Büsum/Norddeich: Flut, Seenebel und andere Gefahren – Tipps für Wattwanderer

Wattwandern sicher genießen: Weshalb Wind, Gezeiten und festes Schuhwerk entscheidend sind – und wie man Notlagen im Watt richtig einschätzt.

Erstellt von - Uhr

Täglich bestens informiert mit den aktuellen Nachrichten auf news.de (Symbolbild). (Foto) Suche
Täglich bestens informiert mit den aktuellen Nachrichten auf news.de (Symbolbild). Bild: Adobe Stock / Tryfonov

Wer an der Nordsee Urlaub macht, sollte unbedingt einen Ausflug ins Wattenmeer wagen: Wenn der Schlick unter den Füßen spritzt oder man ein Stück salzigen Queller probiert, kann man den Naturraum am besten kennenlernen. Doch in dieser Wildnis, die zweimal am Tag trockenfällt, ist auch Vorsicht geboten. Warum man nicht allein ins Watt laufen sollte, Gummistiefel eher zu Hause bleiben sollten und was bei einer Notlage zu beachten ist – hier gibt es Tipps für sicheres Wattwandern.

Die Gezeiten im Blick haben

Vor Wattwanderungen sollte man sich mit dem Gezeitenkalender vertraut machen. Jeder Gast sollte wissen, wie die Tide ist und bei auflaufendem Wasser nicht ins Watt gehen, sagte eine DGzRS-Sprecherin kürzlich. Niemals sollte man bei auflaufendem Wasser, also Flut, zu einer Wattwanderung aufbrechen. Zudem sollte man sich unbedingt den Zeitpunkt des Niedrigwassers merken und die Zeit für den Rückweg berechnen, bevor man los wandert.

Nach Angaben der Tourismuszentrale des Nordseeortes Husum ist der günstigste Zeitpunkt für den Start einer Wattwanderung etwa zwei Stunden vor Niedrigwasser.

Die Seenotretter der DGzRS wiesen zudem darauf hin, dass man kurz vor einer Tour die aktuellen Gezeitenvorausberechnungen des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie im Blick haben sollte. Denn die Windverhältnisse haben einen großen Einfluss darauf, wie schnell und hoch das Wasser tatsächlich aufläuft.

Volllaufende Priele können Rückweg abschneiden

Oft werden die tieferliegenden Flächen der Priele bei Niedrigwasser gar nicht beachtet oder als solche erkannt, wenn sie ganz trocken gefallen sind. Bei einsetzender Flut laufen diese oft zuerst voll und können Strandspaziergängern und Wattwanderern den Weg abschneiden. "Liegt nach Niedrigwasser noch ein Priel zwischen Ihnen und dem Festland, treten Sie bitte sofort den Rückweg an", hieß es bei der DGzRS.

Feste Schuhe schützen vor Muschelschnitten

In vielen Wattgebieten sind Muscheln. Nicht immer sieht man diese sofort - entweder weil sie sich unter der Oberfläche eingegraben haben oder weil man durch einen Priel waten muss. Scharfe Muschelkanten können tiefe und schmerzhafte Wunden in die Füße schneiden. Insbesondere bei längeren Touren ist daher festes Schuhwerk angesagt.

Normalerweise ist Barfußlaufen auch ok, wie der Biologe und Wattführer Rainer Borcherding sagte. Aber vor allem in Bereichen, wo viele pazifische Austern seien, seien Schuhe empfehlenswert. "Diese Austern sind einfach so unglaublich scharf", sagte Borcherding. Trete man darauf, sei der Fuß erst einmal für ein bis zwei Wochen kaputt.

Gummistiefel eignen sich nach Angaben der DGzRS oft nicht, da sie zu locker sitzen und im Schlickwatt vom Fuß rutschen. Beim Durchwaten von Prielen können sie zudem volllaufen. Bewährt haben sich Neoprenschuhe oder spezielle Strandsocken. Auch alte, fest sitzende (Leinen-)Turnschuhe funktionieren gut.

Seenebel kann plötzlich aufziehen

Gegen einen kurzen Spaziergang allein im Watt spricht nach Angaben von Wattführer Borcherding nichts. "Aber man sollte immer in enger Sichtweite zum Festland bleiben." Als erste Regel würde er sagen, maximal fünf bis zehn Minuten vom Ufer entfernen, damit man schnell wieder zurück könne. Die sei auch wichtig bei Seenebel, der innerhalb von Minuten auch bei Sonnenschein aufziehen könne.

Im dichten Seenebel könne man schnell die Orientierung verlieren, teilte die DLRG St. Peter-Ording mit. Immer wieder komme es etwa vor, dass sie gemeinsam mit anderen Rettungskräften ausrücke, um Spaziergängern, Wattwanderern und Joggern im Nebel zu Hilfe zu kommen.

Er mache bei Wattführungen regelmäßig mit den Gästen das Nebelspiel, sagte Borcherding. Die Gäste sollen dann mit geschlossenen Augen 100 Meter geradeaus laufen. "Und dann sieht man eben staunend, dass man keineswegs geradeaus gegangen ist." Denn die meisten Menschen hätten ein stärkeres Bein "und dann läuft man wirklich im Kreis".

Am besten an einer geführten Tour teilnehmen

Weiter ins Watt gehen sollten Ortsunkundige nicht, wie Wattführer und Experten verschiedener Rettungsorganisationen betonten. "Auf keinen Fall", sagte auch Borcherding. Besser sei es, sich einem kundigen Wattführer anzuschließen, teilte die DGzRS mit: "Unternehmen Sie längere Touren nur mit erfahrener Wattführung!" Denn bei Unkenntnis könnten Tücken wie Senken, Priele, Löcher, Muschelfelder, Steilkanten und Schlickfelder lebensgefährlich werden.

Zertifizierte Wattführerinnen und Wattführer sind etwa über das Internet auf den Websites der Nationalparkverwaltung oder der Wattführergemeinschaft zu finden.

Hilfe suchen für Lage-Beurteilung

Immer wieder alarmieren auch Passanten von Stränden aus Rettungskräfte wegen einer vermeintlichen Notlage in der Ferne im Watt – etwa weil Wattwanderer feststecken oder Kitesurfer Hilfe brauchen. Je nach Entfernung sei es aber vom Strand aus gar nicht so leicht zu erkennen, ob tatsächlich ein Notfall vorliege, sagte Thomas Weege, stellvertretender Stadtbrandmeister der Feuerwehr Norden (Landkreis Aurich). Die Norder Feuerwehr in Ostfriesland rückt pro Jahr etwa ein halbes Dutzend Mal zu möglichen Notlagen im Watt vor der Küstenstadt aus – nicht immer liegt auch ein Notfall vor.

Der Feuerwehrmann gibt daher den Rat, Hilfe zu holen für die Lage-Beurteilung: Ist tatsächlich ein Mensch im Watt in Not oder ist es ein verirrtes Reh? Läuft das Wasser gerade auf oder ab – wie groß ist die Gefahr? "Wenn man nicht ortskundig ist, dann sollte man versuchen, Ortskundige anzusprechen – etwa am Wachturm der DLRG oder an gastronomischen Ständen", sagte Weege. Denn Menschen, die sich auskennen, könnten bei der Lage-Beurteilung helfen. "Im Zweifel bleibt dann nur der Anruf bei der Leitstelle." Dort seien Experten, die unterstützen könnten, die Lage zu verifizieren.

Rettungskräfte einweisen

Wer bei einem Notfall vom Strand aus Rettungskräfte alarmiert, sollte danach in jedem Fall auf sich aufmerksam machen und die Feuerwehr einweisen. Denn oft bleibe der genaue Einsatzort an einem Hunderte Meter langen Strand wie etwa in Norddeich unklar, sagte Weege, besonders wenn im Sommer auch noch viele Menschen an der Wasserkante unterwegs seien. "Das ist immer eines der Probleme, die wir bei Einsätzen am Strand haben", sagte der Feuerwehrmann.

"Wenn wir am Strand ankommen, dann winkt oft niemand." Die Feuerwehr wisse dann nicht, wo genau die Hilfe benötigt werde. "Am besten ist es, auf eine Parkbank zu steigen und zu winken", sagte Weege. Oder andere Passanten einzubinden und sie zu bitten, den Einsatzkräften entgegenzulaufen.

Weitere aktuelle News aus dem Ressort "Reisen und Leben":

+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++

/roj/news.de

Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.