Italienern damals Co-Trainer des legendären Arrigo Sacchi.
Nun, 32 Jahre später, erlebt Ancelotti seine zweite WM von der Trainerbank aus. Wieder in den USA. Diesmal aber als Chef. Und diesmal mit Brasilien. Der 67-Jährige ist einer der größten Hoffnungsträger der Südamerikaner. Gelingt es ihm, ihre langen Leiden zu beenden? Wie ein Topfavorit präsentierten sich die Brasilianer bei dieser WM bisher nicht. Doch womöglich beschwören sie ja den Geist von 1994. Und kommen jetzt, wo das Turnier so richtig losgeht, in Fahrt.
Ancelotti: "Wir spielen als ein Team"
Seine Mannschaft habe sich seit dem 1:1 zum Auftakt gegen Marokko stark verbessert, sagte Ancelotti zuletzt. Und hielt vor dem Sechzehntelfinale gegen Japan am Montag (19.00 Uhr/ZDF und MagentaTV) schon mal fest: "Wir spielen als ein Team." Eine Erkenntnis, die angesichts der überschaubaren Anzahl von absoluten Topstars im Aufgebot des Rekordweltmeisters nicht unwichtig ist.
Schön zu spielen, ist das eine. Erfolgreich zu sein, das andere. Auch in Brasilien haben sie ihre Prioritäten da mittlerweile verschoben. Dazu passt auch, dass die stolzen Südamerikaner ihr Vertrauen in die Hände von Ancelotti und damit erstmals bei einer WM in die eines ausländischen Trainers legen. 24 Jahre ist es her, dass der Rekordweltmeister den bislang letzten seiner fünf Titel gewonnen hat. Genauso lang hatte Brasilien warten müssen, ehe es 1994 triumphierte.
Dunga setzt auf das "gute Omen"
"Diese Mystik spricht für uns", sagte Ex-Kapitän Carlos Dunga kürzlich der "Sport Bild". "Das ist ein gutes Omen." Auch damals reisten die Brasilianer angezählt in die USA. Auch damals spielten sie nicht die Sterne vom Himmel. Unter Trainer Carlos Alberto Parreira wurde mehr gearbeitet als gezaubert.
Ein Stil, der auch zu Dunga, dem damaligen Mittelfeld-Chef und einstigen Profi des VfB Stuttgart, passte. Ein Stil, der nicht jedem in der Heimat schmeckte. Dem Coach am Ende aber recht gab. Auch dank Elfmeter-Killer Cláudio Taffarel, der zwischen den Pfosten stand - und diesmal als Torwarttrainer dabei ist.
Nun versucht sich Ancelotti daran, die Sehnsucht der großen Fußball-Nation zu stillen. Er habe durch das damalige Turnier so viel gelernt, erklärte der Trainer-Routinier mal - "über die Aufregung, die Vorbereitung und die Opfer, die man bringen muss, um ein Finale zu erreichen". Der Italiener hat es zwar verloren. Dennoch bezeichnet er die WM 1994 noch heute als "großartige Erfahrung".
Marquinhos und die langen Leiden
Ancelotti lässt sich voll und ganz auf die Brasilianer ein. Und sie sich auf ihn. Der Coach singt vor den Spielen leidenschaftlich die Hymne mit. Die Profis schätzen seinen respektvollen Umgang und loben ihn überschwänglich. Auch Abwehrchef Marquinhos. Ancelotti sei ein "Gewinnertyp", betonte er.
Marquinhos kennt das mit den langen Leiden auch aus dem Club: Zwölf Jahre spielte er bereits für Paris Saint-Germain, ehe die ambitionierten Franzosen 2025 ihren ersehnten ersten Champions-League-Titel gewannen. Inzwischen sind es sogar zwei. Tritt Abwehrchef Marquinhos bei dieser WM nun in die Fußstapfen von Dunga als Weltmeister-Kapitän? Und Vinícius Júnior womöglich in die von Romário, Brasiliens bestem Torschützen beim Turnier 1994?
Ex-Bundestrainer Jürgen Klinsmann erklärte unlängst, dass die Seleção sein Titelfavorit sei - und er dafür auch schon mal als verrückt erklärt werde. Liegt der frühere deutsche Stürmerstar am Ende richtig? Auch Klinsmann war schon bei der WM 1994 dabei. Als Ancelotti noch auf der anderen Seite stand.
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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kns/roj/news.de
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