Großräschen/Geierswalde: Vor Eröffnung: Was man über die Lausitzer Seen wissen muss
3,8 Milliarden Kubikmeter Erde, 941 Millionen Euro und 100 Jahre Geschichte: Wie sich der Lausitzer Seenverbund von der Kohlegrube zum Hotspot für Wassersport und Urlauber verwandeln will.
Erstellt von Sarah Knauth - Uhr
Suche
Mit der Eröffnung des Lausitzer Seenverbundes am kommenden Montag findet ein Mammutprojekt der Bergbausanierung seinen Abschluss. Erstmals werden die fünf Seen an der Landesgrenze zwischen Brandenburg und Sachsen zu einem schiffbaren Verbund. Der Tourismusverband hofft auf ein Bade- und Wassersportparadies für Urlauber und Ausflügler aus Dresden, Berlin und weit darüber hinaus.
Rund 150 Gäste aus Politik, Wirtschaft, Tourismus, Kommunen und Behörden sowie Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) wollen die Eröffnung feiern.
Was Gäste im Lausitzer Seenland erleben können
Die fünf großen Seen - der Senftenberger, Geierswalder, Partwitzer, Sedlitzer und Großräschener See - würden erstmals alle miteinander verbunden und per Schiff befahrbar sein, teilt der Tourismusverband Lausitzer Seenland mit. Damit entsteht eine 50 Kilometer lange per Schiff und Boot befahrbare Strecke auf einer Wasserfläche von 5.300 Hektar. Der Plan ist, dass noch weitere Seen durch Kanäle miteinander verbunden werden. Bislang waren der Koschener Kanal zwischen Senftenberger und Geierswalder See sowie der Barbara-Kanal zwischen Geierswalder und Partwitzer See die einzigen befahrbaren Wasserstraßen der Region.
Alle fünf Seen seien motorisiert befahrbar, sagte Kathrin Winkler, Geschäftsführerin des Tourismusverbandes. Bis zu 2,5 Stunden dauere eine Durchfahrt - Wartezeiten kämen noch hinzu. Aktuell verkehrt auf dem Großräschener See ein Schiff für Personenschifffahrt. Die "Wilde Ilse", ein restauriertes historisches Personenschiff von 1938, verfüge über 55 Sitzplätze, heißt es auf der Webseite des Tourismusverbandes.
Nachdem im Mai dieses Jahres auch der Sedlitzer See für Badetourismus und Wassersport freigegeben wurde, können Gäste alle fünf Seen nun voll nutzen. "Die beteiligten Gewässer weisen inzwischen allesamt ein stabiles, pH-neutrales Milieu auf und bieten hervorragende Bedingungen für Badegäste und Wassersportler", teilt die Lausitzer und Mitteldeutschen Bergbau- Verwaltungsgesellschaft mbH (LMBV) mit. Hinzu kommen asphaltierte Seerundwege zur Nutzung etwa für Radfahrende oder Wanderer.
Welche Bedeutung die fünf Seen haben
Mit der Freigabe entsteht "die größte von Menschenhand geschaffene Wasserlandschaft Europas", so Tourismus-Chefin Winkler. Zugleich sei es ein großer Schritt für den Strukturwandel in der Lausitz, so die LMBV. Genau 100 Jahre ist es demnach her, dass die ersten Bagger das Erdreich für den Tagebau "Ilse-Ost" aufgebrochen haben, an dessen Standort sich heute der Sedlitzer See befindet. Generationen von Bergleuten hätten an der Sanierung der früheren Tagebaue gearbeitet. In der Lausitz wurden in den 1980er Jahren nahezu 190 Millionen Tonnen Braunkohle pro Jahr gewonnen, wie es von der Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft (LMBV) heißt.
Insgesamt entsteht im Lausitzer Revier nach LMBV-Angaben ein Seengebiet mit 23 Bergbaufolgeseen und einer Gesamtwasserfläche von 14.000 Hektar. Zum Vergleich: Die Müritz - Deutschlands größter Binnensee - ist nach Angaben des Wasser- und Schifffahrtamtes etwa 11.300 Hektar groß.
Wie viel Erde bewegt wurde und was die Flutung gekostet hat
Der letzte noch aktive Tagebau auf dem Gebiet der fünf Seen war der Tagebau "Meuro". Auf dem Gebiet, auf dem sich heute der Großräschener See befindet, wurde noch bis 1999 Kohle abgebaut. Die übrigen Tagebaue wurden noch während der DDR-Zeit stillgelegt. Der Senftenberger See etwa - das touristische Herzstück des Seenverbundes - wurde bereits ab 1967 geflutet und in den 1970er Jahren eröffnet.
In Zahlen ausgedrückt zeigt sich die Dimension des Projekts: Auf dem Gebiet der vier "jüngsten" Seen des Verbundes, deren Sanierung und Flutung die LMBV verantwortet, wurden rund 925 Millionen Tonnen Kohle abgebaut. Knapp 3,8 Milliarden Kubikmeter Erde seien bewegt worden, um an die Braunkohle zu gelangen, erklärt LMBV-Sprecher Uwe Steinhuber. Heute fassen alle fünf Seen zusammen ein theoretisches Wasservolumen von 640 Millionen Kubikmeter.
Rund 61 Millionen Kubikmeter Wasser sind nach LMBV-Angaben allein im vergangenen Jahr in sämtliche Seen im Lausitzer Revier geflossen - allein 15 davon in die "Restlochkette" - also den Verbund der fünf großen Seen. Der größte Teil des Wassers stammte den Angaben zufolge aus der Spree. Umgekehrt werden die Seen auch als Wasserreservoir genutzt, um den Flüssen etwa bei Niedrigpegel wieder Wasser zuzuführen.
Seit Anfang der 1990er Jahre hat die LMBV nach eigenen Angaben 941 Millionen Euro zur Sanierung der durch sie verantworteten vier Seen des Verbundes aufgewendet.
Was die Seen dem Tourismus bringen
Tourismusverbands-Chefin Winkler hofft auf eine "attraktive Urlaubsregion mit internationaler Strahlkraft". Im vergangenen Jahr hatte die Region nach Verbandsangaben bereits 269.000 Gäste und zählte 800.000 Übernachtungen. Wichtigster Auslandsmarkt für die Region ist Tschechien. Rund 23.000 Übernachtungen gingen auf Gäste aus Sachsens Nachbarland zurück. Polnische Gäste kamen auf 4.399 Übernachtungen in der Region. Bereits jetzt gibt es nach Verbandsangaben über 300 Bootsliegeplätze auf sächsischer Seite und über 700 auf brandenburgischer Seite. Künftig sollen es über 1.400 sein.
Weitere aktuelle Meldungen aus dem Ressort "Reisen und Leben":
- Halle/Dessau-Roßlau: Prozess wegen Verkauf von Fahrzeuge in Russische Föderation
- Wetter in Bayern: Unterfranken auf dem Weg zu einer der heißesten Regionen
- Worms: Alkoholisierter Schwimmer nach Badeunfall wiederbelebt
- Hameln: Schuss auf Firmengelände – Polizei sucht flüchtigen Täter
+++ Redaktioneller Hinweis: Diese Meldung wurde basierend auf Material der Deutschen Presse-Agentur (dpa) erstellt. Bei Anmerkungen oder Rückfragen wenden Sie sich bitte an hinweis@news.de. +++
kns/roj/news.de
Erfahren Sie hier mehr über die journalistischen Standards und die Redaktion von news.de.