Olympia 2026: Rundumschlag: Eisschnellläufer entfacht Wirbel um Verband neu
Nach seinem letzten Olympia-Rennen in Italien geht Eisschnellläufer Fridtjof Petzold in die Offensive. Er spricht von einem strukturellen Problem und einer mangelnden Betreuung bei den Winterspielen.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
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Vom Schweigen hatte Olympia-Teilnehmer Fridtjof Petzold nach seinem abschließenden sportlichen Auftritt bei den Winterspielen in Italien genug. Eine der letzten Interview-Chancen auf der olympischen Bühne nutzte der in der breiten Öffentlichkeit eher unbekannte Eisschnellläufer für eine Generalkritik.
Im Visier des Rundumschlags: die Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) und damit der Verband, für den Petzold antritt. Der 28-Jährige kritisierte, dass die DESG ein strukturelles Problem habe und die Betreuung in Mailand nicht so gewesen sei, wie er es sich vorgestellt hätte. Letzteres wies Sportdirektorin Nadine Seidenglanz vehement zurück. Der einst so erfolgreiche Verband steht schon seit Wochen wegen Medienberichten über angebliche Unregelmäßigkeiten unter Druck.
Petzold: Ein paar Dinge laufen schief
Die Bilanz von null Medaillen in Italien und den vierten Winterspielen in Folge ohne Edelmetall rückt dabei angesichts der internen Querelen in den Hintergrund. Vom Präsidium bis zur Athletenbetreuung durch die Trainer bei Olympia werde die DESG unprofessionell geführt, äußerte Petzold.
"Jetzt gerade auch mit der medialen Aufmerksamkeit muss man halt mal darauf aufmerksam machen, dass da ein paar Dinge schieflaufen", erklärte Petzold, der für die Athletenkommission des Eislauf-Weltverbands ISU kandidiert.
Petzold: "Jeder hat da natürlich Angst"
Es gebe DESG-Verantwortliche, die "sehr nah" beim Präsidenten Matthias Große angesiedelt seien. "Jeder hat da natürlich auch Angst, irgendwie was zu sagen, weil er um seinen Job besorgt ist, dass er ihn dann verliert."
Zudem begleitete Petzold in Italien ein aus seiner Sicht gestörtes Verhältnis zu dem am Stützpunkt in Berlin ansässigen Allround-Bundestrainer Alexis Contin. Seit dem Ende der vergangenen Saison gebe es "persönliche Differenzen" mit dem Franzosen. Dabei sei ihm vor der Saison von der DESG zugesichert worden, dass man "die bestmögliche Betreuung für alle Sportler will", erklärte der 28-Jährige.
"Das hat sich jetzt in den letzten Wochen ein bisschen entgegengesetzt entwickelt", betonte Petzold. Rund um sein Halbfinal-Aus im olympischen Massenstart sei die Betreuung nicht so gewesen, wie er sich es vorgestellt habe, äußerte er.
"Der Bundestrainer, der am meisten Kompetenz für den Massenstart hat, ist Alexis Contin", sagte der gebürtige Sachse. "Ich habe mir dann auch gewünscht, dass er heute hier auf dem Eis steht. Das wollte er aber nicht." Betreut wurde er stattdessen vom niederländischen Sprint-Bundestrainer Aart van der Wulp vom Stützpunkt in Erfurt. Dort, wo auch Petzold trainiert.
Sportdirektorin entgegnet: "Vollständig betreut"
Seidenglanz, die mit Contin verheiratet ist, wies die Kritik Petzolds zurück. Sie sei "absolut nicht gerechtfertigt". Seidenglanz versicherte: "Wir kümmern uns um alle Athleten vollständig und haben nur das beste Interesse für die Athleten."
Für den kommenden Donnerstag hat die DESG eine Pressekonferenz im Berliner Müggelturm - das Areal gehört Große - angekündigt. Dort sollte es eigentlich um eine ganz andere Causa gehen.
Denn zu Beginn der Spiele hatte es Wirbel um einen "Sportschau"-Bericht über angebliche Unregelmäßigkeiten bei der DESG und ein vermeintlich belastetes Verhältnis zwischen einigen Athleten und der Verbandsspitze gegeben. Große kündigte auf erneute Anfrage der Deutschen Presse-Agentur über seine Anwälte an, bis Montagabend Stellung zu den Aussagen Petzolds und dem Medienbericht zu beziehen. Zusätzlich wurde auf den Medientermin am Donnerstag hingewiesen.
DESG steht unter Beobachtung
Beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) und auch im Haus von Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein (CDU) steht der Verband jedenfalls unter Beobachtung. Von einem Sprecher Schenderleins hieß es, dass die DESG "bereits seit längerer Zeit intensiv" durch Bundesinnenministerium, Bundeskanzleramt und Bundesverwaltungsamt begleitet werde.
Der DOSB erklärte, er sei nach dem Bericht sensibilisiert. Die Dachorganisation erwarte von ihren Mitgliedsverbänden, "dass sie sich im Rahmen der rechtlichen Vorgaben bewegen sowie ihre eigenen Satzungen und Regelungen und dabei die Grundsätze der guten Verbandsführung einhalten", hieß es.
Athletenvertreter: Wünschen uns das Beste für den Sport
Die Abrechnung Petzolds entfachte den Wirbel um die DESG kurz vor der Olympia-Schlussfeier neu. "Ich war ganz froh, dass das Trainerteam und der DOSB das von den Sportlern ferngehalten haben", hatte Eisschnellläufer Hendrik Dombek nach seinem 1.500-Meter-Rennen gesagt. Es sei Aufgabe des Verbands, des DOSB und der Sportpolitik, die Probleme aufzuarbeiten.
"Wir sind am Ende die Akteure und wir wünschen uns, dass alle das Beste für den Sport wollen, was ich grundsätzlich den Leuten auch unterstelle. Also ich glaube, dass Matthias Große das Beste für den Sport möchte, und wir wollen gerne mit ihm zusammenarbeiten, damit das auch wirklich das Beste wird", äußerte Dombek, der auch Präsidiumsmitglied bei der Vereinigung Athleten Deutschland ist. "Wir wollen den Sport machen, wir wollen, dass das Umfeld geliefert wird, und dafür ist der Verband verantwortlich, und dafür kriegt er sehr viel Geld."
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
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