Handball: "Schlechte Komödie": Deutsche Clubs ärgern sich über Reform

Die Reform der Handball-Champions-League geht für viele erst einmal nach hinten los. Warum deutsche Clubs über das Regel-Wirrwarr schimpfen, wer besonders zittert und wie die EHF die Kritik kontert.

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Das DHB-Team bei einem Qualifikationsspiel zur Handball-EM in der SAP Arena (Archivbild). (Foto) Suche
Das DHB-Team bei einem Qualifikationsspiel zur Handball-EM in der SAP Arena (Archivbild). Bild: picture alliance/dpa | Marco Wolf

Für den SC Magdeburg und die Füchse Berlin geht es ab dieser Woche um den Halbfinal-Einzug in der Champions League - für die Handball-Bundesliga um weit mehr. Denn während die deutschen Topclubs um Europas Krone kämpfen, wird im Hintergrund gerechnet und gezittert. Schließlich beeinflusst das Abschneiden des Titelverteidigers SCM und des Pokalsiegers Berlin die Zusammensetzung des Teilnehmerfelds der kommenden Königsklassen-Saison.

Die gute Nachricht: Die Chancen stehen gut, dass Deutschland drei Startplätze erhält. Die schlechte Nachricht: Es ist kompliziert. Füchse-Coach Nicolej Krickau sprach von einer "Wissenschaft für sich". Vereinsboss Bob Hanning erklärte der Deutschen Presse-Agentur: "Man muss sich schon einlesen, und einen gewissen Intellekt braucht man dafür auch, um das zu verstehen. Es gibt keine Planungssicherheit."

Was verändert sich in der Champions League?

Die EHF hatte die Reform schon im Dezember angekündigt. Mitte April konkretisierte der Verband die Teilnahmebedingungen.

Fakt ist: Die Königsklasse wird von 16 auf 24 Teams erweitert. Die besten zehn Ligen, zu denen die HBL gehört, haben einen garantierten Startplatz und können bis zu zwei weitere per Upgrade beantragen. "Das ist im Vergleich zu maximal zwei Clubs in dieser Saison und den Jahren zuvor definitiv eine Verbesserung – auch für die Bundesliga", teilte die EHF auf dpa-Anfrage mit.

Außerdem ist der Sieger der diesjährigen Königsklasse für den europäischen Elite-Wettbewerb sicher qualifiziert. Auch der Gewinner der European League ist mit dabei - vorausgesetzt, der Gewinner der diesjährigen Champions League kommt entweder aus einem anderen nationalen Verband oder belegt in der Abschlusstabelle seiner nationalen Liga den ersten oder zweiten Platz.

EHF kontert: "Diskussion ein deutsches Luxusproblem"

Das Finale der Champions League steigt am 14. Juni - erst dann könnte es Planungssicherheit geben. "Sagt das vor der Saison", forderte Gummersbachs Trainer Gudjon Valur Sigurdsson und sprach von einer "schlechten Komödie".

Die EHF konterte, dass bereits im Dezember bekannt war, dass ein Platz für den Champions-League- und European-League-Sieger innerhalb des Kontingents von drei Mannschaften möglich sei. "Die weiteren Beschlüsse zur direkten Qualifikation des Titelverteidigers für die kommende Saison sichern gleichzeitig ab, dass auch der Vizemeister mit einem Platz rechnen könne. Die darüber hinausgehende Diskussion ist ein deutsches Luxusproblem, die zum Teil auch von sportlichen Momentaufnahmen getrieben zu sein scheint."

Was bedeutet das für die Bundesliga?

Für Deutschland heißt das: Nur der Meister hat einen garantierten Startplatz. Schließlich ist noch unklar, ob ein HBL-Club in der European- oder Champions-League triumphiert. Gehen beide Titel nach Deutschland - was gut möglich ist - sind das nicht automatisch zwei Startplätze.

Hoffnungen dürfen sich vor allem Tabellenführer Magdeburg und Berlin machen. Der SCM spielt am Mittwoch (18.45 Uhr/Dyn) sein Viertelfinal-Hinspiel beim ungarischen Club SC Pick Szeged. Die Füchse treten einen Tag später (18.45 Uhr) in Veszprem an. Außerdem sind noch Kiel, Flensburg, Hannover-Burgdorf und Melsungen im Rennen. Das HBL-Quartett steht in der European League im Viertelfinale. Gummersbach könnte sich über die Liga qualifizieren.

Drei mögliche Szenarien

Gewinnen die Füchse die Champions League und Kiel die European League und keiner der Vereine schafft die Qualifikation über die Liga, gäbe es nur für die Füchse einen Startplatz. Der deutsche Meister hätte auch einen und der Vizemeister könnte ein Upgrade beantragen. "Wenn am letzten Spieltag die Sonne scheint, kommt vielleicht auch noch jemand anders rein. Es ist echt verwirrend", kritisierte Gummersbach-Boss Christoph Schindler.

Magdeburg wird Meister und gewinnt die Champions League, Kiel wird nur Vierter und gewinnt die European League. Gummersbach wird noch Zweiter und Berlin Dritter. Dann wären Magdeburg und Kiel qualifiziert und Gummersbach könnte ein Upgrade beantragen. Für Berlin wäre kein Platz frei. "Das ist weiterhin keine Garantie, aber ein zusätzlicher Anreiz, der den Europapokal-Wettbewerb weiter aufwertet", sagte Kiels Geschäftsführer Viktor Szilagyi der dpa.

In der Bundesliga fallen die Füchse noch auf Platz vier hinter Magdeburg, Flensburg und Gummersbach zurück, gewinnen aber die Champions League. Dann hätten die Hauptstädter einen Startplatz und Gummersbach würde leer ausgehen. Magdeburg als Meister und Flensburg als Zweiter - das Upgrade vorausgesetzt - wären auch dabei. "Aktuell ist weiterhin viel Rechnerei notwendig", kritisierte SG-Geschäftsführer Holger Glandorf.

Hanning: "Mit Blick auf die sportliche Fairness..."

Hanning kann die Kriterien der EHF einerseits verstehen. "Weil sie es schaffen, einem Wettbewerb eine besondere Bedeutung zu geben", erklärte der Füchse-Chef. Dass die "stärkste Liga der Welt" aber nicht drei garantierte Startplätze habe, könne er nicht nachvollziehen. "Mit Blick auf die sportliche Fairness tue ich mich schwer bei dem Thema", sagte Hanning.

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

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